Manchmal möchte ich mich irgendwo hinbeamen können

Nämlich an so Tagen wie heute irgendwohin, wo man einfach schön ausreiten kann.  Nach Meissenheim zum Beispiel. Da kann man einfach auf ebenen Wegen durch den Wald reiten. So lange man will. Da gibt es durch die Bäume keinen Wind, die Böden sind eben, geben aber trotzdem nach und die Pferde finden es toll. Solche Gegenheiten oder auch einfach ebene Sandwege gibt es bestimmt in der ein oder anderen Region.
Bei uns leider nicht, ich muss zugeben, das fehlt mir schon.

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Aber die Pferde extra zu verladen, um dann irgendwo ausreiten zu gehen, wo man sich nicht auskennt, ist ja auch irgendwie blöd.

Naja, man kann nicht alles haben. Wir leben eben nun mal im Ballungsgebiet und haben den Vorteil über die Top Verkehrsanbindung überall, vorausgesetzt es ist kein Stau, relativ schnell zu sein.  Echt schade für unsere Pferde und so brachen wir heute eben wieder zu einem Schrittausritt mit wahrscheinlich 100m Trab auf.

Man hat den Pferden schon angemerkt, dass sie grade nicht viel draussen sind. Alle 5 m musste einer stehen bleiben und es ging  nicht weiter. Sei es, dass da hochgefährliche Schafe in einem Garten grasten oder ein Grasbüschel am Wegesrand nicht so gewachsen war, wie es unseren Pferden gefällt, egal, sie haben jeden Grund genommen, um nicht weiterzulaufen. Und wenn der vorderste umdreht, dann geht keiner mehr weiter.

Da wir heute eine größere Runde gehen wollten und schon wussten, dass das nicht einfach wird, haben wir die Kamera zuhause gelassen und es gibt leider nur ein paar unscharfe Handybilder.

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Ok, es blieb mir nichts anderes übrig als nachzugeben und Calle zu führen. Wenn der nicht will, dann will er nicht, und wenn es nur drum geht einen Weg entlangzulaufen. Calle ist ganz schön stur. Dass Ginny vorne läuft ist sowieso utopisch, das macht sie wenn dann nur, wenn sie 100m vor dem Stall ist und das Futter praktisch schon riechen kann.
Als Ginny nicht Turnier lief, wurde ich oft gefragt, warum ich sie nicht als Freizeitpferd verkaufe. Sie wöllte eben kein Turnierpferd werden. Hmm, netter Versuch, Ginny möchte aber noch viel weniger ein Freizeitpferd sein, dass jeden Tag ins gruselige Gelände gehen muss. Sie fühlt sich in ihrer gewohnten Umgebung am wohlsten, das mit dem Gelände kann man mal machen, sie findet es aber schon ziemlich aufregend. Und alleine mit ihr, da würde man leider nicht weit kommen, es sei denn, man führt…..

Ich denke da nur an meinen Sturz mit ihr, als wir sie  mitgenommen haben auf die Süddeutsche und dort einfach nur ausreiten wollten. Sie wollte nicht vom Turnierplatz weg und hat sich einfach rückwärts umfallen lassen. Die geprellte Hüfte durfte ich noch wochenlang danach spüren. Ich weiß schon, es ist nett gedacht, dass jedes Pferd am liebsten durchs Gelände bummelt, aber das trifft leider nicht auf alle zu. Sonst hätte ich ihr das schon längst gegönnt.

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Und Pauls Programm für heute kennt ihr ja schon. Seit seiner Verletzung im letzten Sommer, beziehungsweise seit seiner Genesung im September trainieren wir ihn fleißig an. Ganz langsam aber doch immer ein bisschen mehr. Trotzdem war es bisher noch nicht so weit, dass wir hätten Jule, seine Reitbeteiligung draufsetzen können.

Bisher war er doch immer ziemlich grell drauf und hat jede, aber auch wirklich jede Gelegenheit genützt sich zu erschrecken, loszuhüpfen oder einfach auch mal plötzlich anzuhalten, umzudrehen und in die andere Richtung loszuspurten. Erst, seit er wieder regelmäßig mindestens zweimal in der Woche springen darf, wird er langsam im Kopf wieder normal und so konnten wir heute den Versuch wagen und Jule draufsetzen. Ich glaube Jule war wahnsinnnig aufgeregt nach über einem halben Jahr wieder auf Paul zu sitzen, der ihr hilft, wo er kann und dem sie vertraut. Natürlich ist sie zwischendurch auch andere Pferde geritten, aber – und das kann ich ihr nicht verdenken- Paul ist halt Paul.

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Und heute war klar, dass wir es richtig gemacht hatten. Jule und Paul waren glücklich und tiefenentspannt, ich glaube Jule wird heute noch die ganze Nacht durch grinsen. Es war trotzdem gut zu warten, bis Paul sich im Kopf wieder berappelt hat, da er, wenn er los geht, doch viel Pony ist und es muss ja nicht sein, dass Jule Angst vor ihm hat.

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So hatte sie ihn heute, wie sie ihn kennt, und konnte ihm selbst noch am Ende der Stunde vertrauen, als sie im leichten Sitz noch galoppieren sollte und Paul dann doch ein ganz kleines bisschen den Paul-Gang einlegen wollte. Wenn die Reiter keine Angst haben dann ist alles gut, dann ist er zwar schnell, aber mehr nicht. Wenn sie Angst haben und anfangen zu ziehen, dann versagt leider die Bremse, dann wird er mit jeder Runde schneller und bis man den wieder durchpariert hat, das kann dann dauern.

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Ich freue mich auf jeden Fall für Jule, dass das heute so gut geklappt hat, und wenn dann Mama Catherine bald noch ihre Lynn aus der Auszeit abholt, dann ist das Team Kaupp für die kommende Turniersaison wieder vollzählig am Start.

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