Wir sind wieder mal in Kreuth- Tag 1

Wir sind angekommen. Nach einer ganz guten Fahrt mit 3 Stunden standen um halb elf dann auch mal alle Pferde in ihren Boxen und wir fielen tot ins Bett. Aber es ging alles gut, die Pferde stehen diesmal nebeneinander, Ginny hat wieder ihre Chefbox an der Ecke, sie können sich sehen, es sollte also alles gut sein für die Vierbeiner.

Am Mittwoch morgen konnten wir dann anfangen „unsere“ Stallgasse einzurichten. Bisher sind wir auch noch alleine mit 3 anderen Leonberger Pferden und können uns dementsprechend ausbreiten. Mit den Tagen wird das noch ein bisschen enger werden, aber noch genießen wir es. Zudem haben wir diesmal auch noch die Boxen mit der breitesten Stallgasse, so dass wir noch mehr Platz haben. Das ist schon Luxus pur.

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Nahdem dann alles eingerichtet war, die Pferde zufrieden mampfend in ihren Boxen standen ging es auch schon los mit den ersten Prüfungen. Wir sind ja nicht alleine da, sondern mit einer netten Truppe und so ist man, soweit es möglich ist, natürlich auch bei den Prüfungen der anderen dabei, schaut zu, hilft, filmt, fotografiert und unterstützt sich gegenseitig.

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Zwischendurch ist dann auch immer mal wieder Zeit die Pferde zu bewegen, damit sie nicht den ganzen Tag in den Boxen stehen oder auch einfach mal zu chillen. Wir haben ja richtiges Kaiserwetter mitgebracht, so dass wir es uns richtig gemütlich machen können.

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Nun war es aber auch mal Zeit zu reiten. Calle sollte der erste von unseren sein, der am Start war.  Eigentlich schien er schon ganz gut angekommen zu sein, obwohl wir ja normalerweise einen Tag früher anreisen und die Pferde dann schon ein Warm-Up auf dem Platz hatten und auch  nicht mehr so aufgeregt sind. Wenn man Calle von zuhause kennt, glaubt man nicht, dass er jemals nervös sein könnte. Aber bekanntlich sind stille Wasser ja tief und und so ein Übernachtungsturnier nimmt ihn schon immer noch mit.

Das sollten wir dann noch zu spüren bekommen.

Erstmal war die Welt noch in Ordnung. Ginny war da, Calle war zufrieden. Aber Ginny kann ja nicht mit in den Parcours. Da muss er alleine hin. Das fand er heute doof.

 

Den Anfang sprang er echt gut, so dass Nina auch gleich mal eine kleinere Wendung riskieren konnte.  In die Kombi kamen sie leider schlecht rein, so dass der Aussprung riesengroß geworden und so mussten sie dort einen Stop verbuchen. Das war jetzt kein Beinbruch, der Stop war völlig legitim, da muss man dann tatsächlich als Pferd nicht mehr rausspringen. Beim zweiten anreiten machten sie es dann besser und die Welt war wieder in Ordnung.

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Auch die zweite Kombi war kein Problem, was danach los war wissen wir bis jetzt noch nicht. Es wäre  noch ein Sprung gewesen  vom Ausgang weg, der hat Calle wohl nicht gefallen. Fragt mich nicht warum. Möglicherweise dachte er sich auch, dass er jetzt wohl auch mal genug gearbeitet hätte und lieber zum Ausgang raus will, als über diesen einen Sprung noch zu springen, keiner weiß es, auf jeden Fall gab es keine Chance ihn noch überhaupt mal in die Richtung des Sprunges zu lenken. Er hatte einfach jetzt keine Lust mehr und das hat er dann mal deutlich gemacht. Alle rundum waren ziemlich verwirrt, da diese Arbeitsverweigerung so völlig aus dem Nichts am Ende eines eigentlich guten Parcours kam. Keiner hat es verstanden. Der verdutzte Sprecher meinte nur. „Hm, da hat der Calle jetzt wohl keine Lust mehr und muss leider ausscheiden“. Ja, das war jetzt natürlich doof, vor allem, weil es ja keinen Grund gab und wir jetzt natürlich nicht wissen, was er morgen tun wird. Macht er das wieder oder war da eine einmalige Sache. Wenn er es macht, ist man leider machtlos und kann gar nichts dagegen tun. Calle kann so hoch steigen, dass man nur wie ein Frosch draufklemmt und wartet, bis er wieder auf den Boden kommt. So ein Witzbold.

