Ginny beim auswärts Springtraining- wird es funktionieren?

Wir sind ja immer recht spontan unterwegs. Vor allem in Bezug auf Ginny. Ginny ändert ja ab und zu ihre Ansichten. Mal hat sie mehr Spaß am Dressurreiten, mal springt sie und das gar nicht so schlecht, mal hat sie einfach keine Lust auf gar nichts und an anderen Tagen wächst sie in jeder Beziehung über sich hinaus.

Nachdem im Moment das Dressurreiten nicht ganz oben auf ihrer Favoritenliste steht und sie da eher unmotiviert unterwegs ist, Gelände aufgrund des vielen Wassers von oben auch nicht funktioniert, freilaufen nicht immer möglich ist, motivieren wir sie gerade wieder viel mit Stangen, Cavalettis und kleinen Sprüngen. Das ist gerade ihr Ding, da hat sie Spaß daran und dann wird sie auch wach.

012

Nichtsdestotrotz gibt es da immer noch Anlaufschwierigkeiten. Ein einzelnes Cavaletti kann ausreichen um sie auf die Barrikaden zu bringen. Anfangs macht sie es immer erstmal nicht. Würde das so bleiben, würden wir sie auch nicht mehr springen. Aber das ist ja nicht so. Keiner kann verstehen, warum sie das macht. Sie blockiert ja in der Regel auch nicht am Sprung, sondern eher auf dem Weg dahin, da ist noch nicht mal ein Sprung in der Nähe. Manchmal ist das einfach nur das reine DAGEGEN sein. Das macht sie aber ja auch beim Dressurreiten, beim ausreiten, an der Longe, egal wo.

Wenn sie die ersten paar Sprünge gemacht hat ist sie in der Regel „über den Punkt drüber“  und zieht. Dann hat sie auch Spaß. Wenn man dann Pause macht und wieder neu anreiten will, kann es sein, dass sie erstmal wieder dagegen ist.

Naja, man muss ja nicht alles verstehen, was sie so tut oder nicht tut. Auf jeden Fall wäre uns nicht damit geholfen sie nicht mehr zu springen. Wenn wir alles nicht mehr machen würden gegen das sie ist, dann wäre sie mit 9 Jahren ein Koppelpferd.

Ich bin schon der Meinung, dass man ein Pferd zu nichts quälen muss. Wenn einer so gar keinen Spaß oder gar kein Talent hat, dann muss man sich eben etwas anderes für ihn suchen, dann muss man das Tier nicht mit falschem Ehrgeiz quälen. Und den Reiter auch nicht. Das ist aber bei Ginny nicht der Fall. Sie kann das ganz gut und macht das auch meistens gerne  und freiwillig. Man muss sie nicht über die Sprünge drücken. Ist sie erst mal auf dem richtigen Weg, dann will sie auch. Und wie. Sie steht sich meistens einfach nur selbst im Weg.
26991810_1853212621369330_5087796212740481311_n
Wir versuchen sie immer wieder dazu zu motivieren über ihren Schatten zu springen, Sachen zu versuchen, von denen sie denkt, das könne sie auf gar keinen Fall und mitzuerleben, wie sie danach total zufrieden und fast schon ein bisschen eingebildet ist, als wolle sie uns sagen: “ Hab ich doch schon immer gewusst, dass ich das kann“. Meistens ist sie einfach nur zu aufgeregt und daraus resultiert dann das Blockieren. Gibt man ihr mit Ruhe und Konsequenz Sicherheit, dann traut sie sich plötzlich doch. Das habt ihr bestimmt selbst schon mal erlebt, dieses Gefühl zu denken, man könne etwas nicht und wenn man es dann doch geschafft hat, ist man himmelhochjauchzend.  So ähnlich ist das mit Ginny. Nach einer Leistung, die man ihr herauskitzeln musste steht sie manchmal noch stundenlang aufgeregt in der Box, brummelt jeden an, der vorbeikommt, als wollte sie jedem erzählen, wie toll sie ist.

Normalerweise halten wir die meisten Aufregungen von ihr fern um sie nicht so sehr aufzuscheuchen. Momentan haben wir aber das Gefühl, dass sie super drauf ist und mal ein bisschen mehr Input vertragen kann und deshalb haben wir kurzfristig beschlossen mit ihr mal auswärts zu trainieren. Das Hängerfahren kennt sie ja von den Turnieren, das bringt sie eigentlich nicht aus dem Konzept. Wir wollten aber mal wissen, wie sie springt, wenn sie in fremder Umgebung ist, allerdings ohne Turnierstress. Nachdem wir uns da so überlegt haben, war auch gleich ein Termin ausgemacht, und wir waren auf dem Weg nach Waldenbuch zum Springtraining.

 

Der Trainier wusste Bescheid. Wir sind absichtlich nicht auf einen Lehrgang gegangen, bei dem es Gruppenstunden gibt. Da wir ja so gar nicht wussten, was passieren wird, haben wir immer ein schlechtes Gewissen, wenn man eine ganze Gruppe aufhält, nur weil man selbst gar nichts auf die Reihe bekommt. Und das hätte ja durchaus passieren können. Der Trainier wusste um Ginnys Probleme, hat sich darauf eingestellt und ging genau unseren Weg. Entweder es klappt, dann ist gut oder nicht, dann brechen wir ab.  Er weiß auch, dass wir da völlig stressfrei  sind. Wir wollten nur überhaupt mal wissen was passiert. Wenn es gar nicht funktioniert hätte, hätten wir sie wieder auf den Hänger gestellt und wären nach Hause gefahren.

