Das geht ja gut los….

Und gleich am ersten Tag unseres Winterarbeitsblogs lief nicht alles so, wie wir es gerne gehabt hätten.

Zuerst mal das Wetter.  Gestern war es noch so schön, wir konnten auf dem Platz reiten, die Pferde waren zufrieden, Paul konnte seinem größten Hobby, dem Wälzen auf dem Matschpaddock nachgehen und durch die Sonne war die Laune von allen dementsprechend gut. Da hatte ich richtig Lust auf fotografieren.

Und dann macht man morgens den Rollladen auf und sieht, dass es mal wieder Bindfäden regnet. Der Kaffeebecher und die restlichen Sachen, die auf meiner Terrasse lagen sagten mir, schon bevor ich die Tür öffnete, dass es heute ungemütlich werden wird.  Na super, genau so hatte ich mir das vorgestellt.

Egal, da müssen wir jetzt durch, beziehungsweise raus.

Das ist ja alles ganz witzig, wenn man den Stall direkt an der Halle hat und praktisch immer unter Dach ist. Bei uns ist das ja anders. Die beiden Großen stehen ja rund 500m vom Verein weg. Wir müssen eine Straße entlang reiten, die etwas höher liegt als der Verein und dementsprechend bläst einen hier der Wind fast weg.

Da wir ja heute mal von allen Fotos machen wollten, konnten wir auch nicht Calle und Ginny gleichzeitig mit runter nehmen. Das machen wir nur, wenn wir gleichzeitig reiten, aber dann kann ja keiner fotografieren. Also müssen wir mehrfach im Wind und Regen hoch und runter. Da kann man dann in den paar Minuten mal ganz schön nass werden und dann wird das Wetter noch ekliger.

Also gut, wir beschlossen mit Paul anzufangen. Der steht ja im Verein. Aber auch das hat einen kleinen Haken. Er hat eine Außenbox. Das heißt, bei ihm werden wir schon beim satteln nass. In der Box satteln ist gerade keine Option, da Paul beschlossen hat, dass es jetzt Frühling wird und wie verrückt mit Fell schmeißt. Das wollen wir natürlich nicht im Heu haben und so müssen wir draußen putzen. Ohne Dach.

Und wie ich euch schon erzählt hatte, hatte Paul gestern nach dem Reiten viel Spaß auf dem Matschpaddock. Also kratzten wir im Regen nur die gröbste Dreckkruste ab, so dass er nicht mehr ganz so schlimm aussah. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie man danach aussieht. Das Pony so halb sauber, und bei uns klebt der komplette Dreck und die Pferdehaare an den nassen Klamotten. Also einen Outfitpost hätten wir heute nicht mehr machen müssen, außer wir hätten ihn irgendwo in einer #ichhabeimschungelüberlebt Gruppe gepostet.

Aber es gibt auch etwas positives. Dienstag  mittags ist meistens die Halle leer und wir können springen. Auf jeden Fall war das so als wir kamen. Das ist immer ein bisschen heikel, da es keine offizielle Springzeit ist. Wir können uns schon was aufbauen, aber wenn jemand kommt, den es stört, dann muss man auch wieder abbauen. So baut man Dienstags immer nur ganz spärlich auf, weil man ja nicht weiß, ob man wirklich zum Springen kommt und es auch schnell wieder abgebaut sein muss. Heute hatten wir Glück und hatten sie Halle ganz für  uns alleine und konnten Paul ganz in Ruhe springen.

Er hat ja bisher nach seiner Verletzungspause noch nicht so viele Sprünge gemacht und die alle nur klein. Er war in der letzten Zeit so verrückt nach allem, was nach Sprung aussah und wäre immer am liebsten alle Sprünge in der Halle gleichzeitig gesprungen, hat sich dabei aber überhaupt nicht auf das Wesentliche konzentriert. Trotzdem wollten wir es aber langsamer angehen lassen mit dem alten Herren, der sich leider fühlt wie ein dreijähriger.

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Da wir Paul inzwischen gut genug kennen um ihn ganz gut einschätzen zu können, wollten wir heute mal wieder ein bisschen höher springen, damit er auch mal wieder zufrieden ist.  Wir wissen aber eben auch, dass er, wenn er so gaga ist, auch mal im letzten Moment kneifen und dann wegnicken kann. Das wollten wir gar nicht erst riskieren. Er sollte einfach nur schön springen. Mit Ruhe. Mit aufgewölbtem Rücken. Ohne vor dem Sprung zu rennen wie eine Wüstenrennmaus und ohne Nina vor dem Sprung die Zügel aus der Hand zu ziehen, weil er das lieber alleine und in seinem Tempo zu machen.

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Und deshalb gab es heute nur ein Cavaletti ( die er hasst), einen kleinen einzelnen Sprung und eine Distanz, aus der raus wir nur hinten den Oxer langsam höher machten. Durch den vorgebauten kleinen Steilsprung, der auch klein blieb, hatte er immer den perfekten Weg auf den Oxer und so machten wir es ihm ein bisschen einfacher einen guten Sprungablauf zu haben.

