Was tun, wenn mal nicht alles klappt?

Ja, sagen können wir es alle, dass das Leben kein Ponyhof ist, aber zugeben oder gar wahrhaben will es dann ja irgendwie doch keiner.

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Wie oft kommt man vom Turnier nach Hause, es hat nicht geklappt und man denkt: „Hoffentlich fragen die jetzt nicht so viel“, wohlwissend dass die zuhause gebliebenen dank Internet und Live-Ergebnissen natürlich schon längst wissen dass es nichts war. Das alleine ist ja auch nicht schlimm, wer schon selbst losgefahren ist aufs Turnier, der weiß auch, dass hier eben zwei Lebewesen zusammen arbeiten, von denen jeder mal schlecht drauf sein kann und darf und in deren Zusammenarbeit auch Fehler passieren (dürfen). Alles andere wäre unwirklich und auch langweilig.

Trotzdem, manchmal muss man sich nach einem misslungenen Turnier erstmal für sich selbst sortieren, weil es durchaus auch mal Situationen gibt, für die man auf die Schnelle keine Lösung hat. In dem Fall heißt es erstmal Ruhe bewahren, eine Nacht drüber schlafen, nachdenken und nach einer passenden Lösung suchen.

So auch gerade bei uns.  Wir sind nämlich nicht in der Situation, dass wir einfach ein anderes Pferd reiten können, wenn es mit dem einen nicht klappt, wir haben auch niemand, der das zuhause korrigieren könnte, nein, wir haben die Pferde, die wir haben und wenn es mit denen Probleme gibt, dann sind wir auch selbst dafür verantwortlich, diese wieder zu lösen.

Aus diesem Grund versuchen wir auch immer im Training und auch auf dem Turnier unsere Pferde nicht zu überfordern, wohlwissend, dass man, wenn man zu viel will, auch ganz schnell ganz viel kaputt machen kann. Ein falscher Sprung, eine falsche Distanz, ein mit den Anforderungen überfordertes Pferd, all das sind hausgemachte Probleme, die wir soweit wie möglich versuchen zu vermeiden.

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Aus diesem Grund geht auch Calle selten mehr als eine Prüfung am Tag, weil wir wissen, dass seine Sportlichkeit und sein Bewegungsdrang Grenzen hat. Eine Prüfung ist für ihn völlig genug, das wissen wir und das respektieren wir.

Deswegen  geht auch Calle immer noch L und M*-Springen. Auch hier wissen wir, dass er zwar über ein M** geht, das aber bei ihn nicht für Begeisterung sorgt, weil er nämlich nicht der Typ ist, der sich gerne mehr anstrengt als nötig. Und so viele Sprünge, möglichst noch mehrere Kombinationen, das findet er echt anstrengend. Und das führt bei Calle dann eben doch  mal dazu, dass er mal recht deutlich die Bremse ziehen kann. Und eins ist klar. ´Wenn ein 650kg-Koloss wie Calle nicht will, dann will er nicht. Da kann dann auch eine 60kg- Nina, egal mit welchen Hilfsmitteln, von oben nichts aber auch gar nichts ausrichten. So ist es, das wissen wir, da ist nichts dran zu rütteln.

 

Und deshalb reiten wir ganz bewusst unseren Calle auf dem Niveau, das ihm liegt und das ist eben L und M*. Wir müssen uns also keine Vorwürfe machen, dass wir ihm was abverlangen, was er eben nicht kann, sondern passen unseren eigenen Ehrgeiz dem des Pferdes an.  Die andere Möglichkeit, wäre ihn zu verkaufen und einen zu kaufen, der mehr gehen kann, aber wer uns kennt, weiß, dass wir das nicht übers Herz bringen. Das machen wir ja mit Ginny auch nicht. Und so reiten wir eben das, was geht.

Manchmal kommt man aber in die dumme Situation, dass man trotz gutem Management, trotz gutem Trainings ( man sagt uns nach, wir wären „Trainingsweltmeister“ 😉 ) und trotz ständigem Hineinschauens in die Pferde und dem Versuch alles zu optimieren, ein Problem hat.  Und das muss man dann lösen.

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Was also nun tun, wenn ein 10-jähriges Pferd wie Calle sich plötzlich zu den „spätpubertierenden “ berufen fühlt? Das was andere mit 5 oder 6 machen, nämlich einfach mal ihre Stärke testen, das fällt dem Calle jetzt gerade mal nachträglich ein.  Ist nicht witzig, aber auch das müssen wir jetzt irgendwie lösen. Aber was ist denn eigentlich los?

Ich muss ein bisschen ausholen. Wir hatten letztes Jahr eine tolle Saison mit ihm. Gab es schon immer mal die Situation, dass Calle im Parcours immer mal wieder gestoppt hat, so waren wir letztes Jahr die komplette Saison gut unterwegs. Wenn es auch oft „nur “ grüne Schleifen waren, so war er doch in 95% seiner M-Springen platziert, hat L gewonnen und die Beiden schienen endlich die nötige Sicherheit und auch Konstanz im Parcours erreicht zu haben, die wie gerne hätten. Durch die viele Dressurarbeit, war Calle gut in Schuss, rittig und das kam Nina im Parcours zugute.

