Ginny Gibson- ein Jahr #backtobusiness

Heute war unsere Ginny wieder seit einem Jahr zuhause. Wie die meisten ja wissen hatte sie aufgrund meines Unfalls und ihres sehr schlechten gesundheitlichen Zustands eine Auszeit auf der Koppel.

Ihre Vorgeschichte habe ich ja schon in einigen Blogs zusammengefasst, warum es ihr schlecht ging, könnt ihr hier lesen.

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Ein gutes halbes Jahr stand Ginny auf der Erholungskoppel. Einfach mal abschalten, Nichtstun, kein Zusatzfutter, keine Medikamente, keine ständigen Klinikbesuche, kein Auf und Ab mehr, keine gesundheitlichen Ausfälle, keine Kommentare von außen…..

Die Tierärzte wussten nicht mehr weiter, ebenso mehrere Osteophaten, Sattler, der Hufschmied und alle, die ich in dieser Zeit genervt und um Rat gefragt habe, weil ich irgendwie nicht aufgeben konnte. Ich weiß bis heute nicht, warum ich an diesem einem Pferd so hänge, warum ich nicht, und das wäre wirtschaftlich eigentlich längst fällig gewesen, einen Schlussstrich gezogen  habe, warum ich einfach nicht aufgegeben habe.

So viele haben mir in dieser Zeit geraten aufzugeben. Aber was wäre dann gekommen? Für Ginny? Für mich und Nina? Für mein Gewissen?

Nein, solange noch irgendwo ein kleines Fünkchen Hoffnung bestand wollte ich nicht aufgeben. Die letzte Therapie, die wir versucht hatten, war die Magengeschwüre zu behandeln, die sicherlich nicht die Ursache unserer Probleme waren, aber wahrscheinlich durch die dauernde Gabe von Medikamenten  und dauernden Stress durch die Krankheit entstanden waren.  Erst schien es, als würde diese Therapie gut anschlagen, das waren aber wieder unsere obligatorischen vier Wochen, dann war wieder alles beim alten.  Als ich dachte, das hätte auch nichts genützt, habe ich mir und Ginny eben die Auszeit auf der Koppel gegönnt.

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Back to Basic einfach und ihr einfach Zeit lassen.

Wir haben Ginny regelmäßig auf der Koppel besucht und  es schien ihr da gut zu gehen. Sie hatte sich inzwischen mit den anderen Stuten angefreundet und schien recht zufrieden zu sein. Aber trotzdem sah sie nie so richtig gut aus. Das Fell war stumpf, das Winterfell wollte nicht so recht ausfallen, ja, eigentlich sah sie aus wie ein gerupftes Huhn. Ein richtiges Koppelpferd eben.

Bei unserem letzten Besuch auf der Koppel stand sie als wir gegangen sind am Zaun und hat dem Auto nachgewiehert. Eigentlich kenne ich das so, dass die Pferde sich, sobald sie unter Artgenossen auf der Koppel stehen, sich nicht mehr wirklich für „ihre“ Menschen interessieren. Aber eben nicht Ginny. Ginny ist anders. Menschenbezogen. Liebenswert. Anhänglich. Einfach Ginny. Das war der Punkt, an dem wie beschlossen haben, sie wieder nach Hause zu holen, obwohl die Auszeit eigentlich länger geplant war. Aber irgendwie schien es Zeit zu sein. 13482898_1244184115605520_1796217485127562714_o

Und so holten wir sie Ende Juli wieder nach Hause und hatten tatsächlich keine Ahnung was uns erwarten würde.  Es war schon spannend. Wie würde sie laufen? We geht es ihr? Wird man sie wieder reiten können? Was, wenn nicht?  Nach dieser Auszeit hatte ich dann wirklich keine Idee mehr, was man noch machen könnte. Wenn es jetzt nicht klappen sollte – und dabei ging es gar nicht nur ums Reiten, sondern um den allgemeinen Gesundheitszustand- dann hätte ich wirklich keine neue Idee mehr gehabt.

AUSTHERAPIERT – das war das böse Wort, was über uns schwebte.  Und das mit 7.

Und dann war sie also wieder zuhause.
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Zuerst haben wir mal die Frisur in Ordnung gebracht, und dann begonnen mit ihr wieder spazieren zu gehen. Aber wir waren natürlich auf neugierig. Wie würde sie laufen? War sie immer noch steif? Unerklärlich lahm? Will sie laufen oder stellt sie sich wieder in die Ecke? Und so zog es uns dann doch auf den Platz um mal zu schauen.