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Und heute war er irgendwie gut drauf, der kleine Paul. Gar nicht ganz so verrückt wie manchmal. Nur einmal hat er einen blöden Haken geschlagen, als er mich mit dem Foto auf dem Boden sitzen gesehen hat. Ja, das fand er gruselig, obwohl er es eigentlich inzwischen gewöhnt sein sollte.

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Das Springen war aber heute tip top. Dadurch , dass er im Kopf ruhig war, gingen auch die Sprünge gut. So konnte wir ganz langsam mit ein paar Kreuzchen anfangen und dann langsam den Oxer etwas höher bauen, bis wir das Gefühl hatten, dass er nun endlich mal wieder mit sich und der Welt zufrieden ist.

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Da wir nach dem Springen immer noch alleine waren, durfte er sich noch in der Halle wälzen und wir wagten es sogar die Sprünge nochmal stehen zu lassen, während Nina Paul versorgte und ich Calle holte. Bis ich mit Calle im Verein bin, das dauert eine halbe Stunde. Aber wir hatten immer noch Glück, die Halle war immer noch leer und so beschlossen wir, dass auch Calle heute seine ersten Sprünge seit dem Kreuther Turnier Ende September machen sollte, bevor der arme Kerl noch einen Dressurkoller bekommt.

Und so betrat Calle die Halle und machte erstmal große Augen, als wenn er uns sagen wollte: „Für wen sind den die Sprünge da? Ich bin doch jetzt ein Dressurpferd?“  Da hat er doch erstmal tief durchgeatmet. Ihm schwante schon, dass das heute anstrengend werden könnte.

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Aber so schlimm sollte es dann ja auch nicht werden. Calle ist ja noch im Aufbau und und so standen für ihn wirklich nur ganz kleine Hopser auf dem Plan.  Und kleine Hopser, das war noch nie sein Ding. Von Trabstangen lassen wir bei ihm ja schon lange die Finger, da er da tatsächlich drüberfliegt. Das konnte er noch nie und das wird er auch nicht lernen. Alles ab einem Meter und mehr, das nimmt er dann annähernd mal als Sprung wahr. Bei allen anderen Sachen ist er einfach nur büffelig. Ich glaube nicht, dass Calle ein geeignetes Anfängerpferd für E-Springen wäre, da er sich das wahrscheinlich nicht mal mehr lenken lassen würde und wahrscheinlich einfach nur durch die Sprünge durchlatschen würde.

Und so war er dann auch heute. Das war kein Spaß für Nina. Calle hat geschätzte 650kg Lebendgewicht und wenn der büffelt, dann hat man das Gefühl, das einem Elefanten doch schon ziemlich nahe kommen müsste. Seine besondere Spezialität – und auch der Grund warum wir ihn am Anfang nie vorwärts-abwärts reiten- ist es, sich mit seinem kompletten Hals und Kopf auf den Zügel zu legen, ganz nach dem Motto „Warum soll ich meinen Kopf selbst tragen, dass kann doch mein Reiter machen“.  Dabei wird er dann immer schneller, läuft immer mehr in den Boden, solange bis er stolpert. Wenn er aber stolpert, dann wird er ganz schnell zur Diva. Er kann es nicht leiden, wenn er stolpert und um das ganz deutlich zum Ausdruck zu bringen, geht er nach dem Stolpern gleich mal vorne hoch. Als würde er denken, jemand hätte ihm absichtlich ein Bein gestellt. Auf die Idee einfach mal die Füße zu heben, damit er nicht stolpert kam er leider noch nicht. Und so ist es Reitersache ihn immer wieder von hinten nach vorne zu treiben, dabei nicht schneller werden zu lassen und gleichzeitig zu schauen, dass er den Kopf oben behält. Es ist also bei ihm nicht mit Galopp- Hintern aus dem Sattel – und Springen getan. Bei Calle ist Springen tatsächlich Dressurreiten mit Hindernissen.

Und das war Calles erstes Cavaletti nach 3einhalb Monaten Pause.
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Insgesamt sprang Calle genauso wie ich es oben beschrieben habe und wie wir es auch erwartet hatten. Wenn da jemand zuschaut, der uns nicht kennt, der würde denken: „Für ein E-Springen müssen die aber noch eine ganze Weile üben“

Aber egal, es schaut ja keiner zu und ich kann ja die vielen Fotos, die nichts werden einfach von der Speicherkarte löschen.  Das mal nur so am Rande. Bis Nina und Calle wieder auf M-Niveau angekommen sind, das wird eine ganze Weile dauern, da ist einiges an Arbeit erforderlich. Aber die Herausforderung nehmen wir an, mal sehen, wann unser großer Schimmel wieder ein vernünftiges Trainingslevel erreicht.

