Stangenarbeit- Teil 1

Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich die Blogs über unsere Stangenarbeit in kleine Teile aufteilen werden. Wir bauen uns regelmäßig eine kleine Aufgabe auf, die wir dann mit verschiedenen Pferden erarbeiten, je nachdem, wieviel Zeit wir haben und welche Pferde gerade was brauchen. Diese Lektionen sind nie im voraus geplant, sie entstehen aus dem Bauch heraus und dann schauen wir, was daraus wird.

Am heutigen Trainingstag mussten wir in die Halle gehen und hier kann man sich einfach keine komplizierten Sachen aufbauen. Es muss immer schnell gehen und falls andere Reiter kommen kann es auch sein, dass man gleich wieder abbauen und aufhören muss. So versuchen wir aus einfachsten und am schnellsten umzusetzenden Möglichkeiten das maximale an Trainingseffekt herauszuholen.

Heute haben wir uns für Stangentraining auf dem Zirkel entschieden.

Ich habe euch die Skizze des Zirkeltrainings mal aufgezeichnet. Wie ihr seht ist es supereinfach, aber es war dennoch für beide Pferde, die darüber gearbeitet wurden sehr effektiv.

DSC_0552.JPG

Den Anfang machte Calle, der mit Stangen, die niedriger als 1m sind eigentlich so gar nichts anfangen kann. Über Stangen traben fand er bisher völlig unnütz und er hat es auch einfach nicht hinbekommen. Eine Stange ist zum galoppieren da, oder man purzelt eben drüber.

17097422_1493045244052738_8315278307983326262_o

Im letzen Jahr hatten wir einen Springlehrgang im Winter, wie man das ja oft so macht. Es war eine sehr erfahrene Reiterin da, die, wie es meistens so üblich ist, die Pferde erstmal über Stangen traben lassen hat. Aber, wie man das von einer L/M Gruppe erwarten kann eben nicht über zwei oder drei, sondern gleich über 10 am Stück auf einer Linie, die zwei halbe Volten miteinander verbindet. An Calle hat sie sich eine halbe Stunde lang die Zähne ausgebissen, bis sie einsehen musste, dass er es einfach nicht kann.

16992027_1493045837386012_3159205113183762177_o

Selbst, wenn er einmal zufälligerweise seine Füße über den Stangen sortieren konnte, war es kein Lerneffekt, sondern tatsächlich reiner Zufall. Die nächste Runde konnte schon wieder im Stangen-Beinesalat enden. Da konnte keiner was dagegen machen, weder Nina, noch die Trainerin.

16904986_1493046440719285_8465385951764210273_o

Wir haben ihn seitdem wenig an Stangen gearbeitet. Wenn einer so gar kein Talent dafür hat und keinen Spaß daran hat, aber ansonsten seinen Job gut macht, dann finde ich, muss man es auch nicht erzwingen.

17097161_1493045077386088_570387840705709486_o

Umso erstaunter waren wir, als er heute über die Stangen trabte, als hätte er das schon immer getan. Und so wurde an diesem Tag doch noch ein sehr gutes Stangentraining daraus.

17098027_1493049287385667_709894103048900736_o

Angefangen haben wir mit zweimal vier auf dem Boden liegenden Stangen mit einem Abstand von gut 3m. Dadurch, dass die Stangen auf der gebogenen Linie innen enger und nach aussen hin weiter werden, kann man durch geschicktes anreiten ganz gut mit den Abständen variieren. Die Cavalettiblöcke standen am Anfang nur aussen neben den Stangen einerseits um die Zirkellinie optisch zu begrenzen, anderseits, weil wir die Stange im Trab noch nicht hochlegen wollten um Calle eben nicht zum Springen zu motivieren.

17039429_1493045300719399_7341179851554060681_o

Bei Calle ist der Sinn der Arbeit der, dass er zwischen den Sprüngen/ Stangen noch schneller auf die Reiterhilfen reagiert, Nina ihre Hilfen gezielt und schnell einsetzen muss, und durch geschicktes Reiten, schnelle Reaktionen und eine bessere Längsbiegung zu erreichen. Auch das Zurückkommen zwischen den Stangen ist eine wichtige Aufgabe beim Arbeiten mit Calle, da er doch sehr viel Pferd ist und zwischen den Sprüngen gern mal bullig wird. So muss man ihn immer wieder locker machen, und durch verändern der Galoppsprünge immer wieder verkürzen und auf das Hinterbein bringen. Das ist mit Hilfe von Stangen einfacher als in der Dressurarbeit, weil die Abstände der Stangen ja schon den Galoppsprung vorgeben, vorausgesetzt ein Pferd rennt nicht einfach blind drüber.

17097602_1493044730719456_8890475021617238831_o

Diese Arbeit ist für das spätere Parcoursreiten sehr wichtig, weil es die Schnelligkeit der Reaktionen, die Wendigkeit und das Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd fördert und fordert. Für Nina als Reiter ist es wichtig, die erste Stange der Reihe passend zu sehen und dadurch zu treffen, damit auch die anderen Stangen dann in den Rhytmus passen. Nur so kann das Pferd losgelassen mitarbeiten. Reitet man das Pferd häufig in eine Fehldistanz, verheddert es sich dann in den Stangen, wird es nicht zum loslassen kommen und somit wird man keinen guten Effekt der Stangenarbeit haben. Diese Arbeit, so einfach sie auch aussieht setzt also viel Konzentration voraus und ein geschultes Auge.

