Team Kaupp on Tour: Möglingen

An diesem Wochenende waren alle Team Kaupp Reiter auf demselben Turnier unterwegs.  Der Weg führte uns ins benachbarte Möglingen.

Das Reitturnier in Möglingen gehört zu einen meiner ersten Turniere, die ich selbst vor über 25 Jahren geritten bin. Ich versuche zurückzudenken und glaube aber, dass ich dort sogar noch mit dem Reiterwettbewerb angefangen habe, der damals noch auf dem Springplatz stattfand. Das war immer eine ganz schön spannende Sache, da der Springplatz für so kleine Reiterwettbewerbreiter schon sehr groß ist, und das Viereck nur mit Stangen auf dem Boden abgegrenzt war. Mein Schabbi damals hielt zwar nicht viel davon einen Parcours zu springen, aber so ein bisschen wild auf dem Springplatz rumgaloppieren, das konnte man schon mal machen.

Viele Erlebnisse verbinden sich für mich über die vielen Jahre mit dem Möglinger Turnier. Einmal haben wir Schabbi zwischen den Prüfungen auf der Obstbaumwiese grasen lassen. Das war ihm zu langweilig und er hat einfach beschlossen jetzt nach Hause zu laufen. Und weg war er. Im Galopp in Richtung Schwieberdingen. Das war eine Aufregung. Alle hinterher und versuchen das Pferd zu fangen.

Zum Glück wurde er noch vor der großen Hauptstrasse von einem Pferdehalter, der dort seine Koppel hat eingefangen und einfach zu den Isländern auf die Koppel gepackt. Glück gehabt, nichts passiert.

Oder als das Springen länger dauerte und mein Schwager der Fahrer war. Es ging immer mehr Richtung 18 Uhr, das war Sportschauzeit. Ich glaube, es war damals Aviano, der sich beim Verladen vor den Hänger stellte und sich weigerte einzusteigen. Wir waren machtlos, er wollte einfach nicht. Longe, Futter, Besen, gut oder schlecht zureden, nichts half. Bis mein Schwager dann auf die Uhr schaute, seine Sportschau schwinden sah und ihn einfach -schwuppdiwupp- in den Hänger schob. Ein Griff mit ein bisschen Schwung an der richtigen Stelle, und Aviano war so verdutzt, dass er schneller im Hänger war als er schauen konnte.

Oder Rocky, ein Berittpferd, der mit Trense verladen wurde, weil wir schon wussten, dass es schwierig werden könnte. Die hat er kurzerhand beim Verladen zerrissen. Ich musste aber damals selbst weiter, hatte mit anderen Pferden noch ein anderes Turnier gemeldet und war im Zeitdruck. Ich hatte weder Zeit noch Nerv mich mit ihm rumzuärgern. Also reparierten wir die Trense provisorisch und der Besitzer trat reitenderweise den  Heimweg an. Der Hänger fuhr leer nach Hause.  Tja, Rocky, wer nicht einsteigt, muss halt laufen…..

Viele Erinnerungen verbinden sich auch mit dem Viereck in Möglingen. Um das Viereck sind Hecken gepflanzt, aber nicht durchgehend, sondern mit Lücken. Und diese Lücken hatten und haben es in sich. Früher gab es in diesen Hecken noch die Lautsprecher, als Wetterschutz verpackt in blauen Müllbeuteln. Manchmal, wenn man gerade vorbeiritt, fingen diese gefährlichen Dinger im Gebüsch an zu sprechen. Ui, das war gruselig, da fand man sich oft mal auf der anderen Seite des Vierecks wieder.  Aber da mussten sie durch, die Pferde und Reiter, die dort gestartet sind, das wusste man vorher.

