Training of today

Nachdem die Pferde fast vier Wochen Springpause hatten, aber noch ein paar Turniere anstehen und sie es außerdem auch für ihren Kopf brauchen, wurde es nun endlich wieder Zeit ins Springtraining einzusteigen.

Leider macht uns das Wetter momentan einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, so dass wir schon im September in der Halle springen müssen. Das habe ich glaube ich noch nie erlebt. Vor November/ Dezember hat es uns bisher noch nie in die Halle verschlagen.  Bisher hatten wir eher immer das Problem, dass wir schon die ersten Hallenturniere geritten sind, aber noch gar nicht drinnen trainiert hatten.  Manchmal hat man sich da echt schon drüber geärgert, weil man den Pferden die Umstellung von Platz auf Halle schon anmerkt.

Dieses Jahr ist es andersrum. Wir haben kein Hallenturnier gemeldet, müssen aber trotzdem in der Halle trainieren.  Tja, Pech, nennt man das wohl.  Aber wir machen das Beste draus und hoffen darauf wenigstens die nächsten beiden Wochenenden auf dem Turnier einigermaßen vernünftiges Wetter zu haben.

Bei Ginny waren wir echt gespannt, was sie tun würde. Sie ist ja immer für eine Überraschung gut. Sie ist momentan supergut drauf, fast schon ein bisschen über die Uhr. Nach ihrem Besuch, beim Chiro letzte Woche, dem Hufschmied und dem großen Turnier bei uns, bei dem sie extrem nervös war, ist sie nicht viel geritten worden.  Wir wollten erst mal wieder Ruhe reinkommen lassen, und sie nervlich nicht überfordern. Der schmale Grad zwischen Reitpferd und Furie ist bei ihr relativ schnell erreicht und das müssen wir nicht herausfordern. Vor allem fordern wir aber keine neuen, stressbedingten Magengeschwüre heraus und von dem her versuchen wir immer sie auf einem guten nervlichen Level zu halten, damit es ihr auch weiterhin so gut geht, wie es ihr momentan geht.

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Aber sie war wach, das war schnell klar. Normalerweise ist sie an den ersten Stangen auf dem Boden, an den ersten Minisprüngen erstmal dagegen. Da kann sie an einer Bodenstange Theater machen, ein Cavaletti kann sie zum eskalieren bringen. Heute aber nicht. Sie hat die Stangen gesehen und war wach.  Nina war reichlich überrascht. Das Ginny ihr mal vor dem Sprung die Zügel aus der Hand zieht und unbedingt rüber will, das hatte sie nicht erwartet. Aber gut, nach einer kurzen Verwunderung hat sie sich auf vorwärts eingestellt und hat Ginny machen lassen.

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Ginny war gut drauf. Nach den ersten kleinen Sprüngen, durfte sie noch ein bisschen Technik üben, was Ginny aber nicht wirklich vor ein Problem stellt. Wenn sie will, dann will sie und so konnte Nina mit ihr die unmöglichsten Wege und Wendungen reiten, das macht sie völlig easy.  Bei Ginny belastet man nur einen Steigbügel anders und man hat die Wendung. Das ist der Vorteil an so einem feinem Pferd, die auf die kleinste Hilfe reagiert. Der Nachteil ist, dass so einer halt auch mal schnell überreagiert. Diese Eigenschaft gilt es bei ihr immer im Gleichgewicht zu halten, dann hat man ein Reitgefühl, dass nicht zu toppen ist.

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Trotzdem, oder gerade weil  Ginny so gut drauf ist, mitarbeitet und Spaß hat, wird sie dieses Jahr noch kein Springen auf dem Turnier gehen, da sie das noch nicht mit in die Turnieratmosphäre mitnehmen könnte und wir so unsere ganze Arbeit diesen Jahres zerstören würden.