Knapp zwei Wochen habe ich sie mal laufenlassen und longiert. Ich muss zugeben, ich war nicht begeistert. Sie lief zwar einigermaßen und blockierte nicht ganz, aber schön war das noch nicht. Der Bewegungsablauf war immer noch steif, unrund und das ganze Pferd deutlich bergab mit verdrehtem

Aber sie hat ja auch nicht völlig blockiert, war so im Umgang eigentlich gut drauf und machte nicht den Eindruck, als ob es ihr schlecht ginge. Nur steif halt. Und das wurde durch das longieren auch nicht besser. So setzte ich dann einfach mal Nina drauf. Erstmal ohne Sattel, weil sie da ja schon immer besser lief. Wir wollten es langsam angehen.

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Also haben wir sie einfach mal geritten. Anfangs immer alleine. Wir wussten schon, dass die Blockaden jederzeit wieder kommen können und wollten niemand anderen gefährden. Aber es war gar nicht so schlimm. Eigentlich ließ sie sich ganz gut reiten. Man durfte eben ihre speziellen Eigenschaften nicht vergessen. Abtraben immer am hingegebenen Zügel, egal wie das aussieht, dann abgaloppieren auf jeder Hand auch ohne Zügel. Nur stillsitzen und gar nichts machen.  So ging es .  Dann durfte man auch vorsichtig die Zügel aufnehmen.

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Und so haben wir sie geritten. Wir einen vierjährigen. Und eigentlich immer so, wie sie es selbst anbot. Keinen Druck gemacht, und immer nur angenommen, was sie selbst angeboten hat. Wir hatten ja keine Ziele, wir wollten nur, dass sie überhaupt lief, egal wie.  Auch an kleinen Sprüngen hatte sie wieder Spaß. Aber es war trotzdem enttäuschend. Man brauchte immer rund 20min. sie so weit zu bekommen, dass sie locker durch den Körper laufen konnte, im Rahmen ihrer Möglichkeiten eben. So die richtige Begeisterung kam nicht auf. Sie lief zwar und blockierte nur noch selten, aber so richtig vorwärts ging es auch nicht. Aber eben auch nicht mehr rückwärts. Bisher hatte sie ja immer relativ regelmäßig Hochphasen und dann wieder der Totalausfall. Das war jetzt nicht mehr. Sie hatte keine Hochphasen mehr aber es ging ihr im Großen und Ganzen gut und sie wurde auch nicht schlechter.

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Und so arbeiteten wir kontinuierlich aber langsam weiter. Immer noch im Vorsichtsmodus. Irgendwie haben wir immer noch auf den Rückfall gewartet. Es ging zwar nur sehr, sehr langsam vorwärts, oft hatte man das Gefühl man tritt auf der Stelle, aber immerhin wurde es auch nicht wieder schlechter. Damit waren wir ja auch schon glücklich.  So war Ginny eben unser Spiel,-und Spaßpferd und tatsächlich fühlte sie sich in ihre Rolle echt wohl. Im Umgang war sie ein echter Schatz und auch das Fell, die Hufe, die angelaufenen Beine, alles wurde langsam aber sicher besser. Immer wieder entdeckte man neue Sachen, die besser wurden wie z.B. dass sie keine Strahlfäule mehr hatte, dass das Fell glänzender wurde, dass sie insgesamt wacher wurde und zunehmend immer mehr freiwillig laufen und arbeiten wollte.

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Diese Bilder hier sind im Oktober entstanden, hier war Ginny also rund 3 Monate wieder zuhause. Und hier kam der erste Umbruch. Irgendwie war sie angekommen. Sie bekam langsam Kraft, Kondition und Spaß am arbeiten und wir konnten das Training langsam steigern, weil sie es zu brauchen schien. Sie war total lustig. Wenn man sie nach einer guten Trainingseinheit in den Stall stellte, kam sofort der Kopf wieder zur Boxentür raus, sie war total aufgeregt und hibbelig. Fast als wenn sie nach Anerkennung suchen würde. Das kannten wir gar nicht mehr. Normalerweise drehte sie sich in der Box immer zur Wand, als wenn sie uns deutlich machen wollte, dass sie ihre Ruhe haben will. Mit der Ruhe war es jetzt vorbei. Ginny war mit ihren gespitzten Ohren und ihren wachen Augen überall. Sie forderte Aufmerksamkeit und entwickelte sich zum richtigen Spaßvogel über den man jeden Tag aufs neue lachen muss. Das war ein Wahnsinnsgefühl für mich, sie so lebendig zu erleben. Es ging ihr einfach gut.

