Wofür braucht man eigentlich Bereiter- Teil 2

Möglicherweise habt ihr den letzten Blog gelesen in dem ich mir Gedanken darüber gemacht habe, wofür man uns Bereiter überhaupt braucht, was unseren Job ausmacht und was uns bitter aufstößt.

Kurz zusammengefasst ist das nämlich einfach immer zuschauen zu müssen, wie viele Leute mit ihren (jungen) Pferden am falschen Ende sparen und wir dann nur am Ende, wenn kein anderer ( billigerer) mehr seine Knochen hinhalten will, zum Einsatz kommen. Dann ist der Bereiter gefragt, dafür ist er schließlich da. Er wird ja schließlich bezahlt, da kann er ruhig seine Gesundheit riskieren.

Gott sei Dank bin ich aus dieser Nummer raus. Auch ich habe jahrelang meine Knochen hingehalten und viele Pferde geritten, bei denen andere nicht mehr weiter wussten. Am meisten habe ich mich über die geärgert, bei denen ich den Weg dahin gesehen habe, aber nichts machen konnte, außer zu warten bis es gar nicht mehr geht und der Besitzer dann doch mich oder einen Kollegen gefragt hat.  Aber ja, das war mein Job. Das musste ich tun, schließlich müssen wir ja irgendwie davon leben und da kann man sich seine Arbeit nicht immer aussuchen. Und wie schon gesagt. Die braven, die sind nicht für uns, die reiten andere, die es unbezahlt machen. Macht ja auch Sinn. Warum für etwas bezahlen, was ja funktioniert. Es reicht ja noch das zu korrigieren, wenn es nicht mehr geht.

Für mich war das mit einem Schlag vorbei. Nach meinem Unfall kann ich meine Knochen nicht mehr aufs Spiel setzen und von dem her muss das jetzt, wenn es für mich überhaupt noch dauerhaft weitergeht, das ist jetzt noch nicht absehbar, anders laufen. Ist vielleicht gut so, dass ich das nicht mehr machen kann, da komme ich nicht mehr in Versuchung. Ja, auch ich war immer eine von denen, die es versuchen wollte, und meinte, jedes Pferd, vor allem die mit schlechter Vorgeschichte, wieder in die Spur bringen zu müssen.

Aber ich habe auch gelernt, dass es mit der richtigen Kundschaft auch anders laufen kann. Und dafür danke ich an dieser Stelle mal meinen Leute, die zu mir gehalten habe und mir weiterhin vertrauen.

Bei uns läuft das und lief auch schon vorher so ab.
Meine Team Kaupp Pferde stehen alle bei uns im Reitverein. Das sind nicht mehr viele, da ich ja nicht mehr so große Kapazitäten habe und es kann auch mal sein, dass statt mir, meine Tochter Nina draufsitzen muss, wenn ich etwas nicht mehr machen kann. Da findet dann aber auch unter meiner Betreuung statt, und hat Hand und Fuß.

Früher bin ich als Mobile Bereiterin von Stall  zu Stall gefahren. Ich habe die Pferde teilweise nur einmal in der Woche geritten und wusste oft oder meistens nicht, was sie die anderen Tage gemacht hatten. Es kam nicht selten vor, dass das Sattelzeug nach einer Woche noch genauso da hing, wie ich es eine Woche zuvor verlassen hatte. Ich hatte keine Ahnung, was die Pferde in dieser Zeit gemacht hatten, aber teilweise auch einfach nichts.  Das ist erstens gefährlich für mich und in dem Fall tatsächlich rausgeschmissenes Geld für den Kunden. Was soll ich denn mit einmal in der Woche reiten ausrichten, wenn das Pferd an den anderen Tagen nichts oder nichts vernünftiges tut?

Jetzt ist das anders. Dadurch, dass ich die Pferde auch sehe, wenn sie nicht in meiner Betreuung sind, weiß ich immer, was sie getan haben und kann im Zweifel auch mal beratend zur Seite stehen, wenn mal was nicht klappt. Es gibt keinen festen Rahmen mehr, so dass ich z.B. jeden Dienstag reite. Nein, wir sind jetzt viel flexibler. Ich kann das jetzt ganz anders managen.

Das Ziel ist ja immer, dass die Pferdebesitzer oder deren Kinder die Pferde selbst reiten können. Und das ist nun meine Aufgabe. Unsere ganzen unterschiedlichen Pferde so zum managen, dass die Besitzer  Spaß daran haben und mit ihren Vierbeinern klarkommen.

Hier unterscheiden sich jetzt die erfahrenen Turnierreiter, wie z.B. Vera mit ihrem Belmondo, die keinen Beritt/ Ausbildung im klassischen Sinne braucht. Ich muss Belmondo nichts beibringen, das kann sie selbst. Auch auf dem Turnier stellt sie ihn selbst erfolgreich vor. Meine Aufgabe ist es lediglich, den 1,80 großen Wallach ab und zu mal richtig locker zu reiten. Einerseits, damit er nicht in der Box steht, anderseits um ihn durch die Lockerung wieder darauf vorzubereiten, seine Lektionen ordentlich zu gehen. Es ist bei ihm, wie bei vielen anderen auch, so, dass das wirklich ehrliche Loslassen sein größtes Problem ist. Den Hals oben ran stellen ist kein Problem, aber den Hals in die Tiefe reiten, den Rücken reell zu öffnen, das ist die wichtige Arbeit, die er große Mann braucht und die für mich morgens in einer leeren Halle mit viel Platz einfacher zu machen ist als für Vera, die abends nach einem langen Arbeitstag in die volle Halle muss.

