Pferdemarkt Leonberg – Hippologische Fachtagung

Am Montag trifft sich dann das Reitervolk in der Leonberger Reithalle zur Hippologischen Fachtagung. An Reitern, die in verschiedene Gruppen eingeteilt sind demonstriert der Referent seine Praxistips zum entsprechenden Thema. Das Thema heute war:

Moderne Springausbildung und als Referent konnte der „Kaiser“ Johannsmann gewonnen werden. Er, der wie er es selbst bezeichnete ein „Gewächs eines normalen Reitvereins“ war, hat den Sport und das Ausbilden von der Pike auf gelernt. Viele Jahre war er selbst erfolgreich im Sport unterwegs, bis er sich auf das Ausbilden von Pferd und Reiter spezialisierte. „Er habe nie einen eigenen Stall gehabt, oder haben wollen“ erzählte er, vielmehr mache es ihm Spaß frei zu sein, rumzufahren und überall im Lande hereinzuschauen und die dortige Ausbildung auf den richtigen Weg zu bringen. Nach einigen Jahren als Ausbilder bei Ludger Beerbaum ist er jetzt als Referent für die FN tätig und geht seiner Leidenschaft nach: Dem Reisen quer durch Deutschland, dem Besuch verschiedener Reitvereine und das näherbringen der modernen Springausbildung für Reiter und Pferd. Und so machte er heute Station in Leonberg.

 

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Anhand von drei Gruppen verschiedener Reiter erklärte er, was für ihn den Springsport ausmacht und kam auf denselben Punkt, den auch meine Reiter immer wieder von mir zu hören bekommen.

“ Springen ist Dressurreiten mit Hindernissen“

 

In der ersten Gruppe ließ er die Pferde lösen und nahm sich mehr als eine Stunde Zeit für die korrekte lösende Arbeit der Pferde, bevor sie überhaupt mal an ein Cavaletti geschweige denn einen Sprung gingen. Anschaulich erklärte er die Sitzgrundlage des leichten Sitzes, warum das so und nicht anders sein muss und legte immer wieder Wert auf die Trabarbeit, die „im Springsport immer mehr vernachlässigt wird.“ Übergänge vom Galopp zum Schritt nach einer gestellten Aufgabe wollte er nicht sehen.“Traben, ihr sollt traben“ klang es mehr als einmal durch die Halle, als die Reiter gewohnheitsmäßig wieder zum Schritt parierten, wenn der andere Reiter an der Reihe war. Wenn man nicht dran war sollte man nicht rumstehen und dann einen Kaltstart machen, sondern selbständig sein Pferd in Bewegung halten bis man wieder an der Reihe ist.

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Immer mit einem Schmunzeln im Gesicht stellte er verschiedene Aufgaben, beispielsweise das Reiten einer Volte mit gleichmäßiger Innenstellung. Nichts entging ihm. Kein durchhängender äußerer Zügel, kein Stellungsfehler in der Volte, kein Taktfehler im Trab und so korrigierte er unermüdlich immer wieder die Basis. Angaloppieren zur geschlossenen Zirkelseite “ weil dann das Pferd den Weg schon vor Augen hat“ forderte er genauso wie immer wiederkehrende Galopp-Trab-Übergänge “ Traben sollt ihr “ schallte es wieder durch die Halle. Das Publikum wusste manchmal schon vor den Reitern, dass das sein nächster Satz sein wird.  Die ersten Stangen ließ er im Aussitzen anreiten, weil das Pferd dann- wie er anschaulich mit Eigendynamik vorführte – mehr Ausdruck hat und  die Beine besser hebt. Danach durften die Reiter wieder leichttraben. Selbständigkeit der Reiter forderte er ebenso wie Mitdenken. “ Wenn ich einem Reiter eine Aufgabe stelle, erwarte ich, dass der andere zuhört und dem, der dran ist aus dem Weg geht. Die Halle könnte 80m groß sein und ihr würdet euch im Weg rumreiten.“ Nach einem Rüffel folgte immer gleich wieder ein „großes Lob“. So dirigierte er die Reiter mit gemäßigtem Druck und norddeutschem Humor durch die Reiteinheit.

