Calle E – Eure Fragen, meine Antworten

Gestern habe ich euch bei Instagram aufgefordert mir eure Fragen über Calle zu stellen, die ich euch in diesem Blog gerne beantworte:

Die Frage, wie wir zu Calle gekommen sind und ob wir noch andere Pferde probiert haben, hatte ich ja schonmal in Calles Vorstellungsblog beantwortet, die Antworten könnt ihr hier nachlesen

 

Die weiteren Fragen findet ihr hier:

GEHT NINA AUCH DRESSURPRÜFUNGEN MIT CALLE?

Ja, Calle ist zwar eigentlich kein Dressurpferd, hat aber eine dressurmäßige Grundausbildung wie alle unsere Pferde. In normalen Dressurprüfungen, gegen reine Dressurspezialisten macht es wenig Sinn ihn zu reiten, da schon alleine seine Bewegungsabläufe als Springpferd anders sind, als die der Dressurpferde und er so, obwohl er seine Lektionen alle könnte, nicht wirklich mithalten kann.
Es ist jetzt auch nicht unser Ding noch mehr an Versammlung, Aufrichtung usw. zu arbeiten, so wie es ein Dressurrichter sehen wöllte. Das liegt Calle nicht und man müsste ihn zu sehr anpacken, was wir für unnötig halten, da er ja mit unserer Dressurarbeit seinen Job als Springpferd sehr gut macht.  Für uns ist die Durchlässigkeit, die Losgelassenheit und die Gymnastizierung wichtig. Das reicht auf dem Turnier für eine A-Dressur aber nicht für mehr.
Calle ging im Rahmen von Vielseitigkeiten natürlich auch Dressuren ( A und L)  in denen er jeweils mit hohen 6er oder sogar 7er Noten immer im vorderen Bereich mitlief. Allerdings liegt der Fokus in den Vielseitigkeitsdressuren aber eben auch mehr auf den Sachen, die auch uns wichtig sind, wie eben die genannten Punkte. Versammlung wird hier ja nicht gefordert und so kann er hier ganz gut punkten.

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HABEN DIE PFERDE VIEL GEKOSTET?

Das ist eine gute Frage. Es ist alles eine Sache der Relation, was man als „VIEL“ bezeichnet.
Grundsätzlich muss man ja mal sehen, dass es irgendjemand gibt, der die Pferde gezüchtet, großgezogen, angeritten, jahrelang optimal versorgt und natürlich bezahlt hat, bevor sie zu uns gekommen sind.
Deshalb gibt es ordentliche, gesunde Pferde natürlich nicht zum Schnäppchenpreis.
Ich bin immer der Meinung, wenn wir alle Pferde für 2000 € suchen, bei denen leider die Züchter, Aufzüchter und Ausbilder viel Geld drauflegen müssen, dann wird es bald niemand mehr geben, der er sich leisten kann und will Pferde zu züchten.
Von demher haben wir für unsere Pferde faire, aber nicht überhöhte Preise bezahlt, mit denen alle Beteiligten zufrieden sein können.

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Baby-Calle

WAS IST CALLE, BEVOR WIR IHN GEKAUFT HABEN TURNIERMÄßIG GEGANGEN?

Calle hat in seinen jungen Jahren eine sehr gute Grundausbildung genossen. Turniermäßig ging er Springpferdeprüfungen der Klasse L und M und war auch schon im Viereck in A-Dressuren erfolgreich unterwegs.

WIE IST CALLE GEGENÜBER ANDEREN PFERDEN DRAUF?

Calle ist grundsätzlich ein sehr soziales und freundliches Pferd. Er mag jeden, vor allem aber Stuten. Dann will er immer kuscheln – schließlich ist er ja Kuschel-Calle- und ist dann immer ganz verwundert, wenn die Stuten ihn anquietschen. Das kann er so gar nicht verstehen. Er schaut uns dann immer an, als ob er uns fragen will: “ Was tut sie?? Ich will doch nur Spielen“  Er hat aber leider kein Gefühl dafür, dass seine Art zu schmusen und zu spielen für die meisten anderen Pferde einfach zu grob ist. Das was er als normal empfindet ist eben für die meisten Pferde ein körperlicher Angriff. Da liegt das Problem, wenn man denkt, man wäre ein Hamster, in Wirklichkeit aber ein 700kg-Koloss ist.
Bei Wallachen, vor allem bei Paul muss man sehr vorsichtig sein. Die sieht er als Konkurrenz an und dann kann auch der “ kleine“ Kuschel-Calle zum wilden Tiger werden.  Man muss bedenken, wenn ein Calle nach einem Paul treten würde, wäre von Paul wahrscheinlich nichts übrig. Deshalb sind wir im Umgang mit Calle und anderen Wallachen doch sehr vorsichtig.

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WIRD CALLE DIESE SAISON GELÄNDEPRÜFUNGEN GEHEN?

