Wie erziehst du denn…?

Nachdem wir im Verein wieder Ferienkurse hatten, stand natürlich auch das Thema Theorie und Reitabzeichenprüfungen im Vordergrund.

Schon für die kleinen Motivationsabzeichen der Klasse 10-7 war ein umfangreiches Theorieprogramm notwendig. Vor allem die Bodenarbeit, der Umgang mit dem Pferd und sonstige Grundsätzlichkeiten mussten von den Kindern verinnerlicht werden.  Und so war es für mich an der Zeit nachzudenken, wie ich Sachen, die für mich im täglichen Umgang selbstverständlich sind erklären kann und so nachvollziehbar machen kann, dass es die Prüflinge auch nachher dem Prüfer erklären können.

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Grundsätzlich ist es natürlich ein komplett einfacherer Umgang mit dem Partner Pferd, wenn es einige Regeln gibt.  Diese müssen einfach in der Kinderstube gelernt werden, denn “ was Hänschen nicht lernt….“

Und so ist es für mich eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit meinen Pferden, dass ich der Chef bin. Auch wenn ich meine Pferde mag, oder gerade weil ich meine Pferde mag, ist es unerlässlich, dass der Umgang miteinander einfach ist und das funktioniert beim Herdentier Pferd eben nun mal nur mit einem bestimmten Rahmen.

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In dem Moment werden sich die ersten schon wieder fragen: „Schlägt die etwa ihre Pferde?“

Ich frage mich immer wieder, warum man, wenn man von Erziehung und Konsequenz im Umgang mit dem Pferd redet, immer gleich als Schläger hingestellt wird.  Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Im Gegenteil, mit einer konsequenten Erziehung kann ich genau solche Situationen vermeiden, die sonst im Streit mit dem Pferd enden und für beide Seiten unangenehm und vor allem auch gefährlich werden können.

Auch sämtliche -legitimen – Hilfsmittel werden immer gleich in Frage gestellt.

– Nur, weil ich eine Gerte in der Hand habe, muss ich sie noch lange nicht unfair einsetzen.

-Ja, ich reite fast alle Pferde mit Sporen und möchte dieses Hilfsmittel auch nicht missen, aber auch dass heißt nicht, dass ich ständig unkontrolliert auf das Pferd einsteche.

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-Meine Pferde gehen mit Kinnriemen- gerne auch Sperrriemen genannt- nicht, weil ich ihn so eng wie möglich machen möchte und Spaß daran habe, wenn meine Pferde keine Luft mehr bekommen, sondern weil ich ihn als – korrekt verschnallt- vernünftiges Hilfsmittel ansehe, das meinen Pferden dabei hilft einen Rahmen zu haben, gar nicht erst auf die Idee zu kommen das Maul aufzusperren und womöglich einen Zungenfehler zu riskieren. Ich sehe leider viele Pferde ohne Kinnriemen, die extrem unruhig im Maul sind, viel mit der Zunge spielen und einfach keine Ruhe finden. Bei denen denke ich mir oft: “ Ein richtig verschnallter Riemen könnte euch beiden das Leben leichter machen.
Andererseits kann ein Pferd, welches sich ohne Riemen wohler fühlt auch gerne ohne gehen, das muss man immer individuell auf das jeweilige Pferd und die Situation entscheiden.

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Soweit erstmal meine Stellungnahme zu den Hilfsmitteln, die ich als völlig legitim ansehe und auch selbst benutze solange sie eben zweckgemäß eingesetzt werden.

Grundsätzlich sucht ein Pferd ja beim Menschen auch Sicherheit. Wenn ich mich vor das Pferd stelle und dem Pferd die Wahl lasse, was es tun will, wird es sicherlich irgendwann, irgendwas entscheiden, aber das ist eigentlich nicht der Plan.
Stehe ich aber hin und erkläre dem Pferd wo es lang geht und wie, dann kann das Pferd  mir folgen und mir vertrauen. Das ist das Prinzip des Herdentieres. Einer geht voraus, der andere folgt. Der, der folgt, vertraut dem Führenden. Eine Vertrauensperson kann ich aber nur sein, wenn ich dieses auch ausstrahle. Also muss ich mir in dem, was ich tue sicher sein und das über meine Körpersprache auch rüberbringen.

Das Ganze fängt ja schon in der Grunderziehung an.