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Das es ihr gut ging, hieß aber nicht, dass es einfach war mit ihr. So schnuckelig sie im Stall ist, so zickig kann sie immer noch beim reiten sein. Jetzt aber definitiv nicht mehr, weil es ihr schlecht geht und sie nicht kann, sondern im Gegenteil. Sie bekommt jetzt richtig Kraft, Selbstbewusstsein und ist sich manchmal  noch ziemlich sicher, dass sie kein Reitpferd sein will. Egal ob Dressur, Springen oder einfach nur spazieren reiten. Wenn sie nicht will, dann will sie nicht. Und das versucht sie durchzusetzen. Mit allen Mitteln. Bocken, Steigen oder auch gern mal beides gleichzeitig ist in ihren Reportaire enthalten. Und das testet sie immer noch regelmäßig.

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Und hier muss man doch immer unterscheiden. KANN sie nicht, oder WILL sie nicht, aber da sie schon Sekunden später wieder völlig normal und zufrieden ihre Runden dreht ist die Frage relativ leicht beantwortet. Nichtsdestotrotz kann man es ihr nicht durchgehen lassen. Da muss man schon mal drüberreiten und das ist auch in der Regel kein Problem. Mit Konsequenz, die aber nicht in Druck umschlagen darf, kann man sie eigentlich immer wieder zum mitarbeiten überreden. Man muss halt nur cool bleiben. Wird man nervös, hat man keine Zeit ihre Hüpfattacken abzuwarten und wird ungeduldig oder grob, dann hat man verloren, dann geht nichts mehr.

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Da sie im November und Dezember ganz gute Fortschritte im Springen machte, waren wir mutig und  meldeten sie für das Winterturnier in Kreuth. Wir waren guter Dinge, dass sie dort über ein A-Springen laufen würde, da wir ja zuhause deutlich mehr trainiert haben und außer ein paar kleineren Diskussionen keine Probleme hatten. Im Springen war sie hochmotiviert. Das Springen und der große Springplatz waren ihr Ding. Da kam sie immer in Gang und hatte Spaß am Laufen. Mussten wir in die Halle ausweichen  oder ritten Dressur, war sie immer noch recht klemmig, machte immer wieder Taktfehler, die daraus resultierten, dass sie den Rücken noch nicht öffnete und nicht vorwärts wollte. Deshalb haben wir sie in der Zeit recht viel gesprungen, das es das war, womit man sie motivieren konnte.

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Aber in Kreuth mussten wir schnell einsehen, dass sie das nervlich noch nicht gepackt hat. Wir waren in der Boxenwahl etwas ungeschickt, weil sich die Pferde nicht sehen konnten und so hatten wir, bis wir dann vernünftig sortiert und umgestellt haben, schon sehr viel Unruhe im Stall. Ginny und Calle machten sich gegenseitig verrückt, klebten aneinander und wo Calle sich dann doch konzentrieren kann, wenn er unter dem Sattel ist, so kam Ginny mit den Umständen noch gar nicht klar und blockierte wieder völlig. Diesmal war das Problem aber ganz klar nervlicher Natur und so haben wir sie nach dem ersten mißlungenen Prüfungsversuch gleich aus dem Turniergeschehen genommen und sind nur noch mit ihr spazieren gegangen. Selbst das fand sie schon aufregend genug, aber von Tag zu Tag kam sie mehr an und die Nerven beruhigten sich.
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Natürlich wissen wir, dass Stress für Magengeschwürpferde eine Katastrophe ist und so bekam Ginny nach dem Turnier in Kreuth erstmal eine kleine Auszeit. Wieder herunterkommen, alles verarbeiten, Ruhe haben und hoffen, dass der empfindliche Magen nicht wieder reagiert.

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Aber die Sorge war unbegründet.  Sie hat unseren Ausflug unbeschadet überstanden. Schon nach wenigen Tagen Auszeit zeigte sie uns deutlich, dass sie nicht abgestellt werden möchte, dass Koppel zwar nett ist, aber sie eigentlich lieber arbeiten wollte und so war sie schnell wieder unter dem Sattel unterwegs.

