In Eggenstein waren wir auch zu finden

Auf der Suche nach einem Turnier, das man an diesem Wochenende melden könnte, lief mir im Turnierkalender Eggenstein über den Weg. Ich war da vor einigen Jahren mal und habe Linus M-Dressur geritten. Das Turnier hatte ich in sehr guter Erinnerung, so dass ich beschloss, fürs Wochenende mal dorthin zu fahren. Klar, es ist ein ganzes Stück weiter als es Holzgerlingen gewesen wäre, aber dafür war eine Dressurreiter-L und ein M-Springen ausgeschrieben.

Warum ich Ginny lieber Dressurreiter-L als normale L-Dressuren reite liegt auf der Hand. Diese kleine Blütermaus mit dem deutlich tief angesetzten Hals und dem etwas zu steil  und lang geratenem Hinterbein hat es einfach wahnsinnig schwer sich zu versammeln. Gepaart mit den zarten Blüternerven muss ich in einer normalen L sehr viel Risiko reiten, um irgendeine Platzierungschance zu haben. Das gibt ihr Exterieur und auch ihre Bewegungsqualität einfach nicht her. Das ist nicht schlimm, das weiß ich und deshalb ist sie mir nicht weniger wert. Aber die Richter sehen sie eben verständlicherweise nicht als mein Herzenspferd an, sondern so wie sie ist und dann hat sie es eben in einer L, möglicherweise gegen bewegungsstarke Konkurrenz nicht einfach, obwohl sie ja auch da schon das ein oder andere Schleifchen mitnehmen konnte.

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Das kann ich übrigens nur allen empfehlen, die aufs Turnier fahren. Schätzt euch und euer Pferd ehrlich und reell ein. Auch, wenn es für euch das tollste Pferd der Welt ist, so sind das eben alle anderen Pferde für ihre Besitzer auch und dann wird ein Turnier zum „Tollste-Pferde-der-Welt-Treffen“  Für die Richter sind aber alles „nur“ Pferde, ohne emotionalen Hintergrund und deren Aufgabe ist es, in dieser einen Prüfung die Paare die es jetzt gerade am Besten gemacht haben richtig zu rangieren. Das kann diese Woche so sein, nächste wieder anders. Von dem her, ist es gut zu wissen, wo man steht, zu wissen, dass andere auch gut reiten und gute Pferde haben, und nicht mit der Erwartung hinzufahren immer vorne dabei sein zu wollen. Im Endeffekt soll es ja allen Spaß machen.

Jetzt kam es aber dann doch anders. Ginny fuhr gar nicht mit. Sie laboriert schon eine Weile an einer ungeklärten Lahmheit rum, die keiner sieht, aber wir fühlen es eben. Das ist nicht so wie es sonst ist und so kann man sie nicht reiten. Für den Tierarzt ist das aber wieder nichts, der wüsste gar nicht wo er suchen sollte. Also warten wir auf den Chiro und hoffen, dass der eine Idee hat, was an ihr verschoben ist.

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Und das war dann der Einsatz für Calle. Der war ja sowieso am Donnerstag im Springen sehr wach, so dass ich dachte, so eine kleine Dressurrunde kann ihm auch mal wieder nicht schaden. Die Prüfungen lagen ganz geschickt. Um 14 Uhr die Dressur, dann Pause und um 17 Uhr das Springen, das passte und so packte ich doch glatt das Dressuroutfit ein.

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Calle war gleich erstes Pferd. Am Anfang lief er eine für seine Verhältnisse sehr schöne Runde, und ich war sehr zufrieden mit uns. Im Mitteltrab musste ich ein bisschen vorsichtig sein, da die Diagonale sehr uneben war durch den vielen Regen die Tage davor und ich wollte kein angaloppieren riskieren. Das haben wir gut gemeistert, aber eben mit zuwenig Ausdruck. Dann aber in der Galopptour habe ich eine Millisekunde nicht aufgepasst. Einmal das Bein nicht genug dran, einmal kurz das Kreuz nicht angespannt. und schon war es passiert. Calle ist im zweiten Außengalopp auf dem Zirkel ausgefallen. Nicht schlimm, er ist ja gleich wieder im Außengalopp angaloppiert, aber eben ein dicker Patzer, der gerade in einer Dressurreiter-L schwer wiegt. Schließlich wäre es ja meine Aufgabe als Reiter gewesen, dass das nicht passiert. Aber nobody is perfect. und so war es dann halt. Natürlich habe ich mich kurz über mich selbst geärgert und darüber auch noch den Anfang der Kurz Kehrt versemmelt. Kennt ihr das? Man ärgert sich lieber, als dass man seine Konzentration auf die nachfolgenden Aufgaben lenkt? Das ärgert mich dann noch mehr. Schließlich predige ich genau das meinen Schülern.