Ich weiss gar nicht, wie viele verschiedene Pferde ich schon im Möglinger Viereck geritten habe, aber es waren einige. Unter anderem Resi`s Red Hot Chilli Pepper, den ich vertretungsweise in der Mannschafts-A-Dressur geritten habe, weil Resi sich den Fuß gebrochen hatte. Als Abteilungsaufgabe wurde diese gelesen, das übernahm Resi. Das war kein so guter Plan. Das Peppi seinem Namen alle Ehre machen konnte wusste ich ja, aber dass er jedesmal losbockt, wenn er seine Resi sprechen hört, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber es war trotzdem witzig und so hatten wir auch in dieser Prüfung echt viel Spaß.

Auch dieses Wochenende waren wir wieder auf allen Plätzen unterwegs.

Den Beginn machte Celine mit Vincens GG in einem E-Springen am Samstag morgen.

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Celine, die schon verschiedene Team Kaupp Pferde geritten hat, hat nun ihre Traumreitbeteiligung auf Vincens gefunden. Vinnie gehört zu den Pferden, die schon seit vielen Jahren zu „meinen“ Vierbeinern gehören, den ich aber seit meinem Unfall nicht mehr selbst reiten kann. Manche Bewegungsabläufe kann ich einfach nicht mehr abfangen, und Vinnie mit seinen langen Beinen, mit denen er die tollsten Verrenkungen machen kann, gehört da leider dazu. Und so musste eine Lösung her. Die war Celine.

Celine hat das große Glück, das schon viele Reiter mit der Besitzerfamilie Binder hatten, dass sie zum Dank für ihre zuverlässige Betreuung von Vincens, wenn die beiden beruflich wenig Zeit haben, in allen Bereichen unterstützt wird. Obwohl Yvonne und Katja ihn selbst auch auf dem Turnier reiten, darf sie mit Vinnie Turnierluft schnuppern, wird aufs Turnier gefahren, dort betreut, zum Springtraining gefahren, sie durfte Vinnie im Reitabzeichen reiten und hat praktisch ein Pferd inkl. Service zur Verfügung.

Vielen Dank an dieser Stelle an Yvi und Katja für euren Einsatz, Danke an Celine, die sich toll um Vinnie kümmert, und man sieht wieder mal, wie in einem guten Team alle Rädchen ineinander greifen können, wenn man das möchte.

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Die Ergebnisse von Celine können sich inzwischen auch sehen lassen. Noch vor ein paar Monaten war gehörte Springen nicht in ihr reiterliches Konzept. Inzwischen hat sie aber auch den Spaß daran entdeckt und so war sie diese Woche nur auf dem Springplatz zu finden.

Mit einem 10.Platz im E-Springen und einem 2.Platz im Springreiterwettbewerb konnte sie sehr zufrieden sein.

Vinnie ging dann noch mit Katja den Geländereiterwettbewerb und mit Yvonne die die L-Dressur. Ein echter Allrounder also.

Von unseren Minis war diesmal nur Mr.Knister dabei.  Pauli nimmt sich ja gerade eine Auszeit, wird aber im Herbst auch wieder mit den Minis am Start sein. Aber er wird gerade abtrainiert und so stand das Möglinger Turnier nicht auf seinem Plan. Der kleine Doubti hat sich einen Husten eingefangen und pausiert deshalb. Und das Team um Jolie sortiert sich gerade mit dem neuen Pony neu und ist im Moment noch mit dem Heimtraining beschäftigt.

Jule hat es sich aber nicht nehmen lassen dabei zu sein und ihren Kumpel Dennis beim Reiterwettbewerb zu coachen. Damit war ich arbeitslos. Es war so schön zu sehen, wie schon die Kleinsten bei uns zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen und mich eigentlich gar nicht gebraucht haben.  Ihr seid einfach toll, meine kleinen Mäuse.

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Jules Coaching hat gut funktioniert und so konnte Dennis seinen Reiterwettbewerb auf dem 3.Platz beenden.

Auch Dennis kleine Schwester Lena war wieder dabei und startete im Führzügelwettbewerb.  Ein toller 2.Platz war ihr Ergebnis.

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Auch Knisti gehört zu dem Pferden, die in Möglingen schon alle Plätze gesehen haben.