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Und dann sorgte der ekelhafte Winter dafür, dass wir in der Halle reiten mussten. Das heißt bei uns auf der stark frequentierten Anlage Dressur. Ob das mal gut geht? Nur Dressur, hallenbedingt wenig Möglichkeiten zum freilaufen und nur ein bisschen Paddock? Aber das GinGin überraschte uns wieder. Sie lief und lief und lief. Und zwar Dressur. Mit jedem Dressurreiten, das wir ja bisher wenig ernsthaft betrieben hatten, wurde sie nochmal besser und wuchs tagtäglich über sich hinaus. Es begann Spaß zu machen. Es war nicht mehr das reine Bewegen des Pferdes, sondern es ging in die Richtung Arbeit, auch mal mit Aussitzen, mal mit dem ersten Außengalopp oder den ersten Trabverstärkungen. Und sie machte mit und hatte Spaß. Ein ganz neues Gefühl. aber tatsächlich ein gutes.

 

 

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Und so ging das Frühjahr ins Land. Nina und Ginny leisten eine tolle Arbeit, die ich nur mit dem Foto verfolgen durfte, weil ich ja nochmal eine Zwangspause hatte. Aber so konnte ich es tatsächlich genießen zuzuschauen, wie die beiden immer besser wurden. Nicht, dass Ginny nicht immer mal wieder dagegen sein muss, nur um kurze Zeit später wieder dafür zu sein, aber da haben wir uns inzwischen dran gewöhnt, das gehört schon fast dazu und ist zuhause zwar nervig, weil völlig unnötig, aber es ist eben so.  Ich habe euch die Frühjahrsbilder mal einfach durchlaufen lassen. Ich finde, man sieht deutlich, wie Ginnys Gesichtsausdruck wacher wird, als noch auf den ersten Bildern, wie sie muskulöser und kraftvoller wird wie sie Spaß am Leben und an der Arbeit hat.  Ich für mich, liebe es die neuen Bilder von Ginny anzuschauen und zu sehen, wie unser einstiges „hässliches Entlein“ sich immer mehr zu unserem Fotomodell entwickelt, weil sie inzwischen Dank ihrer positiven Ausstrahlung einfach schön wird.

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Für alle anderen Pferde hatte inzwischen die Turniersaison begonnen, für Ginny war das nicht geplant. Aber irgendwie hatten wir dann doch im April die Idee sie einfach mal mitzunehmen. Die beiden Jungs hatten Geländetraining in Kirchberg und Ginny sollte einfach mal mitfahren. Ohne Training, das würde nur die Gruppe aufhalten, sondern einfach so.  Wir durften sie alleine auf der Strecke reiten. Ob das wohl gut geht? Die beiden Jungs im Hänger und Ginny ganz alleine auf der Strecke? Egal, wir haben es versucht. Wenn gar nichts gegangen wäre, hätte ich sie dort auch einfach nur grasen lassen, Hauptsache, sie ist mal wieder mit, Hänger gefahren usw. Unsere Ansprüche an Ginny sind praktisch gleich null. Es kann alles, aber es muss nichts. Und wie es meistens so ist, wenn man keine Erwartungen hat, war Ginny mal wieder ein Überraschungspaket. Sie hatte Spaß. Eigentlich war es ja so gar nicht mehr ihr Ding auf Gras zu laufen. Das hat ihr bisher immer Angst gemacht und zu sofortiger Arbeitsverweigerung geführt. Sie ist ja bisher auch nur vorne beschlagen, ohne Stollenlöcher, das machte es nicht einfacher. Wenn sie auf Gras bremst und die unbeschlagenen Hinterhufe in den Boden rammt, dann wird das eine schöne Rutschpartie. Dementsprechend vorsichtig war Nina. Aber Ginny wollte. Klar, ganz ohne ein paar kleine Aussetzer geht es mal wieder nicht, aber die werden immer harmloser und sind immer leichter zu überreiten. Im Endeffekt hat sie viel mehr gemacht, als wir erwartet hatten und wir waren froh, uns dazu entschlossen zu haben, sie mitzunehmen.
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Und damit hatten wir etwas angestellt.  War es Ginny bisher völlig egal wenn Calle wegfuhr, so stand sie jetzt aufgeregt in der Box sobald wir Calles Transportgamaschen aus dem Schrank holten. Verrücktes Huhn. Sie wollte ab sofort mit. Hat im Stall randaliert, wenn wir sie zuhause gelassen haben. Das war neu. Das kannten wir nicht. Ginny wird wild. Ok,ok alles gut du verrücktes Huhn, ich lasse mir was für dich einfallen. Und so habe ich sie Turnier gemeldet. Dressur. Mal sehn, vielleicht geht es ja. Vielleicht auch nicht, dann ist es auch nicht schlimm.

