Calle E

Unser Calle E kam im Dezember 2014 zu uns.

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Eigentlich waren wir gar nicht so richtig auf der Suche nach einem neuen Pferd. Aber andererseits war auch klar, dass Nina irgendwann zu groß für Paul sein wird, bzw. mit Paul nicht dauerhaft über L-Springen rauskommen wird. Paul ging zwar schon ein paar schöne M-Springen, aber dauerhaft kann man den kleinen Mann nicht auf 120% reiten. Das wäre unfair ihm gegenüber. Paul ist ein tolles L-Pony, aber im M-Springen muss er schon sehr kämpfen, vor allem, wenn er keine Ponyprüfungen mehr gehen darf, sondern in den normalen Prüfungen starten muss. Es gibt zwar einen Ponyausgleich in den Kombinationen, aber die Distanzen stehen trotzdem auf Großpferdeabstand und so muss Paul immer mit Zwischendistanzen kämpfen und das ist im M einfach nicht machbar.

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Und Ginny Gibson befand sich ja in ihrer Dauerauszeit. Keiner wusste, was sie hat, aber es war klar, dass der Weg in den Turniersport für sie entweder sehr lang oder auch gar nicht möglich sein wird. Trotzdem wollten wir uns von beiden  nicht trennen und so muss man eben mit seinen Mitteln haushalten.

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Aber irgendwie musste es ja auch weitergehen. Wenn man jeden Tag arbeitet und trainiert ist es  nur normal, dass man auch Fortschritte sehen will und im Sport weiterkommen will. Dagegen stehen halt auch die Finanzen, die es nicht zulassen, einerseits unsere beiden jetzigen zu behalten und dann noch weitere Pferde dazuzukaufen. So muss man immer abwägen, was denn möglich ist.

So haben wir uns ein bisschen umgeschaut, in der Hoffnung, dass uns ein Glückstreffer über den Weg läuft. Aber die Suche bei E-Horses ernüchtert einen dann gleich mal wieder. Will man ein Pferd haben, das sicher M-Springen geht, für Junioren reitbar ist, Potential für mehr hat und möglichst auch noch gesund ist, ist man ganz schnell in der Preiskategorie 40-100.000 € angekommen. Das sind natürlich reelle Preise für top ausgebildete Pferde, aber eben nicht für jedermann erschwinglich. Und so war klar, dass es wenn überhaupt wieder ein junges Pferd werden wird.

Eines Abends beim Abendessen schlug ich den St.Georg auf und da schaute er mich mit diesem Bild an.

 

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CALLE E

 

 

 

Ich weiss nicht warum, aber ab diesem Moment setzte ich alle Hebel in Bewegung um dieses Pferd einmal live zu sehen. Ich durchforstete das Netz, schaute Video, las alte Ergebnisse und sah immer wieder das Verkaufsvideo. Ich fand ihn toll.  Aber ich wusste auch, dass dieser tolle Kerl seinen Preis haben wird. So dauerte es lange, bis ich mich traute, bei Sportpferde Scholz anzurufen. Erst suchte ich nach Alternativen. Ich rief bei zahlreichen Anzeigen an, aber alle hatten irgendwie einen Haken, mit dem ich nicht leben wollte. Dann lieber gar kein Pferd. Irgendwann habe ich mir einfach das Herz  genommen und in Warendorf angerufen. Es stellte sich heraus, dass den Züchtern von Calle, die auch noch Besitzer waren, ihren Schimmel in guten Händen sehen wollten und so kam es, dass man sich über den Preis unterhalten konnte.

Wir fuhren also hin und wollten ihn wenigstens mal gesehen haben. Um sich nicht wieder anhören zu müssen, wir hätten blind das erstbeste Pferd gekauft, probierten wir auf dem Weg auch noch andere aus, aber das Richtige war da nicht dabei. Zudem hatten wir einfach keine Zeit. Wir hatten genau den einen Samstag, an dem wir morgens um drei losfuhren und abends wieder zuhause sein mussten, weil am nächsten Tag Reitabzeichen im Verein sein sollte und ich dort Jugendliche zu betreuen hatte.

