Kleines, aber effektives Workout mit Ginny

Ich weiß nicht, auf was für Reitanlagen ihr eure Pferde stehen habt. Vielleicht könnt ihr auch im Winter rund um die Uhr machen, was ihr wollt und habt Zeit und Ruhe für Stangenarbeit, Bodenarbeit, Longieren, Freilaufen und alles, was man so rund um das Reiten machen kann. Das freut mich dann für euch, aber bei uns ist das nicht so.

Unsere zwei Reithallen von denen man sowieso nur in einer Springen darf, sind im Winter sehr stark frequentiert mit rund 80 Privatpferden, Schulbetrieb und Voltigieren muss man schon schauen, dass man eine Lücke für andere Sachen als Dressurreiten findet.  Deshalb ist es mir leider nicht möglich im Winter große Stangenarbeitsparcours aufzubauen, die mir sicherlich Spaß machen würden, aber eben nicht umsetzbar sind.

Wenn ich was aufbaue, muss ich jederzeit damit rechnen, dass noch jemand zum reiten oder longieren in die Halle kommt oder darauf wartet freilaufen lassen zu können.

Deshalb muss das alles einfach sein. Im Zweifel muss ich so aufbauen, dass andere noch gut drumrumreiten können, oder eben, dass es auch schnell wieder abgebaut ist, wenn es stört. Und so versuche ich aus so wenig Stangen wie möglich das effektivste rauszuholen. Ich glaube aber, dass ich  mit dieser Platzproblematik nicht alleine bin, da es auf den anderen Anlagen, die ich bei uns kenne auch nicht anders ist.

Heute habe ich mich deshalb mit Ginny für einfache 4 Cavalettis entschieden. Ich bin ja ein großer Cavalettifan, weil sie so vielseitig und einfach einsetzbar sind.  Leider habe ich nur 4 Stück 😦  und damit muss ich auskommen. Aber auch damit fällt mir eine einfache Lösung ein.

Heute habe ich die Cavalettis einfach nur auf eine gerade Linie gebaut. 4 Stück hintereinander. Klingt langweilig und einfach, ist es aber nicht.

Es ist ja schonmal eine kleine Herausforderung sie so zu stellen, dass man sie im Trab und im Galopp reiten kann, ohne das Maß verändern zu müssen.

Trabstangen wären ja eigentlich 1,20, auf jeden Fall passt das bei Ginny so. Lege ich aber die Cavalettis dann auf 3,60 damit ich sie auch im Galopp reiten kann, wird das für Cavalettiarbeit zu weit. Jetzt ist das bei Ginny nicht das größte Problem, da ich ja sowieso möchte, dass sie sich über den Galoppcavalettis ein bisschen flüssig galoppiert und nicht so ganz kurz wird.  Und so baue ich die kleine Reihe folgendermaßen auf.

Die Cavalettis haben einen Abstand von 3,30, so geht das gut im ruhigen Trab und im normalen Galopp. So der Plan für Ginny. Bei anderen Pferden kann das, je nachdem, was ich erreichen will aber schon wieder ganz anders aussehen.

Am Anfang lege ich alle Cavalettis auf die niedrigste Stufe, also knapp über dem Boden. Da trabe und galoppiere ich nach der Lösungsphase locker drüber. Die Lösungsphase sieht nicht anders aus, als beim Dressurreiten. Lösende Lektionen, große gebogene Linien. Die Cavalettis reite ich abwechselnd von der geraden Linie aus an, aber auch aus der gebogenen und richte dann über der Reihe gerade.  Wichtig dabei ist mir, dass Ginny aufmerksam ist und ihren Takt hält. Sie soll vor den Stangen nicht schneller oder langsamer werden, sie darf schauen und den Hals benutzten und ich lasse sie  selbst machen. Ich helfe nicht oder nur wenig. Mit der Cavalettiarbeit will ich ja bezwecken, dass mein Pferd mitdenkt und nicht mich für sich denken lässt. Deshalb zeige ich den Weg und bleibe dann ruhig. Ich möchte ja, dass mein Pferd selbständig wird und ihre Beine sortiert. Das klappt natürlich nicht immer, das ist  aber auch nicht schlimm, aus Fehlern lernt man ja. Auch das Pferd.

23316524_1766356280054965_1271810869441323876_n

Für mich gibt es nur die Aufgabe, die Gangart und den Weg vorzugeben. Oft reite ich die Stangen im Trab, galoppiere direkt danach oder an einem Punkt an, den ich mir vorher überlegt habe, reite im Zweifel auch mal ein zwei Volten oder Handwechsel, ich arbeite sie also zwischen den Cavalettis dressurmäßig. Wär ja auch ziemlich langweilig einfach nur Runde um Runde über die lange Seite zu reiten. So verbinde ich die einfache Reihe mit meiner Dressurarbeit. Angaloppieren am Punkt, durchparieren am Punkt, die Reihe mal im Trab, mal im Galopp. So kann ich die volle Konzentration meines Pferdes bei mir haben. Durch die ständige neue Aufgabenstellung kombiniert mit den Stangen ist sie wach und motiviert und lässt sich schön über den Rücken arbeiten.