Nach Ginny Calle zu springen ist immer eine große Umstellung. Calle, der zwar um einiges mehr Vermögen hat als Ginny, und auch nervlich wenig Probleme hat, ist trotzdem völlig anders zu reiten. Während man bei Ginny am besten gar nichts macht und auch vor dem Sprung nichts machen muss, weil sie ihre Sprünge selbst sieht und auch darauf besteht das zu tun, ist Calle richtig Arbeit.

Calle muss man schon ganz anders abreiten. Der große, manchmal etwas unbewegliche Kuschelbär braucht schon beim warmreiten sein spezielle Gymnastikprogramm. Ihn muss man richtig und ehrlich Dressur reiten. Stellen, Biegen, Übergänge, Tempounterschiede, all das ist notwendig um ihn nachher am Sprung aufmerksam zu haben. Calle weiß nämlich selbst auch, dass er genug Vermögen für das hat, was wir von ihm wollen und hält es deshalb nicht unbedingt für notwendig sich zu konzentrieren. Er könnte es ja auch so. Leider kann es dann eben auch mal passieren, dass man eine Wendung nicht bekommt oder einen kompletten Sprung umnietet. Während Ginny sich fürchterlich ärgern würde, wenn sie eine Stange berührt, ist es Calle ziemlich egal.  Was man mit Calle allerdings gar nicht machen muss, sind Stangen und Cavalettis. Das findet er gruselig. Das wäre ja Arbeit, trotzdem muss er es natürlich bei uns machen, aber eben nur im Rahmen des Warmreitens, nicht mehr. Bei so etwas wird er nicht locker, sondern eher genervt und immer stärker und büffeliger. So ist halt jeder anders, aber das macht es ja aus. Sich bei jedem Pferd wieder neu einzustellen und sich mit den Eigenheiten des jeweiligen Pferdes zu arrangieren.

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Da wir ja in der Halle meistens nur ein oder zwei Trainingssprünge aufbauen, funktioniert hier das Training ein bisschen anders als draußen. Auf dem Platz springt man oft Reihenfolgen, Distanzen oder einen kompletten Parcours. Man trainiert das schnelle Aufeinanderfolgen der Sprünge und die Höhe und Weite der Hindernisse. In der Halle geht es dann mehr um Technik. Auch wenn Calle jetzt schon viele M-Springen ging und das auch gut macht, waren wir bisher immer noch im Sicherheitsmodus unterwegs. Die Schnibbelwendungen, die Nina mit Pauli reiten konnte, haben wir mit Calle meistens noch nicht versucht. Da der Herr bisher im M auch immer mal für einen Stop gut war, war es bisher immer wichtiger sichere Runden zu reiten, damit er das stoppen aufhört und sicher zuspringt. Ihn dabei durch zu enge Wendungen zu überfordern wäre kontraproduktiv gewesen.

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Natürlich können wir auch jetzt, nach einer sehr guten und sicheren Saison noch immer nicht garantieren, dass er nicht mal stoppt, aber wir können nun langsam trotzdem mehr riskieren. Und deshalb wird es langsam Zeit schonmal zuhause die Wendigkeit zu trainieren. Das haben wir heute mal versucht. Noch nicht auf M-Höhe, das ist klar, aber am Ende ging Calle auf guter L-Höhe alle Wendungen, alle schiefen und schrägen Sprünge sicher und souverän. Fast schon hatte man den Eindruck, er hört besser zu, wenn er mehr gefordert wird. Das ist ja eine gute Grundvoraussetzung.  Auch er hatte heute ein Top Training und man hat tatsächlich das Gefühl, dass die Pferde froh sind, dass diese „Dauer-Dressurreiterei“ mit Mutti endlich ein Ende hat und sie sich mal wieder auspowern dürfen.

Trotzdem oder gerade deswegen würden wir uns jetzt einfach einen schönen Spätsommer wünschen, dass die Pferde nochmal draußen laufen können, sich austoben können und auch  nochmal auf die Koppel gehen.

2 Gedanken zu “Training of today

  1. Alida schreibt:

    Was sind das denn für Stiefel die Nina da trägt? Also von welcher Marke und welches Modell? Die sehen nämlich echt klasse aus 😊

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