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In Kreuth dann, waren wir soweit, dass wir mal wieder ein M** probieren wollten, aber da begann Calle zu pubertieren und es kam gar nicht erst so weit. Beim ersten Springen, eine M* dachten wir uns noch nichts dabei, als er plötzlich nach einer tollen Runde nicht mehr auf den letzten Sprung abwendete und die Mitarbeit verweigerte. Es ging vom Ausgang weg und er wollte lieber jetzt da rausgehen, als über den letzten Sprung zu springen. Ok, ja, kann man mal machen. …..

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Die nächste Prüfung, ein anderer Platz, ein leichtes Springen.  Sollte eine schöne Übungsrunde für Calle werden. Wurde es aber nicht. Es ging wieder genau bis zum Eingang, beziehungsweise bis dahin, wo es vom Abreiteplatz weg geht und ab da nicht weiter. Nicht mal im Zusammenhang mit dem Sprung, sondern einfach so. Calle klebte an den anderen Pferden und da wollte er jetzt gefälligst hin und zwar sofort und nicht eine Minute später, wenn der Parcours zuende ist.

Sodele und da hat man den Salat. Was tun, war die gute Frage. Calle ging auf diesem Turnier erstmal kein Springen mehr, macht ja keinen  Sinn so. Er ging Dressur. Das ging auch gut, da war er alleine in der Halle und sah keine anderen Pferde, das fand er ok.

Krank war er also nicht…..

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Trotzdem fuhren wir zuhause natürlich das komplette Programm auf. Man muss ja immer erstmal ausschließen, dass dem Kerl was weh tut. Hufschmied, Osteopath, Tierarzt, Sattler, alles, was man tun kann wurde für Calle getan. Eine deutlich verlängerte Winterpause, kaum Springtraining, damit er einfach mal komplett abschalten kann, einfach nur easy going, das war Calles Winter.

Im Frühjahr wurde er langsam wieder antrainiert, ihr wart ja per Blog und Insta dabei und alles war gut. Calle war hochmotiviert, sprang souverän und mit Spaß und so war es jetzt dann doch mal an der Zeit wieder aufs Turnier zu fahren. Die Hallenturniere hatten wir ganz bewusst ausgelassen,  da wir wissen, dass Calle keine engen Hallen, keine engen Abreiteplätze mag und haben bis zur Freilandsaison gewartet um ihm optimale Bedingungen bieten zu können.

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Zum Einlaufen sollte es ein L-Springen sein. Eine lockere Runde auf perfektem Boden mit tollen Voraussetzungen von Seiten des Veranstalters. Letztes Jahr war er auf diesem Turnier gute Runden gelaufen, eigentlich sollte alles passen.

Eigentlich…..

Calle  war auch gut – auf dem Abreiteplatz- zwischen all den anderen Pferden.  Und dann ging es in die Prüfung. Sprung eins ganz weit weg vom Abreiteplatz, kein Problem.

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Ausnahmsweise blieb sogar die Stange liegen, die an Sprung 1 so gerne fällt. Sprung 2 und 3 kein Problem,  jetzt wurde es spannend. Die Diagonale 4, 5a/b vom Ausgang weg. Hat zwar nicht so schön gepasst, aber Calle hat es gemacht. Rein in die Kombi, raus aus der Kombi. Durchatmen bei mir,  in dem Glauben, dass die schwierigste Hürde, nämlich die Linie vom Ausgang weg überwunden ist. Aber ich hatte zu früh geatmet. Die nächste Diagonale ging zwar zum Ausgang hin, aber vom Abreiteplatz weg, ein einfacher Steilsprung aber schon in der Wendung, noch nicht mal in der Nähe vom Sprung beschloss Calle, dass das hier das Ende sein wird. Er ging nicht um die Wendung. Um dem ganzen Vorhaben Ausdruck zu verleihen und Nina zu zeigen, dass sie es gar nicht versuchen muss, kam er gleich mal hoch.
Calle steigt nicht wie andere Pferde. Andere Pferde sind beim Steigen wütend, haben Angst oder sind einfach deutlich widersetzlich. Calle steigt einfach in einer Seelenruhe. Da ist kein bisschen Aufregung dabei.  Er stellt sich einfach auf die Hinterbeine und bleibt da oben stehen. Alternativ kann er auch mal auf den Hinterbeinen loslaufen. Alles in seiner stoischen Ruhe. Man kann nichts machen, wenn man draufsitzt, außer zu warten, bis er wieder runterkommt.
Aber danach geht es eben auch nicht mehr weiter. Wenn er beschlossen hat diesen Weg nicht zu gehen, dann geht er ihn nicht. Und auf dem Turnier sowieso nicht.

