Good bye Mr.Knister

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Im Jahr 2010 zog Mr.Knister bei uns ein. er war mal wieder eine typische  Kaupp-Aktion.
Beim Ausprobieren hat er Nina gleich einmal in den Sand gesetzt und mich über den Haufen gerannt, aber irgendwie war mir der Jungspund sympatisch. Eine Nacht darüber schlafen und schon stand er am nächsten Tag zur Verwunderung aller auf unserem Hänger.  Ja, drauf stand er mal.  Das wars dann aber auch. Die erste Aktion, die er im neuen Zuhause brachte, war, dass er nicht mehr aus dem Hänger ausstieg.
Wir mussten die Trennwand rausmachen, den gnädigen Herrn drehen und vorwärts ausladen. In den nächsten Wochen übte er immer wieder mit Rapunzel. Rapunzel stieg geduldig ein und aus und ein und aus, Knisti stand und stand und stand im Hänger. Aber irgendwann hat es selbst er kapiert, wie man rückwärts aus dem Hänger geht. Puh, das war kein einfaches Unterfangen. Inuzwischen ist Hängerfahren Routine geworden aber so sieht man mal, dass auch bei uns nicht alles von alleine geht.

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Im Laufe des ersten Jahres, Knisti war vierjährig durfte  er schon immer wieder mit Rapunzel und Nathalie mit um Turnierluft zu schnuppern. Oft, so wie auch beim Übernachtungsturnier in Meissenheim war er nur so dabei, ohne eine Prüfung zu gehen, einfach nur, dass er sich an die Atmosphäre gewöhnt ohne den Stress einer Prüfung zu haben, manchmal ging er auch schon eine kleine Prüfung.

Unser Mini-Knisti hatte viel Spaß in seiner kleinen Herde. Er wuchs zusammen mit Nathalie und Rapunzel in einer großen Box auf, und die drei waren unzertrennlich. In jungen Jahren wurde er mit allem konfrontiert, was das Pferdeleben bietet. Er war und ist ein richtige Spielkind.

 

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Hier sieht man noch deutlich, was für ein Hemdchen er war. Wenn einem heute der stattliche Knisti gegenübersteht glaubt man gar nicht mehr, dass er mal so ein Hänfling war.

Wir hatten mit Knisti eine abwechslungreiche Zeit. Es war schön so einen kleinen Mann wachsen und lernen zu sehen. Er war einfach für jeden Spaß zu haben und machte nahezu alles mit. Was aber jetzt nicht heißen soll, dass die Zeit einfach war. So wie er, wenn er wollte, alles mitgemacht hat, so konnte er genauso auch mal alles boykottieren. Die unzähligen Male, die er Nina einfach kurzerhand abgesetzt  hat, sind unzählbar. Trotzdem ist sie immer wieder tapfer draufgeklettert und es ging immer weiter.

 

Als Knisti 5 Jahre alt war ging für ihn aber der Ernst des Lebens los. Er hatte sich so gut auf den Turnieren entwickelt, was so gut mit Nina zusammengewachsen und hatte sich auf den Kaderlehrgängen immer schön präsentiert, so dass Nina auch mit ihm in den Regionalkader berufen wurde. Ein großer Schritt für so ein junges Pony.  Aber er hielt dem Stand.

Für ihn sollte der Weg in Richtung Goldene Schärpe gehen, einer Vielseitigkeit, die auf E-Niveau ausgetragen wurde Und das schafften die beiden auch. Viele schöne Qualiprüfungen, viele Trainings gingen dem voraus und so durften die beiden dann mit nach Olfen zur Schärpe, dem Deutschlandpreis der Ponyreiter.