Calle ging dieses Jahr eine Geländeprüfung, am Anfang des Jahres in Kirchberg. Davon gibt es auch ein You Tube Video auf unserem Kanal. Sonst ging er aber bisher noch kein weiteres Gelände, weil es einfach nicht in unseren Zeitplan gepasst hat.

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GAB ES EIN PRÄGENDES ERLEBNIS MIT CALLE?

Es gab und gibt mit Calle immer wieder tolle Erlebnisse,  an die wir uns auch immer wieder gerne zurückerinnern. Calle ist einfach ein rundum symphatisches Pferd, dass einem immer wieder zum Lachen und zum auch ab und zu zum Staunen bringt. Von dem her ist eigentlich jeder Tag mit Calle ein Erlebnis und wir freuen uns täglich aufs Neue, wenn er uns zuwiehert, sobald er erkennt, wer wir sind. Selbst wenn er mit anderen Pferden auf der Koppel steht und sich eigentlich nicht für uns interessieren sollte gibt es fast immer eine freundliche Begrüßung für uns.

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Das wohl prägendste Turniererlebnis war sicherlich der Start in der Schleyerhalle im Nürnberger Burgpokal. Zu dem Zeitpunkt waren Nina und Calle ja noch  nicht so lange ein Team, die Saison war durch ihren verletzungsbedingten Ausfall sehr durchwachsen, Calle und Nina waren  beide noch unerfahren im M-Springen und trotz allem haben sie es bei der letzten Quali noch geschafft in das Finale einzuziehen. Da uns das nicht geschenkt wurde und wir dieses Ziel über die Saison hinweg schon abgehakt hatten, war es umso schöner, doch dabei sein zu dürfen und Calle hat dort ja auch einen tollen Job gemacht.

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WIE WIRD CALLE IMMER GERITTEN, BZW. GIBT ES EINEN TRAININGSPLAN?

Natürlich haben wir, wenn Turniere genannt sind einen ungefähren Plan, wie wir uns darauf vorbereiten. Auch, wenn Vielseitigkeitsturniere anstehen, muss man sich natürlich mit vermehrter Dressurarbeit und Konditionstraining darauf vorbereiten.

Trotzdem müssen wir auch flexibel bleiben. Da gibt es mal Tage, da ist man selbst nicht so gut drauf, oder das Pferd wirkt müde. Manchmal scheinen die Pferde etwas auszubrüten, dann kommen Impfungen, Hufschmied, Wetterkapriolen,  Schule usw. hinzu, die es einfach nicht zulassen, dass man einen festen Plan hat.
Innerhalb unseres Grundgerüstes bewegen wir uns immer so, wie es die momentane Situation fordert.

Im Verlauf des Blogs findet ihr auch einige Trainingseinblicke in unsere Arbeit mit Calle.

Grundsätzlich ist Calle ein recht arbeitsintensives Pferd. Einfach nur draufsitzen und lümmeln geht bei ihm nicht. Dann lümmelt er nämlich gerne mit und fällt dabei dann leider über seine eigenen ( in dem Fall dann ungefähr 27 Beine). Calle ist natürlich sehr viel Pferd und auch wenn er selten verspannt ist, so muss man doch immer wieder seine Körpermasse gymnastizieren, was schon eine körperlich anstrengende Aufgabe ist, da man recht viel Körperspannung braucht um ihn zusammen zu halten.  Calle von hinten nach vorne durch den Körper zu arbeiten ist aber eine wichtige Aufgabe, da er, wenn er nicht genug dressurmäßig gymnsatiziert wird, zum 40 Tonner wird und dann auch gerne mal die Lenkung ausfällt. Anderseits ist Calle kein Ausdauerpferd und möchte nicht gerne länger als 25 min. gearbeitet werden. Nach dieser Zeit bekommt er einen fürchterlich schweren Kopf, den er dann nicht mehr selbst tragen kann und deswegen hat er immer nur recht kurze, knackige Einheiten und geht dann lieber eine Runde Gassi oder in der Schwemme planschen.

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CALLES GUTE UND SCHLECHTE SEITE

 

Uff, schwere Frage. Eigentlich ist Calle ein rundum Guter. 🙂

Trotzdem ist er natürlich nicht perfekt. Ich fange mit der guten Seite an:

Calle ist charakterlich ein wahrer Schatz. Er würde nie irgendeiner Fliege absichtlich etwas zuleide tun. Er hat keinerlei kriminelle Energie und Bösartigkeit oder Hinterlistigkeit ist ihm ein Fremdwort.
Calle kann man wohl charakterlich als absolutes Verlasspferd bezeichnen, auf den ich auch die kleinsten Kinder draufsetzten und reiten lassen würde, wenn dann nicht das Lenkproblem wäre.

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In den Zeiten, in denen ich außer Gefecht war, konnte ich ihn zwar nicht führen, weil er ganz schön bullig werden kann, dafür war er aber der Ersten, den ich wieder reiten konnte, weil ich mich bei ihm zu 200% darauf verlassen konnte, dass er keine unüberlegten oder bösartigen Aktionen starten wird.