Aber es ging. Schon auf dem Abreiteplatz und obwohl Calle wiehernd im Hänger stand überraschte sie uns. Sie lief einfach. Ohne blockieren, ohne Theater. Was war denn hier los? Dann ging es in die Prüfung. Ich war nervös. Wusste ich doch, dass wir in der Vergangenheit zwar bis zum ersten Halten auf der Mittellinie kamen, aber dann schon das erste Mal senkrecht standen und sie einfach nicht los lief. Ist ja nicht so, dass wir Dressur nicht schon probiert hätten. Und dann ging es los. Gut, dass ich den Foto und die Videokamera in der Hand hatte, sonst hätte ich wohl danach keine Fingernägel mehr gehabt. Ich hatte mehr Herzklopfen, als wenn Nina irgendwo auf der Geländestrecke gewesen wäre. Ich wartete. Einreiten, halten. Gut. Antraben? Nix passiert. Trabtour, alles gut. Ginny läuft. Aber gleich kommt Galopp. Angaloppieren am Punkt ohne bocken. Langsam fiel die Spannung von mir ab. Ginny lief und lief und lief. Ohne mit dem Ohr zu zucken. Nina fing an zu grinsen. Ich hörte auf zu zittern. Zulegen. Geschafft. Letzte Mittellinie. Halten Grüßen.   Verrückt. Sie hat es einfach gemacht. Ich war platt. Nina glaub auch. Damit hatten wir nicht gerechnet. Ginny schaute uns an, als ob sie fragen wollte, “ Was habt ihr denn?“ Und marschierte völlig selbstverständlich in die Siegerehrung, als ob es für sie nie in Frage gestanden wäre, dass sie sich hier mit 7,4 den zweiten Platz holen würde.

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Ok, also gibt es eine Planänderung. Ginny will wieder mit, also darf Ginny wieder mit. Hat sie mal wieder ihren Dickkopf durchgesetzt. Und so warteten wir ab, wie sie das Hängerfahren und das Turnier im Nachgang überstehen würde. Blieb sie fit? Oder war es doch zuviel Stress? Wir machen ihr ja keinen Stress, den macht sie sich selbst. Aber wir haben eben die Angst, dass sie wieder in sich zusammenfällt. Aber nichts dergleichen passierte. Ginny ist wach wie noch nie. Sie ist die erste, die brummelnd zum Boxenfenster rausschaut, wenn Calle noch gar nicht gemerkt hat, dass wir kommen. Sie ist frech. Im Stall, beim Führen, auf der Koppel . Und sie darf frech sein, ich bin so froh, dass sie so lebendig ist und dabei gleichzeitig so selbstbewusst und kraftstrotzend, ich glaube, sie dürfte fast alles, Hauptsache sie ist fit.  Aber sie macht ja auch nichts Böses, das würde ich dann schon eindämmen, nein, sie ist einfach nur putzig, in allem was sie tut.

Aber es gibt ja nicht nur die Turniere, das  macht zwar Spaß, wenn es funktioniert, aber es gibt ja auch noch den Alltag. Auch der macht mit Ginny Spaß. Da sie ja eigentlich alles kann- wenn sie denn will- ist es nicht so schwer mit ihr abwechslungsreich zu arbeiten. Jeden Tag Dressur würde sie auch nicht mitmachen.

Also gingen wir das nächste Projekt an. Das Ausreiten. Ginny ging ja auch nicht mehr ins Gelände. Unebenen Boden fand sie ganz gruselig. Galopp auf Gras? Nicht daran zu denken. Alleine weg vom Stall- ohne Ginny, alternativ ohne Reiter. Und so haben wir langsam angefangen innerhalb der Anlage bergauf und bergab zu reiten. Wege, die sie gruselig findet und irgendwie geht auch das jetzt. Also war es Zeit mal richtig auszureiten. Und, wie es eben gerade so ist, Ginny hatte mal wieder Spaß. Das ist es, was die Entwicklung so unglaublich macht. Es geht ihr wieder gut, und sie hat wieder Spaß an Dingen, die eben nicht mehr gingen.

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Dressurmäßig hat uns das Turnier ein ganzes Stück weitergebracht. Es ist einfach anders, wenn man ein paarmal hintereinander ins Viereck kann. Man kann immer schauen, ob man noch was verbessern kann, weil die Bedingungen einfach gleich bleiben. Auch für Ginny war das top. War sie am ersten Tag in der L noch ziemlich nervig, so wurde sie von Prüfung zu Prüfung besser und konnte sich in allen A-Dressuren platzieren.