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Ich erwarte von meinen Pferden, dass sie beim Putzen und Satteln stillstehen.  Dafür binde ich die Pferde gerne an beiden Seiten an. Das heißt nicht, dass ich sie fesseln und knebeln will, sondern das gibt einfach einen ruhigen Rahmen und das Pferd steht in der Regel still. So kann ich das Pferd richten und wir haben nicht schon die Hektik, bevor es überhaupt mal ans Reiten geht. Die Pferde kennen das so und akzeptieren das.  Sie selbst genießen ja auch die Ruhe, die in dem Putzvorgang liegt und sind dementsprechend gelassen.
Genauso kann ich meine Pferde, die das Stillstehen gelernt haben und als normal empfinden an jedem anderen Platz einseitig oder auch mal gar nicht anbinden und sie  bleiben trotzdem stehen, weil sie es eben so kennen.

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Auch das Satteln an sich geht in Ruhe vonstatten, das Pferd ist immer noch angebunden, obwohl meine Pferde auch frei in der Stallgasse stehen könnten. Trotzdem gibt es hier immer wieder Ablenkungen, wie zum Beispiel Menschen, die vorbei gehen, Futter, das vorbeigetragen wird, Katzen, die zwischen den Beinen sind usw.  Das verführt dann doch immer wieder zum weglaufen und ich müsste reglementieren und das kann ich mir ersparen.

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Beim Trensen erwarte ich, dass meine Pferde immer noch stillstehen, und mich nicht beim Schließen der Riemen anrempeln oder über den Haufen rennen. Für die meisten von euch wird auch das selbstverständlich sein, geht aber eben nur, wenn es normal ist. Ich habe das mit den Berittpferden auch schon anders erlebt, und daher ist klar: Ein unerzogenes Pferd ist ein wahnsinniger körperlicher und nervlicher Aufwand, das kann man vielleicht ertragen, wenn man nur ein Pferd am Tag versorgt, da übersieht man das gerne mal, wenn man aber mehrere Pferde am Tag zu versorgen hat, dann merkt man erst mal wie das an den Kräften zehrt.

Die nächste Situation ist dann das Aufsteigen. Ich muss alleine, ohne, dass jemand meinen wilden Tiger bändigt immer und überall aufsteigen können, im Notfall auch vom Boden aus, wenn es mal nicht anders geht. Dafür muss das Pferd gelernt haben beim Aufsteigen hinzustehen.  Es kommt ja doch im Gelände mal vor, dass man mal absteigen und das Pferd irgendwo vorbeiführen muss oder man ist alleine auf dem Turnier oder sonstiges, wo einfach kein Helferlein verfügbar ist.

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Hat ein Pferd das alles in seiner Kinderstube, sprich beim Anreiten gelernt, ist der Umgang um einiges einfacher. Hat es das Pferd nicht gelernt, sollte man sich sputen um das verpasste nachzuholen.

Das ganze Thema Erziehung zieht sich durch das Reiter und Pferdeleben weiter. Ich kann zum Beispiel in einem gewissen Rahmen alle meine Pferde selbst und alleine verladen. In einem gewissen Rahmen heißt, meine Pferde folgen mir in den Hänger, weil sie mir vertrauen und wissen, dass der Hänger in Ordnung ist.  Den Rahmen sprengen kann ich aber mit verschiedenen Dingen. Ich bräuchte beispielsweise nicht versuchen Calle alleine zu verladen, wenn Ginny wiehernd im Stall steht. Da bin ich machtlos. Das weiß ich aber vorher schon und bringe mich gar nicht erst in die Situation, sondern hole mir gleich einen Helfer, der Calle von hinten klarmachen kann, wohin sein Weg geht. Alleine könnte ich das nicht schaffen.  Das heißt, bei dem ganzen Erziehungthema darf man eben auch den Charakter des Pferdes nicht ausser Acht lassen. Was bei einem easy funktoniert, klappt beim anderen vielleicht gar nicht. Es ist ja nicht jedes Pferde gleich und so passe ich mein Handeln auch den Gegebenheiten an, da ich zwar ordentlich erzogene Pferde, aber eben keine Maschinen habe.

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Auch beim Reiten, beim Schmied, beim Tierarzt ist es eine Erleichterung, wenn das Pferd das Grundprinzip verstanden hat und so der Umgang mit dem Partner leichter wird.  In diesem Sinne: Auch, wenn es oft verwechselt wird. Erziehung hat nichts mit grob sein zu tun, im Gegenteil, durch eine gute Grunderziehung kann man viele unschöne und gefährliche Situationen vermeiden und sich um dem Pferd das Leben erleichtern.