 

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Auf der Schärpe lief er eine sehr schöne Dressur, und ein schönes Springen, leider war der Jungspund am dritten Tag, als das Gelände war ein bisschen über die Uhr. Man hatte wohl doch unterschätzt, wie aufregend so ein Turnier für so ein junges Pony ist. Die lange Fahrt, die Übernachtung im Stallzelt, die Wahnsinnstimmung auf der Schärpe, das alles war ein bisschen Zuviel für seine Nerven. Im Gelände zeigte er das und setzte Nina kurzerhand nach dem ersten Sprung ab. Zack, da war es vorbei. Wie hätte Herr Bürk das beschrieben: “ Es hat geknistert“ Ja, so war das dann auch  wieder. Knisti hat das zwar äußerlich nicht gezeigt, aber innerlich waren die Nerven noch nicht so stabil, wie sie sein sollten. Deshalb verzichteten wir auch darauf ihn in diesem Jahr beim Nachwuchschampionat zu reiten. Er hatte über die Saison einen tollen Job gemacht, aber er brauchte auch noch Zeit in Ruhe zu reifen.

Die sollte er bekommen. Im nächsten Jahr wurde er dann von Paul unterstützt, so dass die gesamte „Kaderlast“ nicht mehr auf ihn fokussiert war. Das war gut so. Knisti entwickelte sich sehr schön und ging in fortan die Qualis für das Bundeschampionat. Hier sicherte es sich relativ schnell die Teilnahme, war siegreich in A-Vielseitigkeiten, mit sehr guten Noten platziert in Geländepferde-A und L und auch in Dressuren.

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Den Jahresabschluss machten für ihn das Bundeschampionat in Warendorf. Mit einer tollen Einlaufprüfung, für die er die Note 8,7 bekam qualifizierte er sich für die eigentliche Prüfung, eine kombinierte A-Vielseitigkeit.  Hier lag er nach Dressur und Springen auf Rang 6, da er leider eine Stange im Springen hatte. Auch hier fand er wieder das große Stadion und vor allem die Videoleinwand, auf der er sich selbst sehen konnte sehr spannend und es dauerte ein paar Sprünge, bis er konzentriert war. Das Gelände war aber wieder top und so war er am Ende  und den Besten 5 und 6 jährigen Vielseitigkeitsponys Deutschlands 6. Das war ein Riesenerfolg für unseren kleinen Mann und die damals 13-jährige Nina.

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Im Jahr danach waren die Beiden gemeinsam mit Paul im Landeskader. Die Ponys wechselten sich ab, aber nach Marbach zur internationalen Vielseitigkeit fuhren sie gemeinsam. Knisti wuchs über sich hinaus. Mit nur einem Vorbeiläufer im Marbacher Gelände zeigte er, dass auch er langsam aber sicher erwachsen wurde. Das war schon eine tolle Leistung. Schade, dass er die Leistung nicht halten konnte und im abschließenden Springen doch Angst vor seinem eigenen Mut bekam. Das war immer noch sein kleines Problem. Eigentlich konnte er ja schon, aber manchmal verließ ihn einfach kurzfristig sein Selbstbewusstsein und dann konnte er mal ganz schnell und fies die Bremse ziehen. Auch hier hat er im letzten Moment vor dem Absprung den Kopf runtergemacht und hat Nina alleine in den Sprung gesetzt. Das war super schade, da er vorher ja wirklich mutig war.

Trotzdem sammelte er über die Saison hinweg wieder tolle Erfolge und qualifizierte sich sogar für die Deutsche Meisterschaft. 5 in Serie gewonnene A-Springen standen auf seinem Konto, tolle Dressuren mit Noten bis an den 8er Bereich und viele schöne Geländerunden. Gleichzeitig war er zuhause unser liebevoller Quatschkopf, den jeder gern hat und der sich mit allen anderen Pferden super verstand. Rundum ein liebenswerter Kerl einfach.

