Team Kaupp und der Reitabzeichenkrimi

Das war eine Geschichte mit unserem Reitabzeichen.

 

Man könnte es auch Never-Ending-Story nennen, aber jetzt hat sie endlich zu einem glücklichen Ende gefunden.

Im letzten Herbst/ Winter hatten wir das Reitabzeichen bei uns im Verein geplant.  Unsere Planung war gut. Wir hatten genug Zeit, wollten uns über knapp 3 Monate hinweg in Dressur, Springen, Bodenarbeit und Theorie auf die Prüfung vorbereiten. Alles stressfrei und sicher. Soweit , So gut. Aber wie so oft kommt dann eben doch alles anders als man denkt. Und so wurde das Reitabzeichen für Elly zu einem Krimi, der sich ganz schön lange hinziehen sollte.

Elly, die es ja eigentlich schon ein Jahr vorher gemeinsam mit ihrer Schwester machen wollte. Da hatte sie aber einen unglücklichen Unfall und konnte deshalb nicht reiten. Also noch ein Jahr warten, bis wir es im Verein wieder machen. Ein Jahr ist ja nicht viel, das passt schon. War jetzt halt einfach Pech.

Im Herbst war es dann soweit. Wir begannen mit den Vorbereitung und alles lief super.  6 Wochen vor der Prüfung waren wir uns alle sicher, dass alle bestehen würden und waren echt guter Dinge. Selten hatten wir eine Reitabzeichenvorbereitung, bei der man schon so lange vorher in Topform ist, eigentlich hätten wir die Prüfung im Januar gebraucht.

Und dann kam das Problem. Ich fiel von heute auf morgen aus. Für die weiteren, ungeplanten Operationen  durfte ich 10 Tage ins Krankenhaus und auch danach war natürlich nicht an eine Weiterführung der Vorbereitungen zu denken. Kein Beritt mehr der Pferde, der eben doch noch notwendig ist, um die Rittigkeit zu erhalten. Keiner mehr da, der mal kurz draufsitzen und korrigieren konnte, was im Ansatz schief läuft. Und dann noch ein Trainerwechsel in allen Sparten.  Das war ein bisschen viel des Guten.
Das waren natürlich gute Trainer, keine Frage, aber sie kannten sich halt nicht. Die Trainer, die Pferde und die Reiter. Und sich so schnell aufeinander einstellen und dann aber doch nur ein paar Trainingseinheiten zu haben, war schwierig.

Die Theorie habe ich noch aus dem Krankenhaus vorbereitet und mich mit den Teilnehmern kurzgeschlossen.

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Und dann kam der Tag des Abzeichens. Im Großen und Ganzen lief dann aber doch alles rund. Ich selbst konnte dabei sein, aber noch nichts machen. Das ist vielleicht ein blödes Gefühl. Du stehst da und kannst nicht helfen. Nur da sein. Sonst nichts.  Aber da mussten sie jetzt durch, meine Mädels.

Bei fast allen hat das ja auch funktioniert, nur unsere Vinnie, die im Springen wie gewohnt eine souveräne Runde lieferte, und somit mit Elli eine 7,8 holte, fand die Halle, in der Dressur geritten wurde echt gruselig. Und wenn Vinnie etwas gruselig findet, dann hat  man ein Problem. Sie hat sich während der Aufgabe verdreht wie eine Schlange, und wollte einfach mal die langen Seiten nicht entlang gehen, weil da oben stand ja das gefährliche Richterhäuschen, das sonst nicht da steht. Das konnte sie jetzt so nicht akzeptieren und das zeigte sie auch. Das wäre kein Problem, wenn man eben 10 min. Zeit hat um es ihr zu zeigen, und sie zur Mitarbeit zu bewegen. Aber beim Reitabzeichen ist es eben anders. Da wird geklingelt und du musst losreiten. Und so war es dann eben dumm gelaufen. Trotz dem, dass sich Elli in der Theorie noch mit 7,0 super geschlagen hat, vergaben die Richter für die Dressur nicht die notwendige 5,0 und somit war die Teilprüfung Dressur nicht bestanden.

Das hieß  jetzt wieder drei Monate warten, bis man wiederholen darf. Aber das mit dem Wiederholen ist gar nicht so einfach. Ich konnte ja immer noch nicht mitreiten, es war also im Moment nicht zu erwarten, dass die Pferde die nächste Dressur besser gehen würden. Die Prüfung woanders mit einem Schulpferd zu machen, hätte bedeutet, den kompletten Lehrgang mitzumachen und natürlich auch nochmal einen kompletten Kurs zu bezahlen. Das ist schon heftig.

Also mussten wir ran. Wir mussten es mit den Springern probieren. Elly entschied sich dafür, diesmal Pluto zu nehmen.  Schon über den Sommer arbeiteten wir viel an der Dressur, aber in der Turniersaison, wenn man doch viel unterwegs ist, Springtraining hat, die Pferde auch mal frei haben müssen, nebenbei noch Urlaubszeit ist, Klassenfahrten sind, Klausuren geschrieben werden usw. bleibt irgendwie doch nicht so viel Zeit für Dressurtraining, wie man das eigentlich gerne hätte.