23456439_1766356776721582_7032485029629798764_o

über den Cavalettis ist der Hals lang, Ginny macht das selbst

23472489_1766357723388154_6578513617384114623_n

Beine sortieren im Trab

23380285_1766357210054872_1867697635509093465_n

23472970_1766357306721529_8188596571308718236_n

Aufmerksam auf dem Weg dahin

23380253_1766358910054702_3343198446448457827_n

und nach den Cavalettis wieder schliessen

Ginny hat ja gerne mal Probleme dabei sich zu versammeln. Sie wird dann immer kürzer und kürzer und hoppelt irgendwann nur noch auf und ab. Es ist nicht einfach, sie dann immer wieder zu verlängern und es nicht zuzulassen, dass sie sich verspannt. Mit den Stangen ist das ganz einfach. Ich kann sie zwischen den Stangen immer mal wieder verkürzen, und wenn ich merke, sie wird kribbelig, geht es einfach wieder ein,-zweimal über die Stangen und sie ist erstens wieder abgelenkt und lässt auch gleich wieder mehr los.  Und so fühlt man Runde für Runde mehr, wie sie sich besser setzen lässt und nach ein paar versammelten Tritt oder Sprüngen entspannt man sie wieder über der Reihe und alles ist gut.

Inzwischen sind wir ja schon deutlich über die Lösungsphase hinaus. Ganz unbemerkt sind wir in die versammelnde Arbeit übergegangen und es steht jetzt auch jedes zweite Cavaletti auf halber Höhe. Das animiert Ginny dazu noch mehr aufzupassen, die Beine zu heben und damit die Hankenbeugung und die daraus entstehende Tragkraft zu verbessern, die wir ja nachher wiederum für das Dressurreiten brauchen.

23376544_1766357383388188_7751023475138752486_n

Trab— hoo Brauner

23316653_1766358330054760_4341451569298360687_n

Beinsalat

23316506_1766357610054832_5259884834284977139_n

gespitzte Ohren

23319039_1766358853388041_8715459827207191044_n
Die höheren Cavalettis fand sie jetzt dann doch recht anstrengend und wollte sie eigentlich am liebsten nur noch im Galopp überwinden. Aber das wäre ja zu einfach, das kann ja jeder.  Wir haben eine ganze Weile gebraucht, bis wir uns einig waren, die Reihe im Trab zu machen. Am Ende waren wir uns aber einig und konnte beides. Trab, Galopp, egal. Genau das war das Ziel der heutigen Einheit. Ich wollte, dass Ginny mir zuhört, sich auf mich verlässt, aber ihre Stangen selbständig überwindet.

Eine Idee hatte ich dann aber doch noch dazu. Ginny wird gerne klemmig, wenn es um Seitengänge geht. Auch hier hält sie sich, wie im Galopp fest, wird immer kürzer, man muss eigentlich mehr treiben, aber das verträgt sie nervlich nicht. Seitengänge sind sowieso so eine Nervenaufgabe für sie. Und wenn sie nervig wird, dann blockiert sie ganz schnell mal. Und so waren auch hier die Cavalettis eine gute Problemlösung für mich. Da die Cavalettis ja auf der Viertellinie standen ritt ich vom Hufschlag zur Viertellinie seitwärts. Da aber Ginny schon die Cavalettis im Visier hatte und die schon angezogen hat, hat sie gar nicht gemerkt, dass wir seitwärts geritten sind und blieb dabei schön in der Vorwärtsbewegung, ohne, dass ich mehr Druck hätte machen müssen.

Und so hatte ich an dieser einen Workouteinheit mit nur 4 Cavalettis gleich an drei Problemen gearbeitet. Ginny hatte einen Riesenspaß daran, war super motiviert und am Ende total zufrieden mit sich und der Welt.

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu “Kleines, aber effektives Workout mit Ginny

  1. Fräulein_ich schreibt:

    Hach ja. So eine Reithalle wäre schon was schönes. Auf der einen Seite beneide ich eigentlich alle, die den Luxus einer Halle haben. Gerade im Winter und bei so einem Mistwetter, wie es gerade seit einer Woche ist. Wirklich effektiv zum Arbeiten komme ich da nicht so recht. Obwohl man ja im Gelände auch so tolle Sachen machen kann. Mit allem was da so rumliegt oder rum steht.

    Auf der anderen Seite, beneide ich eigentlich keinen darum, sich danach richten zu müssen, wie es gerade Platztechnisch raus geht. Ich höre es immer wieder von einer Freundin. Sie hat ihr Pferd in dem Stall untergebracht, in dem ich Reitunterricht nehme. Es ist eigentlich ein recht kleiner Stall, mit aktuell unter 10 Einstellern. Dazu aber noch die Pferde von den Betreibern selbst und die Schulpferde. Selbst bei einer kleinen Stallgemeinschaft muss man da immer schauen wie es mit der Belegung der Halle raus geht. Während der Reitstunde können z.B. Einsteller nicht in die Halle, außer sie reiten selbst mit. Ansonsten muss man sich eben immer absprechen, wer was macht und ob das auch zu mehreren in der Halle funktioniert.

    Was mir gerade so durch den Kopf schießt, wäre es nicht eine Idee, wenn sich vielleicht ein paar Reiter zusammen tun würden und gemeinsam Stangenarbeit machen würden? Hätte ja jeder was davon. Und man könnte vielleicht auch einen etwas Größeren Stangenpark auslegen 🙂

    Liebe Grüße

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s