Trotzdem mussten wir langsam über Ninas Umstieg aufs Großpferd nachdenken. Wenn man im Sport bleiben will muss es ja weitergehen. Und mit gerade mal 7 Jahren wäre Knisti einfach zu jung gewesen um bei uns zu bleiben und nur noch die zweite Geige zu spielen. Das wäre ihm gegenüber nicht fair gewesen.  So ein Pony will ja auch eine Aufgabe haben und die bekam er mit dem Verkauf an Merit.
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Das war eine gute Lösung für uns, da er so bei uns im Stall bleiben konnte, ich ihn weiterhin in Beritt hatte und so Merit helfen konnte mit ihm zusammenzuwachsen. In den folgenden beiden Jahren durfte Merit von seiner Erfahrung profitieren. Vom ersten Sieg in einer Dressurreiterprüfung, über viele Platzierungen und Siege in E-Springen schafften es die Beiden bis zur Platzierung in A-Springen.

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Aber irgendwann kommt es, wie es bei vielen Jugendlichen kommt. Die Schule zieht an. In dieser Zeit war es für Merit manchmal nicht einfach Schule und Pony zu kombinieren und so suchte man wieder nach einer guten Lösung für ihn. Die fand sich in Dennis und Lena. Die beiden Geschwister aus der Leonberger Ponygruppe durften ihn seitdem mitreiten. Mit den beiden lernte er völliges Neuland kennen. Plötzlich Kinderpony zu sein war ganz neu. Aber auch diese Aufgabe war für Knisti kein Problem. Zuzusehen, wie er auf die Beiden aufpasste, wie er immer bemüht war keinen Fehler zu machen, damit die Beiden auch ganz sicher nicht herunterfielen, waren viele kleine Gänsehautmomente.

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Knisti ging voll auf in seiner Rolle als Lehrmeister. Auch hier sammelte er wieder Schleifen am Fließband. Mit Lena in der Führzügelklasse bis hin zum Reiterwettbewerb Schritt-Trab, mit Dennis im Reiterwettbewerb nahm er wieder mal seine Aufgabe ernst und war eine Lebensversicherung für die Beiden.

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Aber irgendwann war es unumgänglich. Für Merit steht das Abitur an, die Jugendlichen machen nach dem Abi einen längeren Auslandsaufenthalt und und so kam die vernünftige Entscheidung, Knisti zu verkaufen. Er ist jetzt 12 Jahre alt, im besten Alter und er sollte nochmal einem Kind das Reiten beibringen.

Und so kam es jetzt dazu, dass Knisti jetzt Österreicher werden wird. Ein 12-jähriges Mädchen wird nun auf ihm nochmal in den Reitsport einsteigen, von seiner Erfahrung profitieren und im Gegenzug dazu hat Knisti einen tollen Platz bekommen, hat gleich am ersten Tag einen Pferdefreund gefunden und scheint sich in seiner neuen Heimat vom ersten Moment an wohl zu fühlen.

Lieber Knisti, wir wünschen dir und deiner neuen Familie von ganzem Herzen alles, alles Gute und wir lassen dich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen. Einerseits, weil wir dich, nach 8 Jahren, in denen du einfach immer da warst, vermissen werden, andererseits aber auch, weil wir einen tollen Platz für dich gefunden haben und wissen, dass du dort glücklich sein wirst.

Außerdem ist er ja nicht ganz aus der Welt. Drei Stunden Fahrt sind überschaubar und wir werden ihn sicher auch in seinem neuen Heim besuchen und hoffen, dass die Familie uns mit Fotos und Berichten immer wieder auf dem Laufenden hält.

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4 Gedanken zu “Good bye Mr.Knister

  1. Lea schreibt:

    Ein wirklich schön geschriebener Bolgpost:) Könntet ihr vielleicht bei Zeiten auch mal einen Blogpost über Nathalie und Rapunzel machen? Das wäre super interessant:)

  2. Louise schreibt:

    Ist Rapunzel ein Pony, wenn ja , habt ihr sie verkauft ? Ich kenne nämlich ein Mädchen, dass eine Rapunzel reitet und mit ihr auch Vielseitigkeitsturniere reitet:)

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