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Damit war dann aber klar, dass er heute noch die L-Dressur laufen wird, die wir zwar gemeldet hatten, aber nach einer guten Runde im Springen nicht mehr geritten wären. Die L muss ich allerdings selbst rieten, da sie auf Kandare ist und dieses Jahr Nina nicht auf LK 4 eingestuft ist, sie also deshalb nicht reiten durfte. Natürlich wäre sie lieber selbst geritten um ein Gefühl zu bekommen, was los ist, aber so mussten wir halt tauschen. Hätte ja auch sein können, dass er sich irgendwo bei einer Landung verzerrt hat und deshalb so überreagiert hat, oder sonst irgendwas nicht stimmt, da ist es ja immer besser, wenn derselbe Reiter wieder fühlt, aber das ging halt nicht.

Also musste ich ran. Es war die L8 auf 60m. Die hatte ich zwar gemeldet, aber noch nicht wirklich trainiert. Und Calle ging auch schon ewig nicht mehr auf Kandare. Das konnte ja heiter werden. Aber erstaunlicherweise hat er es dann echt gut gemacht.

Er lief völlig normal. liess sich auch im großen Viereck echt ordentlich reiten und war dann am Ende auch nur 3 Zehntel aus der Platzierung raus. Das war aber ja auch egal. Wir wollten ja nur, dass er nochmal läuft und fühlen ob alles gut ist. Das scheint so zu sein, da hat er halt einfach ein Vögelchen gehabt.

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Mit der Dressur konnte ich echt zufrieden sein. Er war konzentriert, nicht mehr so auf Krawall gebürstet. Natürlich wird er in den schwereren Dressuren, vor allem auf Kandare nochmal schwerer mit Calle zwischen den Dressurpferden mitzuhalten. Aber er hat sich echt wacker geschlagen. Mitteltrab auf 60m wird schon lang, aber Mittelgalopp ist cool. Da ist das Viereck nicht schon zuende, bevor wir überhaupt mal angefangen haben. In der Wendung hörte ich nur den Richter sagen: “ Ja, da geht was“.  Im Protokoll wurde natürlich wieder die Selbsthaltung des Pferdes gewünscht, ja, die wünsche ich mir auch, das das sieht Calle überhaupt nicht ein. Er findet, dass ich dafür da bin seinen Kopf zu tragen, warum sollte er das auch selbst tun? Eine harmonische Vorstellung wurde uns bescheinigt. Na also, ist doch alles prima, mehr will ich doch gar nicht.

Und dann kam noch das Plüschpony. Das Plüschpony ist on. und zwar richtig. Aber das war sie ja letztes Mal am ersten Tag auch noch, nur, dass wir da noch keine Prüfung hatten und erstmal Ruhe reinbringen konnten. Beim letzten Mal dachte ich beim Warm-Up auch noch nicht, dass ich mit einer Note aus dem Viereck komme. So ist es jetzt auch wieder.

Ginny braucht mindestens noch einen Tag, bis sie hier ankommt und ruhiger wird. Und dann war es heute auch noch die schwere Aufgabe. Ginny ging ja auch noch nie auf 60m. Beim Abreiten war sie schon recht wach, da ich wegen des Bodens auf dem Springabreiteplatz mit abgeritten bin. Der Dressurabreiteplatz war so tief, das hätte sie nichtmal die Füße rausbekommen. Aber so wurde eben um sie herum gesprungen, das hätte sie heute auch gerne gemacht. Nur, dass es für sie dann nicht in den Parcours ging, sondern ganz alleine in die Halle. Ui, das war gruselig. Sie ist ja sowieso nicht gerne allein. Und zu allem Überfluss hat sich Calle dann wieder eingemischt. Eigentlich steht er ja weit weg von der Halle, aber wenn der Hirsch anfängt zu Röhren, dann hört man  ihn weit. Und Ginny hat ihn gehört. Na, spitze.  So haben wir unseres sowieso schon spannige Dressur noch mit lauten Gewieher begleitet, was natürlich nicht zu mehr Gelassenheit geführt hat. Für die Umstände war ich trotzdem froh, dass Ginny trotz aller Spannung bei mir blieb, mir zugehört hat und ihre Lektionen ohne zu bocken oder zu explodieren gelaufen ist. Ich war echt ein bisschen stolz auf das kleine Mädchen, die auch, wenn sie nur eine 5,3 bekommen hat echt anständig war und ihre Spannung einigermaßen im Zaum halten konnte. Beim Verlassen der Halle fiel dann alles ab, sie bockte, sie hüpfte, sie stieg an der Hand und wollte einfach  nur so schnell wie möglich zu Calle.  So ist sie halt, die Nerven sind einfach sehr zart und wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns, bis wir die zuverlässig im Griff haben. Aber wir haben ja Zeit.

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Alles in allem, war das ein anstrengender und spannender erster Tag, aber wir haben einen Vorteil: Es kann nur noch besser werden. 🙂 In diesem Sinne gehe ich jetzt mal nach den Pferden schauen, mal sehen, was ich euch morgen berichten kann.