17039012_1493044687386127_4988066077479598874_o

Unser heutiges Ziel war es Calle auf beiden Händen Runde um Runde im gleichen Rhytmus und mittig über die vorgegebene Zirkellinie zu reiten. Wir wollten nicht den Anfang der Stangen innen und das Ende aussen treffen, sondern eine präzise gebogene Linie haben. Das Tempo zwischen den beiden Reihen sollte gleich bleiben, ohne dass man viel dafür tun muss. Der Galoppsprung war aufgrund des relativ engen Abstandes insgesamt etwas verkürzt, so dass Nina Calle immer wieder schliessen und aufnehmen musste.

Auf der linken Hand ging das von Anfang an relativ unproblematisch, obwohl das eigentlich nicht seine Schokoladenseite ist. Heute war sie es wohl. Hier konnten wir alles lassen wie es ist und am Ende alternativ die Stangen im Trab reiten als auch im Galopp. Die Galoppreihen fördern die Rittigkeit und die Entwicklung der Tragkraft, die Trabstangen animieren Calle dazu etwas höher und kraftvoller abzufußen, weil wir die Stangen inzwischen auf einer Seite höher gelegt hatten.

Auf der rechten Hand hatten wir ein bisschen mehr Arbeit, bis es rund lief. Nina konnte Calle nicht in einer gleichmäßigen Stellung und Biegung halten und die Linie war nicht rund. So halfen wir ein bisschen nach, indem wir die Cavalettiblöcke nicht nur aussen stehen ließen, weil Calle immer über den inneren Schenkel auswich. Wir bauten also um und stellten jeweils einen Block aussen und den nächsten innen, das immer im Wechsel. So war die optische Begrenzung der Stangen etwas klarer und es war einfacher Calle in der Mitte zu halten und rund zu reiten. Manchmal sind es nur kleine Veränderungen, die einem das Leben leichter machen.

Und so hatten wir ein sehr gutes Stangentraining, einen zufriedenen Calle und auch wir konnten mit einem guten Gefühl das Training beenden, so wie das ja eigentlich unser Ziel ist, was wir natürlich auch nicht immer erreichen können.

17039368_1493043790719550_6169428709634635036_o

Als zweiten im Bunde hatten wir heute Mr.Knister gesattelt. Wir hatten Glück und die Halle immer noch für uns allein. Knisti war schon eine ganze Weile nicht mehr gesprungen, da wir immer noch auf den passenden Springsattel für ihn warten, dessen Lieferung sich etwas verzögert. So ging er eine ganze Zeitlang nur noch Dressur, aber wir merkten schon, dass hier mal wieder ein bisschen Gymnastik notwendig ist, weil Knisti sich gerne mal im Galopp im Rücken festhalten kann, vor allem, wenn er viel in der Halle geht und nicht so richtig vorwärts galoppiert wird. Das findet er zwar ganz cool, schliesslich ist er von Natur aus eher der Faulbärtyp, aber für die Losgelassenheit ist das natürlich nicht förderlich und so kann es passieren, dass er irgendwann nur noch fliegende Wechsel springt, wenn der Reiter etwas mehr vorwärts galoppieren will.

17017079_1493045977385998_5354265736390236798_o

Und deshalb haben wir ihm sogar die Stangen etwas weiter gemacht als Calle. Die Mitte war bei rund 3,20m, so dass wir aussen auch 3,50m Abstand gehabt hätten, wenn wir noch größere Galoppsprünge gebraucht hätten. Denn das war unser Ziel. Wir wollten Knisti wieder so auf Zug und ins Vorwärts bringen, dass er sich über den Stangen ein bisschen strecken musste und somit wieder mehr Spaß am vorwärts galoppieren hat.

17039044_1493051857385410_8532451948731657211_o
Da Knisti ja von klein auf bei uns ist können er und Nina praktisch ihre gegenseitigen Gedanken lesen. Auch hat Nina ihn ja mit Ausnahme von mir immer nur selbst gesprungen. Das heisst, alles was er gelernt hat, hat er so gelernt wie es zu uns passt.

Da Nina ja erst 11 war als sie ihn bekommen hat und Knisti erst vier haben wir mit ihm Stangenarbeit bis zum abwinken gemacht. Auch auf den Kaderlehrgängen war das immer ein großes Thema. Und so ist Knisti einfach unser Stangenprofessor.

16991994_1493060060717923_1842437394236983051_o

Und so kam es, dass Nina, die bestimmt schon drei Monate nicht mehr auf ihm saß schon nach der zweiten Zirkelrunde entspannt ihre Runden drehen konnte. Eine wie die andere, rechte Hand wie linke Hand. Das geht wie an der Schnur gezogen, da gibt es kein Wegdrücken, kein Schnellerwerden, kein falsches Landen, das korrigiert werden muss. Wenn man den Vorwärtsgang drin hat, dann muss man nur noch lenken und geniessen.

17039354_1493061037384492_1575543187955862124_o

Vom demher war das Training mit Knisti schon nach 25 min beendet und er konnte ins Gelände bummeln gehen. Eine kurze, knackige Trainingseinheit, in der ausnahmslos alles funktioniert hat, reichte dem Bub aus, um auch den Rest der Woche locker und zufrieden mit seinen kleinen Reitbeteiligungen seinen Runden zu drehen. Und Merit kann sich nächste Woche, wenn sie vom Urlaub wieder  da ist, auf ein lockeres, motiviertes Pony freuen.

 

2 Gedanken zu “Stangenarbeit- Teil 1

  1. Wölkchen schreibt:

    Ich lese eure Blogbeiträge richtig gerne, weil sie immer so schön geschrieben sind! Einerseits sehr informativ aber auch immer so herzlich irgendwie☺ Und den tollen, qualitativ hochwertigen Bildern ist das gleich nochmal schöner zu lesen:)
    Liebe Grüße 🙂

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.