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Nach ein paar Sprüngen und viel Dressurarbeit dazwischen war auch für Calle für  heute Schluss. Wir sind jetzt bei ungefähr einer halben Stunde Arbeit angekommen und dann ist er auch ein bisschen nass. Wir denken aber, dass wir für diesen Winter um das Scheren herumkommen und achten darauf ihn nicht zu nass zu reiten, besonders, weil er ja bei dem Wind wieder hoch in den Stall muss.

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So, jetzt hatten wir aber das Glück und die leere Halle lang genug strapaziert. Es wäre utopisch gewesen zu glauben, wir könnten Calle hochbringen, und Ginny runterholen und dann immer noch springen können, also bauten wir vorsichtshalber ab. Schade, als wir mit Ginny kamen, war die Halle immer noch leer. Wir hätten gut springen können, aber jetzt war schon abgebaut und Ginny hatte auch den Dressursattel drauf.

Ok, also los, wir reiten Dressur.

Ginny war schon gleich mal sauer, als sie merkte, dass es am Dressurplatz vorbei und in die Halle geht. Nina konnte fast die ganze letzte Woche draußen reiten, das wäre ihr sichtlich lieber gewesen. Ich musste doch tatsächlich absteigen und sie in die Halle führen. Das sind so meine kleinen Zugeständnisse, ich kann es mit nicht erlauben mich mit ihr auf dem nassen Beton zu streiten  und dabei einen Sturz zu riskieren. Also steige ich liebe mal ab, führe sie in die Halle und steige wieder auf.

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Wenn mir das vor zehn Jahren einer gesagt hätte, dass ich das so mache, den hätte ich wohl ausgelacht. Inzwischen bin ich aber ganz gut in meiner Kompromissreiterei angekommen. Ich bin ja froh, dass ich überhaupt drauf sitzen kann, da wäre es dämlich unnötige Risiken einzugehen.

Mit Ginny in der Halle war schnell klar, dass das heute nicht unser Tag wird. Ginny hat Tage, da macht sie nach einer Einlaufphase super mit und will selbst arbeiten. Das macht dann echt Spaß, man nimmt dann eigentlich nur an, was sie anbietet, fühlt sich wie King Käs und das Pferdchen macht die Arbeit.

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Heute war der andere Tag. Da ist sie klemmig, man sitzt drauf wie ein Klammeräffchen, bettelt um jeden Schritt den sie machen soll und treibt sich wahnsinnig. Zudem ist sie an manchen Tagen schiefer als an anderen. Da wird einem schon schwindelig, wenn man die lange Seite geradeaus hoch reiten will und in nach vorne in den Spiegel schaut. Ist schon ein  ganz ulkiges Bild, wenn man auf vier Hufschlägen unterwegs ist.

Aber diese Tage nerven mich nicht mehr. Ich kenne das ja. Ich weiß auch dass ich es sowieso nicht ändern kann. Ginny auch nicht. So ist sie einfach. Das kann am nächsten Tag schon wieder ganz anders sein. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas dagegen zu tun, das einzige, was ich machen kann, ist meinen Ehrgeiz zurückzuschrauben und sie zu reiten wie eine vierjährige. Zirkel, Ganze Bahn, Mittelzirkel und Diagonalen. An den Tagen geht es nur darum, sie locker zu bewegen, da es noch schlimmer wird, wenn sie nichts tut. Also habe ich mich auf leichttraben und Galopp eingestellt. Mit ganz viel Galopp, der irgendwann in Trab-Galopp Übergänge auf großen Linien übergeht, kann man sie ganz gut locker reiten und mit jeder Runde wird es dann auch besser.

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Und so war es auch heute.  Nach einer guten halben Stunde lässigen Trab-Galopp Übergängen konnte ich sie sogar noch ein/zweimal seitwärts schieben, da sie das gerade lernt, nehmen wir das gerne in die tägliche Arbeit mit rein. Ganz spielerisch momentan noch, das sie da doch schneller mal die Bremse ziehen kann also ich gucken kann. Wichtig ist nur, dass sie die Schenkelhilfe akzeptiert und dem Schenkel weicht, nicht, dass es ein perfektes Seitwärts ist. Das kommt mit der Zeit. Momentan möchte ich nur, das ich am Anfang einer langen Seite entscheiden darf in welche Richtung ich will und das, ohne, dass sich Ginny gleich gestresst fühlt, nur weil ich das Bein etwas mehr drannehmen. Das muss sie noch lernen, dass sie da relaxter bleibt und sich nicht immer gleich angegriffen fühlt.
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Mit ein paar schönen langen Seiten zulegen und einfangen konnten wir die Stunde heute beenden und ich habe mich gefreut, dass wir es trotz schlechtem Anfang wieder geschafft haben, ein gutes Ende zu finden. Das ist immer mein Ziel, mein Pferd mit einer positiven Erfahrung wieder in den Stall zu bringen.

Trotzdem ist aufgrund der Schwierigkeiten heute das Programm für morgen für Ginny schon klar. Die muss mal wieder freilaufen. Manchmal braucht sie es auch mal wieder sich auszubocken, sich frei zu machen und zu toben, wie sie möchte oder auch nicht möchte.