 

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Baby-Calle

Nach dem dritten oder vierten Fehlversuch mit übermotorisierten Pferden kam Calle in die Halle. Groß, tollpatschig, einfach wie ein zu groß geratener Kuschelbär. Irgendwie so gar nicht wie ein Sportpferd. Er mit seinem gewohnt lässigen Schritt, der sich nicht einen Schritt zuviel oder gar zu schnell bewegt, der einen mit seinen großen, tiefschwarzen Augen anschaut und einem gleich mal den Kopf in den Arm legt, war also das Pferd, das mich nicht mehr losließ. Nina saß drauf und sah erstmal aus wie ein Floh. Calle ist schon echt viel Pferd. Ob das mal gutgeht? Aber Nina ritt ihn ein bisschen ab und man sah gleich, dass ich hier keine Angst um mein Kind haben muss. Calle bewegte sich mit einer Gemütlichkeit und Ruhe durch die Halle, den konnte kein Wässerchen trüben. Als es dann ans Springen ging, gab es noch ein paar Abstimmungsprobleme. Eigentlich klappte es gar nicht. Calle lief gerne mal am Sprung vorbei und das obwohl wir nur kleine Sprünge gemacht hatten. Zudem stand nur ein Sprung, der nur aus Stangen bestand in der Halle. Nichts guckiges, keine Distanzen, nichts. Eigentlich nicht die optimale Art ein Pferd zu probieren. Ich weiss bis heute noch nicht, warum ich an diesem Tag die Entscheidung gefällt habe, dass Calle unserer werden soll.  Wenn man ehrlich ist, war es Harakiri. Ich wusste schon, dass er unter dem Bereiter schon tolle Erfolge in Springpferdeprüfungen hatte, aber das war natürlich auch reiterlich ein anderes Kaliber als Nina mit damals rund 45 kg Körpergewicht und keiner Erfahrung in den höheren Springen. Andere in dem Alter haben ein erfahrenes Pferd, von dem sie erstmal lernen können, und wir haben uns mal wieder für einen jungen entschieden, mit dem sie zusammen wachsen muss. Ob sie das Riesenkuschelteddytier jemals geritten bekommen würde, stand in den Sternen aber wir wollten es versuchen. Und so vereinbarten wir eine Ankaufsuntersuchung und wenn die gut ist, sollte er bei uns einziehen und wir wollten mit ihm gemeinsam in den Sport hineinwachsen.
An dem Tag, an dem der TÜV gemacht wurde war ich irgendwie völlig daneben. Irgendwas musste doch noch schiefgehen. Wir gehören schließlich nicht zu den Leuten, bei denen immer alles glatt läuft. Als dann mittags der erlösende Anruf, der ebenfalls in Calle verliebten Tierärztin kam, dass „der ja mal gar nix hat“ war ich dann doch sehr erleichtert und konnte mich auf die Ankunft unseres sanften Riesen freuen.

 

Als er aus dem Hänger stieg war er irgendwie noch größer als beim Probieren. Aber so süß. Und nun war er da. Es war Winter und wir hatten genug Zeit mit ihm bis ins Frühjahr zusammenzuwachsen und ihn kennenzulernen. Schnell stellte sich heraus, dass er eine ganz schöne Herausforderung war zu reiten. Bedingt durch seine Größe und seine innere Ruhe war er doch recht stark und büffelig. Und so wurde es uns selbst im Winter öfter mal ganz schnell warm auf ihm. Puh, das war richtige Arbeit ihn zu gymnastizieren, ihn immer wieder geschmeidig zu machen und  zu halten. Einfach mal einen Tag laufenlassen, das reichte ihm nicht. Wir haben schnell gemerkt, dass er nach einem freien Tag schnell zum Traktor wird und dann auch mal die Lenkung versagt. So arbeiteten wir jeden Tag ernsthaft Dressur und fanden daran auch immer mehr Spaß, weil Calle ja auch sehr gute dressurmäßige Anlagen mitbringt, aber man muss es eben jeden Tag ernsthaft arbeiten.

Kurze Zeit später ging Calle schon mit aufs Turnier nach Kreuth. Zum eingewöhnen und einfühlen und einfach mal sehen, was er auf dem Turnier macht, ritt Nina zwei A und zwei L-Springen mit mäßigem Erfolg. Er war zwar superbrav, aber Nina hatte die Größe seiner Galoppsprünge vor allem in den Distanzen und Kombinationen noch nicht im Griff, so dass es hier einige Fehler gab. Aber das war ok. So wussten wir woran wie waren und an was wir im Winter arbeiten mussten.
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Schon beim nächsten Turnier zwei Monate später hatte sie das raus und konnte sich schon im ersten gemeinsamen M-Springen platzieren.