In Internet ( meine geliebten anonymen Plattformen) wurde mal wieder nachgefragt, warum Elly nicht einfach Calle nimmt.  Ganz einfach. Erstens läuft auch Calle nicht easypeasy durch eine Dressur durch, vor allem nicht, wenn man ihn nicht kennt. Es ist da nicht damit getan, 2 mal drauf zu sitzen und er macht das. Er  hat schon auch seine Eigenheiten, die man kennen und in der Prüfungssituation beachten muss, sonst geht das auch mit Calle schief. Und an Ginny muss man gar nicht denken, da saß außer mir und Nina sowieso noch kein anderer drauf.  Und der kleine, freche Paul in einem Dressurviereck, das möchte keiner freiwillig machen…..

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Die nächste Sache ist ja auch, dass ein Reitabzeichen auch einen Wert hat. Hätte es das nicht, hätten die Richter ja auch einfach ein Auge zudrücken können und ihr die 5,0 reinschreiben. Die Richter wollten aber, dass Elly die Zeit nutzt, um zu trainieren und besser zu werden. Da haben sie ja auch Recht. Man sollte ein Reitabzeichen nicht auf die leichte Schulter nehmen, indem man den einfachsten Weg geht. Und außerdem war es ja  machbar mit Pluto. Man musste halt trainieren. Das gehört ja auch dazu. Im Frühjahr war es uns noch zu riskant, Pluto zu nehmen, weil er da ganz frisch da war und wir ihn noch nicht einschätzen konnten. Wir wussten ja auch nicht, was er in einer Stresssituation machen würde. Inzwischen ist es aber lang genug bei uns, wir kennen ihn, seine Probleme und seine Stärken und so war es keine Frage, es mit Pluto zu machen. Und Elly kann das ja auch. Sie wird ja wohl kaum zweimal das Pech haben, wie in der ersten Prüfung.

Und dann ging es aber doch schnell. Gerade noch im Sommerurlaub gewesen, kam Elly nach Hause und begann sich um ihre Nachholprüfung zu kümmern, die wir ja nun doch endlich mal brauchen, um im Springen LK 5 zu werden und endlich L-Springen reiten zu dürfen. Charly macht es ja inzwischen vor, dass beide soweit sind, diese nächste Stufe zu erklimmen.  Gegoogelt, gefunden. Ein Verein, der die Prüfung anbietet. Wir hatten 10 Tage Zeit. Jetzt aber los. Das hieß jetzt aufhören zu chillen und los. Dressur war angesagt. Und Aufgabenreiten. Die Dressur an sich ist ja nicht das Problem, aber das schnelle aneinanderreihen der Lektionen in einer Aufgabe. Einen Pluto nach dem Zulegen im Trab und auch im Galopp weiterreiten zu können, ohne dass er heiß läuft. Dabei noch nett lächeln und seine Bahnpunkte treffen. Vor allem die Mittellinie. Stillstehen beim Halten. Das fand Pluto völlig unnötig.

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Aber langer Rede, kurzer Sinn.

Die Prüfung war kein Problem. So eingeflochten sah der große Schwarze echt toll aus. Fast wie ein Dressurpferd. Und auch das Bild mit Elly gemeinsam war top. Die beiden passen halt einfach zusammen. Also das Gesamtbild stimmte schon mal. Jetzt mussten wir nur noch schauen, was Pluto zu der fremden Halle sagen würde. Aber er sagte gar nichts. Kein Gucken, kein Problem. Er wurde zwar im Verlauf der Dressur immer so ein kleines bisschen schneller- klar, er ist es ja gewöhnt auf Zeit zu gehen- aber Elly hat das gut geregelt und ihre Nachholdressur sicher mit 6,2  bestanden.

Uns hat das mal wieder gezeigt. Auch, wenn mal zwischendurch etwas schiefgeht, was ja immer passieren kann, es lohnt sich weiter zu arbeiten, nicht immer den einfachsten Weg zu wählen und sich auch mal durch eine Aufgabe durchzubeißen. Das hat Elly getan und das viele Dressurtraininig wird ihr nicht geschadet haben.  Im Gegenteil. Sie ist wieder ein Stück gewachsen, hat sich entwickelt, hat viel gelernt und das alles gehört einfach zur reiterlichen Ausbildung dazu.

Ich gratuliere Elly auf jeden Fall ganz herzlich zu ihrem Reitabzeichen, dass sie sich mit ehrlicher Arbeit und viel Einsatz ganz klar verdient hat. Jetzt kann es auch im Springen weitergehen und der Schritt ins L- Springen ist geebnet.

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Und als Schlusssatz  noch für alle, die jetzt schon fragen, wann Elly M-Springen reitet:

Das wird sie sicher irgendwann tun, da habe ich keine Zweifel, aber nichtsdestotrotz kommt vor dem M das L-Springen und jetzt geht es erstmal dran einen sicheren Umstieg von A auf L zu bewältigen, bevor man an M denkt. Meiner Meinung nach hat es noch keinem geschadet ein paar sichere L-Springen mehr zu reiten,  und dann auch sicher ins M reinzureiten. Also liebe Leute, immer mal langsam machen.  Für nächste Saison sind L-Springen geplant und wenn es soweit ist, wird es weitergehen im M. Wann es soweit ist, steht aber momentan noch in den Sternen und wird von uns gemeinsam dann entschieden, wenn es soweit ist.