Vierjährig ging er dort mit der kleinen Nina seinen ersten Springreiterwettbewerb. Er gewann da schon A-Dressuren mit Nina, und sammelte Springplatzierungen. Auch Merit konnte sich mit ihm schon dort im Springreiterwettbewerb platzieren, damals auch eins ihrer ersten Turniere mit ihm. Und nun glänzt unser kleiner Tausendsassa also mit dem Nachwuchs in den kleinen Prüfungen. Und er macht das toll. Wenn man ihn in der Einzelarbeit sieht, wenn er sein Pokerface aufsetzt, und er genau weiss, dass er jetzt zuhören muss und keinen Fehler machen darf, dann hat man draussen schon Schmetterlinge im Bauch. Er nimmt seinen Job so ernst, das ist zuckersüß. Nicht, dass Knisti nicht auch mal für einen Erschrecker gut wäre, aber das macht er nicht, wenn die Kinder draufsitzen.

Zwischen den Prüfungen auf dem Dressurplatz mit den Kindern mussten wir immer wieder zum Springplatz switchen, da hier Lotte ihre beiden Pferde Quento und Venezia im A-Springen am Start hatte. Mit Quento fiel eine Stange im Parcours, das war zwar der zweitschnellste Vier-Fehler-Ritt, reichte aber nicht zur Platzierung. Venezia sprang wieder eine souveräne Nullrunde und war damit auf dem 5.Platz platziert.

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Und am Sonntag ging es gleich wieder weiter. Zwischen den letzten Abiturvorbereitungen im Auto, wie es die Stallkinder wohl so machen, half mir Nina noch beim Abreiten und Vorbereiten von Ginny in der L-Dressur.  Hier zuhause wollte ich sie nicht in eine A-Dressur reinreiten, wo ich eventuell gegen meine eigenen Schüler reiten muss. Eine L ist ja eigentlich noch zu früh, aber nachdem sie in Kreuth dort ja auch eine ordentliche Runde lief, wollte ich es einfach probieren. Am Freitag beim Training sagte ich noch zu Nina, dass ich es eigentlich noch nicht machen sollten, weil die Gefahr, dass man nicht im Viereck rund kommt, oder Ginny zu macht ja doch noch gegeben ist. Egal, habe ich mit gesagt, ich reite es als Trainingsrunde. Nicht für eine Platzierung, nur zum rundreiten, völlig ohne Ehrgeiz und Stress, einfach nur als Routineprüfung. Dass Ginny die letzten Tage zuhause nicht gut drauf war betätigte mich darin, dass dieses frühe Aufstehen eigentlich sinnlos sein würde.

Und dann wurde es tatsächlich witzig. Beim Abreiten war Ginny sehr gut, aber im Viereck gefiel ihr eine Lücke in der Hecke nicht. Sie war sich ganz sicher, dass sie hier nicht vorbeigehen würde. Und Ginny kann dann schon mal bocken. In bekannter Manier, vorne hoch- hinten hoch-einmal im Kreis drehen- wollte sie mir deutlich machen ,dass wir jetzt besser wieder nach Hause fahren. Zum Glück haben mir die Richter ein bisschen Zeit gelassen, so dass ich mich mit ihr einigen konnte und  die Prüfung tatsächlich beginnen konnte. Ich wusste ja, dass ich in dieser Aufgabe nur einmal an der gefährlichen Stelle vorbeimusste und zwar ganz am Schluss, aber eben im Mittelgalopp. Egal, ausblenden, losreiten, mal sehen wie weit wir kommen.

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Eigentlich war die Prüfung dann gar nicht so schlecht. Klar musste ich da oben ein bisschen die Luft anhalten. Die Explosionsgefahr war noch nicht gebannt. Aber mit einer ruhigen, vorsichtigen Runde überstanden wir sogar mit einer kleinen Schlangenlinie unseren Mittelgalopp und beendeten die Prüfung gemeinsam ohne nennenswerte Ausfälle. Natürlich auch ohne Höhepunkte, dafür war sie zu spannig. Trotzdem war ich sehr froh, dass sie sich trotz Aufregung von mir hat reiten lassen, sich mit anvertraut hat und überall hinging wo sie sollte. Merh will ich doch ncoh gar nicht. Damit bin ich fürs erste total zufrieden, alles weitere kommt mit der Routine.