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Und so gingen wir guter Dinge in die erste Turniersaison mit Calle. Wir hatten ja schon ehrgeizige Ziele. Es war das letzte Jahr, in dem Nina beim Nürnberger Burgpokal mitreiten durfte. Das ist eine Serie für Junioren in Baden-Württemberg, in der sie sich auf verschiedenen Turnieren in Stil-M-Springen qualifizieren müssen und deren Finale in der Schleyerhalle bei den German Masters stattfinden sollte. Eigentlich war das Ganze ein Jahr zu früh. Ich hätte lieber ein Jahr Zeit gehabt das Pferd kennenzulernen, aber dann wäre Nina zu alt gewesen. Also versuchten wir es halt, aber glaubten nicht daran, dass es klappen könnte.  Von den rund 50 teilnehmenden Junioren Baden-Württembergs qualifizierten sich 15 für das Finale. Ein sehr ehrgeiziges Unternehmen also, vor allem, weil die Juniorenszene in Bawü pferdemäßig und reiterlich sehr gut aufgestellt ist, was man schnell an den Wertnoten in den Prüfungen merkte. Mit einer kleinen 7 oder gar einem Fehler brauchte man nicht mehr an eine Platzierung denken. Mindestens 7,5 und höher, besser eine gute 8 waren dafür dann schon erforderlich. So sammelten wir in den ersten Qualis ein paar Punkte, auch wenn wir mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten.

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Calle war zum Beispiel kein Freund von dreifachen Kombinationen. Es war nahezu unmöglich für Nina ihn durch eine dreifache zu lotsen, da er sich am zweiten Sprung einfach steif machte und vorbei lief. Auch lange Parcours mit vielen Sprüngen waren schwierig, da beiden zum Ende des Parcours die Konzentration und die Kraft ausging und sich immer am Ende die Fehler häuften. So mussten wir über die Saison ein paar Sachen herausfinden. Zum Beispiel, dass wir ihn nur sehr kurz abreiten dürfen um keine Kraft zu verschwenden. Dreifache standen zuhause im Training auf dem Tagesplan. Erst ganz klein, um Sicherheit zu bekommen, dann langsam größer und irgendwann ging es dann auch auf dem Turnier. Manchmal, aber noch nicht immer.

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Dann kam das nächste Problem. Im Sommer brach sich Nina bei einem Sturz mit Ginny das Schlüsselbein und musste pausieren. Ich hielt Calle in dieser Zeit in Schwung und ritt ihn auch nebenher eine Geländeprüfung, die aber am Wassereinsprung scheiterte.

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Zwei Qualis hatte Nina nun verpasst, aber trotzdem wollten wir die restlichen noch mitnehmen, auch wenn die Chancen den Rückstand aufzuholen gering war. Aber langer Rede. kurzer Sinn. Es klappte. Das Durchalten hat sich gelohnt und auf dem letzten Turnier holte sich Nina auf den Punkt genau das Ergebnis, das nötig war um als 15. ins Finale einzuziehen.

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Nun mussten wir also die Saison verlängern, wir mussten Calle ja bis in den November fit halten. Als letztes Turnier vor dem Finale ritt Nina nochmal in Kreuth und wir wurden böse auf den Boden der Tatsachen geholt. Calle stoppte. Sprung 1 ging noch und dann nichts mehr. Zerknirscht mussten wir nach Hause fahren und überlegen…..
Irgendwas konnte doch da nicht stimmen. Zwar stoppt Calle schon immer wieder mal, aber normalerweise nicht ohne Grund. Kommt man aus einer zu engen Wendung, hat man zu wenig Galopp, sieht man die Distanz nicht, stört man ihm vor dem Sprung, all das sin Gründe, warum er stoppen kann. Das wissen wir . In Kreuth war es aber nichts von alledem. Er galoppierte nicht mal aus der Wendung da war er noch nicht mal in der Nähe vom Sprung. Da konnte was nicht stimmen. Aber es war nicht mehr viel Zeit. Gott sein Dank bekam ich schnell meine Osteopatin her, die des Problems Lösung fand. Calle musste sich bei einer wilden Koppelgaloppieraktion verzogen haben und konnte gar nicht so galoppieren wie er sollte. Schnell waren die Blockaden gelöst und nur 5 Tage später ging Calle ein schöne Runde in der Schleyerhalle mit einem Hindernisfehler, der aus einem Distanzproblem entstand. Damit wurde er im Finale 10. und Nina super glücklich und zufrieden.
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Unsere erste Saison mit Calle war echt spannend. Es gab so viele erste Male, so viel Unbekanntes, wir wurden immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, mussten uns mit Problemen auseinandersetzen und sie lösen. Uns und Calle wurde nichts geschenkt. Aber die beiden sind über die Saison zusammengewachsen und so konnte wir im Jahr 2015 beruhigt in die Winterpause gehen.

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Den weiteren Werdegang von Calle und Nina könnt ihr im Blog mitlesen, in dem es dann immer die aktuellen Berichte und Turnierergebnisse gibt.