Er macht das auch manchmal zuhause, der Witzbold. Es gibt Tage, da möchte er nicht zum Abspritzplatz gehen dann steigt er eben mal kurz auf dem Beton. Ist super unangenehm für den der draufsitzt, aber daheim natürlich zu lösen, indem ihm einer hinterherläuft oder man  mit ein bisschen Zeit selbst dahin reitet. Die Zeit hat man eben auf dem Turnier nicht. Da klingelt es und du  kannst gehen. Und Calle denkt sich grinsend:“ Na, das hat ja gut geklappt“

Und hier sind wir an einem Punkt angekommen, an dem unsere ganzen „Ostwindfans“ sagen werden: “ Dann lasst ihn halt, der will das halt nicht“. Ja, das kann man so sehen, das könnt ihr mit euren Pferde auch so machen, aber wenn wir jetzt alle unsere Pferde ihr Leben lang nur noch auf die Koppel stellen wollen und nur dann reiten, wenn sie es gnädigerweise wollen, dann gibt es keinen Reitsport  mehr.

Also ganz klar, das Leben ist eben kein Ponyhof.  Oder müsst ihr etwa nicht zur Schule, zur Arbeit oder sonstwohin gehen, nur weil ihr heute keine Lust habt? Stellt euch das mal vor. Alle, die keinen Bock haben, müssen einfach gar nichts mehr machen, das wäre ja schon gechillt, aber irgendwie bringt uns das ja auch nicht weiter. Oder stellt euch mal aus Pferdesicht vor, dass Ich vielleicht mal keine Lust mehr habe. Ich gehe einfach nicht mehr arbeiten, weil ich keine Lust habe. Hmm, dann hat Calle eben ab morgen keine bezahlte Box mehr, kein Zusatzfutter, kein Hufschmied, Tierarzt usw. weil wer soll es denn bezahlen, wenn keiner mehr arbeiten muss, wenn er eben nicht will? Ihr seht, das funktioniert so wohl nicht, weder bei uns Menschen, noch bei den Pferden. Irgendwo müssen wir doch alle unsere Leistung bringen, oder?

Und in diesem Sinne bin ich dran, eine Lösung  zu finden, dass Calle seinen Job wieder so macht, wie er ihn durchaus kann und auch machen soll. Ein bisschen Arbeit, eine Aufgabe hat noch keinem geschadet und Calle muss nicht Olympia gehen, er soll einfach nur den Job machen, den er schon immer macht und der ihm bisher auch Spaß gemacht hat. Es ist ja nicht so, dass man einen Fehler gemacht hätte. Er hat sich nicht weh getan, er hat keine Angst, er ist nicht überfordert, das alles wäre Gründe, die ich einsehen würde. Aber einfach nicht zu wollen, an den anderen Pferden zu kleben, weil man verliebt in alle ist, was vier Beine hat und sich deshalb nicht mal mehr eineinhalb Minuten auf seinen Job konzentrieren kann, das geht so nicht und wie wir versuchen aus dieser Misere wieder rauszukommen könnt ihr morgen und die nächste Zeit im Blog lesen.

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5 Gedanken zu “Was tun, wenn mal nicht alles klappt?

  1. teamkaupp schreibt:

    Das wäre der Plan für Ginny, die sich immer ziert über die ersten Sprünge zu gehen. Wenn wir die einfach in Ruhe weiterleiten können, dann läuft sie. Sie bräuchte nur mal wieder eine Runde, wo man das machen kann. Nina darf ja in Kreuth kleine Springen außer Konkurrenz reiten, aber auch da scheidet man beim dritten stop aus

  2. Miri schreibt:

    Gibt es nicht die Möglichkeit auf einem Turnier mal „Außer Konkurrenz“ zu reiten, als letztes Paar reinzugehen und dann vielleicht die Zeit zu haben, ihn zu überreden noch einen Sprung zu gehen wenn er wieder pubiertiert? Ich war letztes Jahr auch mit einer schwierigen Stute unterwegs und habe die Zeit bekommen, ihr 5 Minutiges anfängliches Klemmen und Steigen abzuwarten und sie zu überzeugen, dass wir jetzt galloppieren und springen und dann ist sie eine fehlerfreie schöne Runde gelaufen, zwar nicht bewertet aber uns hat es sehr viel geholfen!

  3. teamkaupp schreibt:

    So ist es bei uns auch. Was geht das geht, wenn nicht dann nicht. Aber so ganz ohne Antwort kann man es nicht stehen lassen, wenn sie es eigentlich können, aber plötzlich nicht wollen.

  4. Christine schreibt:

    Seh ich genauso! Wenn man ein Pferd nicht überfordert kann es ruhig ein bisschen „arbeiten“, schließlich werden sie dafür gezüchtet um geritten zu werden und wie du richtig schreibst, uns fragt ja auch keiner😬
    Aber ich kenne auch dieses Problem, wir haben eine Stute mit mega springvermögen, zu Hause immer super gut und am Turnier schmeißt sie die Nerven weg! Aber was will man tun? Unsere Pferde sind auch Familienmitglieder und werden nicht ausgetauscht

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