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Im Protokoll wurde mal wieder unsere Schritttour gelobt, mit dem Satz: „Zweite Schritttour sogar noch besser als sie erste“ und das ist doch ein toller Anfang. Der Schritt ist toll geworden, und schließlich zählt der Schritt irgendwann doppelt, macht also Hoffnung für später.  Auch die stets zufriedene Anlehnung und die Harmonie wurden positiv herausgestellt.  Die Spannung haben die Richter natürlich auch nicht übersehen und bewerteten dementsprechend die Aufgabe mit einer 6,3.  Damit konnte ich super zufrieden sein, weiß ich doch selbst, dass Ginny es gegen die Dressurspezialisten mit ihren Grundgangarten nicht leicht hat, und bei unserer heutigen Vorstellung war ja noch sehr viel Luft nach oben. Es scheint sich also zu lohnen weiterzuarbeiten.

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Als Ginny schon ausgeflochten bei ihrem Calle im Hänger stand und zufrieden ihr Heu mümmelte schlenderte ich nochmal zum Dressurplatz rüber. Ein Blick auf die Tafel, und dann musste ich aber nochmal schnell laufen. Ginny war  noch platziert, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Also schnell zum Auto, Jackett und Helm geholt, bei den Richtern um Dispens gebeten und schon durfte ich Ginnys erste Schleife in der L-Dressur abzuholen.

Über Mittag hatten wir viel Zeit das Essen und den Kaffee zu geniessen, und bei den anderen Prüfungen zuzuschauen. Vor allem der Aktionsparcours war ein großer Spaß für Reiter und Zuschauer und der Turnierplatz war tatsächlich voll von Zuschauern.  Ein richtiges Dorffest also, wie es schon seit vielen Jahren so ist. Wenn der Reitverein einlädt, ist das ganze Dorf auf den Beinen.

Als letzter war dann noch unser Calle am Start. Ein Stil-M sollte seine Prüfung sein. Top Boden, den ganzen Tag gechillt mit seiner Ginny auf dem Hänger stehen nicht zu warm, nicht zu kalt, eigentlich top Voraussetzungen.  Wenn nur Herr Calle nicht aus Versehen, seine Motivation im Hänger vergessen hätte.

Auf dem Abreiteplatz sprang er souverän wie immer. Der Parcours war leicht. Eigentlich eher Richtung L als Richtung M. Das sollte jetzt nicht die größte Herausforderung werden. War es auch nicht. Calle sprang eine sichere, schöne Runde, nur leider hat er es nicht so ganz ernst genommen und zwei der Sprünge ziemlich unsanft umgerempelt.  Das ist so ein Knaller. Bekommt hier einen Traumparcours hingestellt und hat einfach keine Lust sich anzustrengen.  Mit der Grundnote von 7,5 hätte er sich das silberne Schleifchen abholen dürfen, aber wahrscheinlich wollte er sich eine weitere anstrengende Galopprunde in der Siegerehrung sparen und lieber wieder zu Ginny zum Hänger gehen.  Das hat er ganz geschickt gemacht. Mit der Endnote von 6,5 war er genau einen aus der Platzierung raus und hatte damit Feierabend. Aus seiner Sicht alles richtig gemacht. Wahrscheinlich hat er vorher Ginny versprochen, dass er nicht lange weg bleiben wird. 😉

Das war dann auch unser Turnierwochenende in Möglingen mit vielen Erinnerungen, mit der Vorfreude auf das nächste Jahr, mit vielen Bekannten, die man hier getroffen hat, vielen Gesprächen und vor allem einem entspannt kurzen Anfahrtsweg.