Um den Stress gleich mal zu reduzieren ging Paul als Begleitpony mit. Ginny fährt nicht so gerne alleine Hänger und das kleine Crazypony sollte für Ruhe im Hänger sorgen.

27331601_1853210778036181_5753360149628671855_n

Dort angekommen war Ginny zwar aufgeregt und wach , aber alles in einem angenehmen Rahmen. Ein bisschen wach muss sie schon sein. Die Augen glänzen dann, die Ohren werden ganz nervös, aber im Grunde genommen bleibt sie trotzdem ruhig. Aber sie zeigt schon, dass sie merkt, dass da was anders ist.

19554648_1853210904702835_3250310663935933155_n

In der fremden Halle war sie ganz ruhig. Aber wacher als zuhause. Das war gut. Das erste antraben, was zuhause schon mal die erste Hürde sein kann  ging ohne Probleme. Ja, manchmal ist sie auswärts fast angenehmer als zuhause. Auf dem Dressurturnieren ist das auch so. Das erste Blockieren, das sie zuhause fast immer macht, die Klemmigkeit überhaupt loszulaufen, das macht sie in fremder Umgebung selten.

26994136_1853210954702830_3487991855664927695_n

Dann kam der erste Sprung. Also Sprung ist übertrieben. Es war auf der Diagonalen eine Bodenstange, eine Stange in Höhe von 20cm und noch eine Bodenstange. Das wollte sie erstmal nicht.  Aber nach kurzer Überzeugung ging das und dann war das für diese Aufgabe vergessen. Der Sprung wurde nach und nach höher, das war kein Problem. -> die erste Hürde war wohl schonmal genommen. Sie arbeitete mit.

26908077_1853208174703108_5710253687017839362_n

Die ersten Sprünge waren problemlos. Wir waren mehr als überrascht und es ist immer witzig, wenn man in den Gesichtern der Trainer, denen man ja vorher schon viel erzählt hat, lesen kann.:“ Was haben die denn, die springt doch einwandfrei?“

Aber egal, lieber so als andersrum.

26993935_1853209004703025_2926114759415661583_n27067780_1853208861369706_3171406546376651196_n26993255_1853208658036393_6380584293782053433_n

Trotzdem sollten wir uns nicht zu früh freuen. Ginny verfiel nach den ersten Sprüngen in ihr altes Verhaltensmuster. Sie wusste jetzt, wo die Sprünge standen und ging nicht in die Wendung zum Sprung. Das ist der Punkt, über den man drüber muss. Mit Geduld, Ruhe, aber Konsequenz. Zweimal hat sie uns noch erklärt, dass sie auf gar keinen Fall weiterlaufen wird, aber sobald sie dann den Sprung vor der Nase hat, ist alles wieder gut. Dann fokussiert sie den Sprung und los geht’s.

26907429_1853208274703098_4933691952052497714_n

Insgesamt waren wir super zufrieden mit Ginny, weil sie ihre Marotten wohl nie ganz ablegen wird, aber in der Summe wieder tolle Sprünge gemacht hat und am Ende wieder mal stolz und zufrieden Richtung Hänger mit Paul stolziert ist. Sie war zwar nassgeschwitzt, das darf man auch mal sein, aber total zufrieden mit sich und der Welt.

27023954_1853211058036153_5413940445972124927_o

Dieses Mal hatten wir auch noch die Videokamera dabei und haben abwechselnd gefilmt und fotografiert. Schade, dass ich bei der letzten Runde, die sehr schön war auf den falschen Knopf der Kamera gedrückt habe und wir euch diese nicht zeigen können. Wer Lust auf Ginny im Video hat kann mal bei Nina auf dem YouTube Kanal vorbeischauen und sich das FMA vom heutigen Springtraining ansehen.  Da sieht man auch ehrlich und ungeschönt, dass eben nicht immer alles von alleine geht, man aber mit Konsequenz doch manchmal das Pferd zum mitarbeiten bewegen kann. Und wenn wir ganz ehrlich sind, ein Pferd ist eben nunmal ein Reitpferd, ich glaube nicht, dass Ginny, nur weil sie manchmal irgendetwas nicht macht nun den Rest ihres Lebens auf der Koppel verbringen will. Wir müssen auch manchmal Sachen machen, die uns nicht schmecken und wachsen damit auch oft an unseren Aufgaben.  Wenn sie nicht könnte wäre das eine andere Sache….

produktplatzierung

 

2 Gedanken zu “Ginny beim auswärts Springtraining- wird es funktionieren?

  1. teamkaupp schreibt:

    Ja, wir wollen jetzt regelmäßig mit ihr losfahren, damit sie auch auswärts ruhiger wird und lernt mit Stress umzugehen. Ich werde sie ja nicht für immer und ewig vor Stress schützen können. Sie hatte das Mucklem nur deshalb nicht drauf, weil es gerade stark gebraucht wird und bei einem anderen Pferd im Einsatz war. Deshalb ging die andere Trense mit

  2. G. schreibt:

    Das Video finde ich super so, gerade auch mit ihren „Aussetzern“ und den Kommentaren des Trainers. Fahrt ihr nun öfter mal mit ihr zum Auswärtstraining?

    Ach und eine Frage noch, ihr springt sie nicht mit Micklem, oder? Warum nicht, hat das einen bestimmten Grund?

    LG 😊

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.