Calle sollte, glaube ich, auch ursprünglich Calle Cool heißen, was absolut zu ihm gepasst hätte. Er ist in jeder Lebensituation ( außer, wenn Ginny sich zu weit von ihm weg bewegt) absolut cool und gelassen und würde sich nicht freiwillig schneller bewegen als notwendig.

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Genau diese einerseits „gute“Seite kann aber gleichzeitig auch zu seiner „schlechten“ Seite werden.

Leider war er eben genauso cool ,als er auf dem Füßchen der kleinen Katze stand und hat es in seiner Gelassenheit nicht mal gemerkt. ( Der Katze geht es inzwischen wieder gut)

Er ist auch genauso cool wenn er etwas nicht will. Dann stellt er sich mit seiner gesamten Masse einafch  hin, gerne auch mal senkrecht auf seine Hinterbeine und bleibt dort völlig cool und gelassen einfach stehen. Manchmal läuft er auch auf den Hinterbeinen stehend einfach , immer noch cool, los. Man sitzt dann drauf und kann nur warten, bis der Herr wieder mit allen vier Beinen auf dem Boden steht.

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Gerade wegen seiner absoluten Gelassenheit ist ihm in solchen Situationen schwer beizukommen. Calle kann man zu nichts zwingen, man kann ihn auch nicht scheuchen, verrückt machen, ihm drohen, schimpfen, schlagen oder sonstiges, weil es nichts bringen würde. Er stellt sich dann mit stoischer Ruhe einfach hin und wartet, bis das kleine HB-Männchen neben ihm mit der Aufregung fertig ist.

Ganz einfach, wenn Calle nicht will, dann will er nicht. Das kann dann keiner ändern.

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Genauso cool geht Calle regelmäßig in den Parcours und tritt den ersten Sprung um. Jegliche Versuche, diesen Fehler auf dem Abreiteplatz zu provozieren, damit er ihn vielleicht im Parcours nicht mehr macht, scheitern, da Calle auf dem Abreiteplatz keine Fehler macht. Er macht sie auch nicht im Training, er macht das nur auf dem Turnier. Vorzugsweise am ersten oder am bestpassendsten Sprung im ganzen Parcours.

Ja, so ist Calle eben auch, das macht ihn für uns aber nicht weniger wertvoll, jeder hat eben seine guten und schlechten Seiten.

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WIE WÜRDE ICH CALLE IN 5 WORTEN BESCHREIBEN?

  • Cool
  • liebenswert
  • verschmust
  • Kraftpaket
  • Kuschelbär

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So, ich bin durch, ich habe glaub alle eure Fragen zu Calle beantwortet und hoffe, euch ein bisschen bewusst gemacht zu haben, dass Calle ein tolles Pferd ist, aber es kein Pferd gibt, das perfekt ist. Jeder hat seine guten und schlechten  Seiten mit den man leben und umgehen muss, wir genauso wie unsere Pferden.
Im Endeffekt muss die Paarung eben einfach passen. Der eine Pferdebesitzer kann mit den einen Problemen besser umgehen, der andere mit anderen. Genauso liegt nicht jedem Pferd jeder Mensch.

Wenn die grundsätzliche Paarung passt, dann geht man mit seinem Pferd durch gute und durch schlechte Zeiten, wenn es allerdings schon grundsätzlich nicht passt bin ich euch kein Gegner davon, wenn neue Besitzerpaarungen gefunden werden, die dann vielleicht für alle besser passen.

Wir für uns sind froh, drei so völlig unterschiedliche Pferde zu haben, die sich aber alle in einem ähneln. Sie sind alle charakterlich toll und zaubern einem jeden Tag aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht. Der Tag kann so schlecht laufen wie er will, im Umfeld unserer Pferde steigt die Laune sofort und so soll es ja auch sein.

In diesem Sinne wünsche ich euch auch, dass ihr viel Spaß mit euren Pferden habt und eure Pferde mit euch. Es ist ein teures und aufwändiges Hobby und deshalb sollte es für alle Beteiligten passend sein.

 

Ein Gedanke zu “Calle E – Eure Fragen, meine Antworten

  1. Leonie schreibt:

    Schöner Beitrag🤗
    Und das mit dem Fehler im Parcours kenne ich🙈🙄 Meine Stute springt auf dem Abreiteplatz absolut vorsichtig und würde auch so nie einen Fehler machen. Aber dann, wenn es in den Parcours geht und ich eine passende Distanz hab (vorallem bei Steilsprüngen) wird die Stange mal ganz easy mitgenommen😂🙄 Kommt zwar nicht sooo oft vor, aber sobald ich denke ich kann mich entspannen, weil die Distanz passt zeigt sie mir dann, dass ich doch genug Spannung halten muss und mich nicht ausruhen darf🙆😂

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