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Auch hier höre ich immer wieder die Stimmen, warum ich denn das mache, dass könne doch jedes Mädchen aus dem Verein machen, die würde sich freuen, so ein Pferd reiten zu dürfen. Aber hier kommt zum Glück die Vernunft ins Spiel. Vera und die Besitzerin wissen meine Arbeit zu schätzen und sind sich im Klaren darüber, dass die Mädchen, auch, wenn sie schon gut und talentiert reiten, genau dieses Lockerreiten was Benny braucht eben noch nicht leisten können.

Vor allem die ganzen Kinderponys sind auch regelmäßig betreut.

Oft werde ich belächelt, wenn ich schon wieder mit so einem Pony ums Eck komme. Irgendwie steckt hier noch der Gedanke in den Köpfen , dass Ponys nicht geritten werden müssen. Kinder drauf und los. Dafür sind es doch „nur Ponys“

Und es sind ja auch keine potentiellen Turnierpferde für mich…. wofür also der Aufwand?

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Ganz einfach. Gerade die Kinderponys brauchen ja die beste Ausbildung, die sie haben können. Schließlich setzen wir hier unsere Kinder drauf. Und die Kinder wollen ja nicht einfach um den Platz segeln und sich womöglich in Gefahr bringen,  weil sie weder bremsen noch lenken können, im Gegenteil, sie wollen ja reiten lernen. Aber reiten lernen können sie nur von gut ausgebildeten Ponys.

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Gerade bei unseren kleinsten, die kaum mit den Beinchen unter die Schabracke kommen ist es absolut notwendig, dass die Ponys ausgelastet sind, und auf feine Hilfen reagieren. Sonst kann man darauf auch nichts lernen. Es ist schwer genug für die Ponys die noch unpräzisen Hilfen der Kinder zu verstehen und umzusetzen und es reicht ihnen auch nicht, 5 x in Woche ein bisschen im Kreis zu laufen. Unsere Ponys werden alle richtig geritten, dadurch haben sie genug und auch ordentlich gymnastizierte Muskulatur, sind zufrieden und ausgelastet, und machen dann an den Tagen, an denen sie von den Kindern geritten werden einen guten Job.

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Was bei den Ponys auch noch ganz wichtig ist, sie kennen mich und vertrauen mir. Dadurch, dass ich sie auch longiere, mit ihnen umgehe usw. kennen sie meine Stimme und wissen, wenn ich auf dem Platz stehe, was ich von ihnen will.  Sie reagieren im Zweifel eher auf meine Stimmhilfe zum durchparieren, als auf die Hilfe des Kindes und das ist auch gut so. Sie kommen auch, wenn es Probleme gibt, eher zu mir in die Mitte, als dass sie davon rennen, weil sie wissen, dass ich da bin und mir vertrauen. Das Vertrauen kann man eben aber nur aufbauen, wenn man auch außerhalb des Unterrichtes mit dem Pony in Kontakt ist.

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Auch die anderen Pferde, die bei mir im Unterricht gehen und unter dem Namen Team Kaupp auf dem Turnier starten oder eben auch nur zuhause geritten werden, werden in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von mir mitgeritten. Einfach immer so, wie es gerade notwendig ist. So wenig wie möglich zwar, aber eben so viel wie nötig.  Manche Dinge, die ich im Unterricht sehe, muss ich einfach auch mal gefühlt haben. Vieles sieht von unten ganz anders aus, als es sich von oben anfühlt. Deshalb ist es wichtig, dass ich die Pferde auch reite. Ich fühle oft, wie ich es den Reitern dann vermitteln muss. Manche Sache muss ich auch einfach selbst machen, wenn die Reiter das noch nicht können. Da kann ich viel reden, wenn sie es noch nicht umsetzen können, dann wird das nichts. Wenn das Pferd etwas nicht kann, wird es das auch nicht von einem unerfahrenen Reiter lernen. Das ist dann mein Part. Ich erarbeite manche Sachen erst mit den Pferde und wenn es das Pferd kann, dann zeige ich dem Reiter, wie er es reiten kann. Andersrum geht es nicht.

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Ein weiterer Vorteil, ist es, dass ich gesundheitliche Probleme, unpassendes Zubehör, kleinere Probleme, die zu größeren werden könnten, schneller erkennen und eingreifen kann, wenn ich das Pferd selbst putze, reite und im Umgang erlebe. Da reicht es einfach nicht, auf der Bande zu sitzen und von weitem zu schauen. Das ganze Drumrum gehört einfach dazu. So können viele Probleme schon im Keim erstickt werden, bevor sie überhaupt zu einem Problem werden.

Euch fällt vielleicht auf, dass ich bei allen meinen Berittpferden von „Meinen“ Pferden rede. Und genauso sehe ich das auch. Die gehören alle nicht mir, aber zu mir. Und so werden sie auch behandelt. Wie meine eigenen. Sie gehören ja schließlich zur Familie.

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5 Gedanken zu “Wofür braucht man eigentlich Bereiter- Teil 2

  1. teamkaupp schreibt:

    Danke 😉 ja so ist es und wenn du im Urlaub bist, kannst du dich drauf verlassen, dass es ordentlich gemacht ist. Der Bereiter hat ja auch den Ehrgeiz etwas zu verbessern

  2. NH schreibt:

    Ein weitere Vorteil ist auch, mit dem Beteiter geht man quasi eine Geschäftsbeziehung ein – da gibt es kein Rumgezicke, keine Befindlichkeiten, sondern man kann sich drauf verlassen, dass das Pferd gut geritten wird. Ich habe für meinen immer Reitbeteiligungen – aber egal wie gut sie reiten, sie ersetzen nicht den Betitt

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