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Das springen ging allerdings noch nicht. In Kreuth darf Nina außer Konkurrenz im A-Springen reiten und das wollten wir versuchen. Auf dem Abreiteplatz war sie noch super drauf, aber leider konnte sie es nicht mit in die Prüfung nehmen. Nach zwei Versuchen cancelten wir das Ganze. Jetzt wissen wir wenigstens wo wir stehen. Springen geht zuhause aber noch nicht auf dem Turnier.  Das ist nicht weiter schlimm, man muss es halt nur mal probiert haben. Versteht mich nicht falsch. Wenn Ginny nicht springen wöllte, müsste sie es auch  nicht. Sie will es aber und sie kann es auch, sie kann nur ihre Nerven in der Turnieratmosphäre noch nicht sortieren, das ist das einzige Problem. Deshalb wird sie weiterhin zu Hause gesprungen und vielleicht geht es irgendwann wieder auf dem Turnier. Vielleicht auch nicht.

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Ganz witzig fand ich , dass nach dem Turnier die häufigste Frage war, ob wir Ginny jetzt verkaufen. Aber warum denn? Nur, weil irgendwas nicht funktioniert verkaufe ich sie doch nicht. Im Gegenteil, es stachelt meinen Ehrgeiz an, dass es irgendwann funktionieren kann. Schließlich habe ich meinen Beruf nicht gelernt, um die einfachen Pferde zu reiten, sondern eben auch um mal die hinzubekommen, die nicht laufen. Das scheint mit Ginny meine und Ninas Aufgabe zu sein. Und die machen wir gerne für unser Mädchen. Ich kann mich so über die Erfolge von ihr noch viel mehr freuen, wenn ich weiß, aus welchen Umständen sie entstanden sind. Klar hätte ich nichts dagegen, wenn es einfacher wäre, aber es ist jetzt halt so und damit muss man umgehen.

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Seit dem Turnier in Kreuth ist auch mein eigener Ehrgeiz wieder erwacht. Mit Ginny macht das Dressurreiten einfach Spaß. Sie steigert sich von Woche zu Woche im Viereck. Inzwischen sind wir auf die L-Dressuren umgestiegen und Ginny hat, wie auch immer sie das gemacht hat in jeder L-Dressur ein Schleifchen mit nach Hause gebracht. Und das, obwohl wir in unseren Aufgaben noch deutlich Luft nach oben haben. Wir haben noch einige kleine Fehler drin, die im Moment noch nicht behebbar sind, weil ich sie noch nicht richtig reiten darf. Im Viereck bin ich noch Beifahrer. Aber durch die Routine wird das bestimmt auch bald besser werden. Bis zum Ende der Saison haben wir ja noch ein paar Turniere und ich bin gespannt, wohin der Weg noch führt.

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Ihr könnt also gespannt sein, wie Ginnys Weg bei uns weitergeht. Auf jeden Fall wird er weitergehen. Ginny ist und bleibt mein Herzenspferd und jetzt haben wir so viel miteinander erlebt, es wäre völlig gaga sich jetzt von ihr zu trennen.  ich freue mich auch den weiteren Weg mit Ginny, die ja erst 8 Jahre alt ist und noch alles vor sich hat.

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6 Gedanken zu “Ginny Gibson- ein Jahr #backtobusiness

  1. Anna schreibt:

    Deine Berichte über Ginny lese ich immer wieder gerne, da ich auch sehr oft da mein Pferd drin wieder erkenne. Also nehme ich mir immer wieder Anregungen daraus mit für mein Training. Danke 🙂
    Aber abgesehen davon finde ich es bewundernswert, wie ihr mit euren Pferden trainiert und Spaß habt 🙂

  2. Tamara schreibt:

    „Schließlich habe ich meinen Beruf nicht gelernt, um die einfachen Pferde zu reiten, sondern eben auch um mal die hinzubekommen, die nicht laufen. Das scheint mit Ginny meine und Ninas Aufgabe zu sein. Und die machen wir gerne für unser Mädchen.“ — oh da hatte ich jetzt beinahe Tränchen in den Augen! Wie schöön!!! Es ist so schön, wie sich Ginnys Gesichtsausdruck verändert hat. Und auch die Fotos mit Nina, wie sie immer strahlt – da geht einem einfach das Herz auf! Alles Gute für den weiteren Weg!

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