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Nun gut, shit happens, war nicht unsere Runde und so trottelten wir mit unserer gerechtfertigten 6,4 zum Hänger. Aber es ging wohl noch anderen Reitern an diesem Tag so, dass sie  nicht in Hochform waren und so waren wir mit dieser Note am Ende doch noch 4. Und hier zeigt sich auch  mal wieder. Es klappt eben nicht immer alles, aber nicht nur bei einem selbst, sondern auch bei den anderen. Das ist eben der Sport mit den Pferden.

 

Calle schaute uns recht verwundert an, als wir ihn zur Siegerehrung bandagierten. Ich weiß auch nicht, wie ich auf die Idee kam bei unserem letzten Besuch bei Reitsport Fundis weiße Bandagen mitzunehmen und diese in den Hänger zu hängen, aber jetzt wo sie schon mal da waren, haben wir sie halt auch benützt. Letztes Jahr war ich irgendwie immer die einzige, die unbandagiert in die Siegerehrung kam. Das können wir auch .

Und so galoppierte Calle brav seine Siegerehrungsrunde und schon stand er frisch geduscht wieder im Hänger.

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Ein kleines Schläfchen und schon ging es zum M-Springen. Ich gehe ja keine Parcours mit Nina ab. Mir ist es lieber, wenn ich gar nicht sehe, was da steht Mein Job ist das Pferd zu satteln, Nina konzentriert sich auf den Parcours und schaut, wenn es geht auch ein paar Reiter an.  So funktioniert das im Team, jeder weiß, was er zu tun hat und das läuft.

Diesmal war es gut, dass ich den Parcours nicht gesehen habe, ich habe nur auf dem Abreiteplatz mitbekommen, dass es bis zu Nina`s Start erst einen Nuller gab. Das gab mir zu Denken, die Konkurrenz war ja nicht unerfahren.

Als sie dann im Parcours war, wusste ich warum. Ui, das war schwer genug für ein M*. So viele Springen dieser Qualität sind die Beiden noch nicht geritten. Deshalb war Nina so ruhig  beim Abreiten. Ok, jetzt nicht verrückt machen, Calle kann das.

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In diesem Moment wird das Fotografieren echt eine Herausforderung. Habt ihr euch schon mal den Spaß gemacht und die dazugehörigen Betreuer am Rande des Platzes beobachtet? Das müsst ihr mal machen. Man steht da unten und kann nichts machen, nur mitfiebern, mithüpfen und teilweise die Füße höher heben, als das Pferd im Parcours. Das kann ich ja alles nicht, wenn ich auch noch Bilder machen soll.

Aber ich habe es hinter mich gebracht. Calle war toll. Sprung eins bis vier super, ich glaube vier ist gefallen, aber egal. Dann die lange Diagonale. Kombi Oxer-Steil auf einen Galoppsprung, dann vorwärts und auf vier in der Distanz nochmal einen Oxer. Nina kam ums Eck und ich sah, dass es nicht passt. Und du kannst nichts machen, außer zittern. Calle hüpft rein, macht statt einem zwei Galoppsprünge  und rettet sich raus. Puh, das hat er aber gut gemacht. Dann musste schnell der Gang rein, der nächste Sprung war ja nicht weit. Aber Calle zog durch und hups und rüber war er. Für mich hieß das erstmal durchatmen. Jetzt gab es sowieso nichts mehr zu fotografieren und ich konnte den Rest anschauen. Den letzten hatte er noch um, ich glaube, da war er müde. Aber egal, es war eine tolle Runde, ein Zeitfehler kam noch drauf und Nina war genauso erleichtert wie ich, dass sie diesen Parcours beendet hatten und das auch noch, obwohl nicht alles perfekt war. Danke Calle, das hast du gut gemacht.

Für Calle heißt es jetzt erstmal ein paar Tage Koppel, bevor er mitte der Woche wieder locker bewegt wird und am Freitag oder am Samstag wieder Turnier hat. Bei der Hitze gerade tun so ein paar gemütliche Tage gut und während der Saison ist es einfach wichtig, die Pferde bei Laune zu halten, dressurmäßig locker zu arbeiten und nicht müde zu machen.

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