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Nach der Lösungphase im Trab ging es an die Galopparbeit. Er wollte, dass die Reiter auf die Mittellinie abwenden -geradeaus selbstverständlich-  und dann 10 Galoppsprünge laut mitzählen. Das Ziel war mit 10 Galoppsprüngen nach dem Geraderichten das Ende der langen Seite zu erreichen, bevor man die Wendung an die kurze Seite reitet. So musste der eine Reiter die Sprünge etwas verlängern, der andere verkürzen, so wie es später auch im Parcours gefordert wird. “ Bist du damit zufrieden?“  fragte er, wenn die Mittellinie beendet war und korrigierte zuviel Innenstellung, fehlende Geraderichtung, zu kleine  Galoppsprünge, zu schweres Sitzen im Sattel oder verkehrtes Abwenden am Ende der langen Seite. So galoppierten die meisten Reiter mehr als 10 mal die Mittellinie hoch bis er zufrieden war. Erst dann ging es an das erste Cavaletti. Er wollte es am Ende einer diagonalen Linie zum Hufschlag hin stehen haben, damit der Galoppwechsel über dem Sprung schonmal gefordert wird. Ruhiges, rhytmisches Galoppieren sollte es sein, kein Heizen, kein Rhytmusverlust, kein Aufwand. Da die Reiter das problemlos lösten ging es schnell an die ersten kleinen Sprünge, die er unermüdlich mit Taktcavalettis versah. So hatte er praktisch immer ein Cavaletti in der Hand und trug es zwischen den Sprüngen hin und her. Als der Landestrainier aufgefordert wurde seine Distanz, die er Pi mal Auge gestellt hatte, nachzumessen passte die erwartungsgemäß auf den Punkt.“ Jahrelange Übung“ schmunzelte er wieder und forderte seine Reiter immer wieder zum Lachen auf, weil Reiten ja schließlich Spaß machen soll.

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Nach  wenigen kleinen Sprüngen verließ die erste Gruppe die Halle und an der Zeit, die er gebraucht hatte, merkte man, wie sehr ihm die solide Dressurarbeit der Pferde am Herzen liegt, bevor er überhaupt mal einen Sprung machen lässt, obwohl er hier ja sehr gut gerittene Pferde vor sich hatte, mit erfahrenen Reitern, fand er immer noch etwas zum korrigieren und verbessern ohne „den Reiter bloßstellen zu wollen“

Auch bei der zweiten Gruppe ließ er Trabarbeit reiten, Galoppsprünge zählen und die Pferde auf gerader und gebogener Linie arbeiten. Nach und nach ging es an die ersten kleinen Sprünge, die er wieder mit Taktcavalettis passend machte, bis es dann für die Reiter an das Parcoursreiten ging. Erwartugnsgemäß und mit seiner dressurmäßigen Vorbereitung ging das problemlos. Basisarbeit ist eben der Schlüssel zum Ganzen. Das Springen selbst nahm gar nicht so viel Raum in seinen Ausführungen ein. Auch die Dritte Gruppe war nicht mehr lange in der Halle. Die meiste Zeit ging für die Dressur und Lösungarbeit drauf, die ihm sehr wichtig war. Das Parcousrreiten geht dann von allein. Er betonte gerne, wie gut doch die Zucht unserer Pferde geworden sei und mit was für tollen Voraussetzungen die Reiter heutzutage arbeiten dürfen. „Aber tun müssen sie es selbst“ verlangte er.

Und so schloss er den Praxisteil in der Leonberger Reithalle mit dampfenden  aber zufriedenen Pferden und Reitern ab und machte sich nach der Mittagspause auf in die Stadthalle um das ganze nochmal in einem eigens gedrehten Lehrfilm in der Theorie zu vertiefen. Da konnte ich allerdings nicht mehr dabei sein, weil ich ja die Pferde für den Umzug morgen in Schuss bringen musste.

Ein lehrreicher, eiskalter Vormittag war zu Ende und ich war mal wieder in meiner Meinung bestätigt, dass ich mit meiner Auffassung von Basisarbeit richtig liege, auch wenn es manch einem Reiter, die beileibe nicht auf dem Niveau sind, auf dem es die heutigen Reiter waren, langweilig und sinnlos finden. Eine gute Basis und eine gute Lösungsarbeit kann einem keiner nehmen und ist eine gute, wenn auch langwierige, Investition in die Zukunft.

Heute hat man wieder gesehen, das vor allem auch die besten Trainier nicht in die Halle kommen und ihre  Reiter „schneller-höher-weiter“ springen lassen, „hauptsache drüber-egal wie“ , sondern dass gerade diese höchsten Wert auf korrektes Reiten und den Umgang mit dem Partner Pferd legen.  “ Ihr müsst Vorbild sein in euren Reitvereinen“ legte er den Reitern und auch den zuhörenden Ausbildern ans Herz, denn der Nachwuchs, der euch zuschaut, wird es dann genauso machen. “ Wenn ihr nur am Zügel zieht, dann denken die, das muss so sein und machen das genauso“ Mit diesen Worten und dem Apell Spaß am Reiten zu haben aber nie die Bodenhaftung zu verlieren verließ er gutgelaunt die Reithalle.

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3 Gedanken zu “Pferdemarkt Leonberg – Hippologische Fachtagung

  1. Ann-Christin Villnow schreibt:

    Ein richtig schöner Bericht und das Training klingt toll! Klasse, dass ihr solche lehrreichen Veranstaltungen direkt vor der Haustür bzw. am Stall habt. Solche traditionellen Vereinsveranstaltungen sind bei uns hier oben eher selten (geworden). Umso schöner also, dass ihr diese Veranstaltung so ausführlich auf eurem Blog beschreibt! Danke dafür!

  2. Wölkchen schreibt:

    Sehr schön geschrieben! Danke, dass ihr (du?) immer so schöne, ausführliche Blogbeiträge schreibt:)
    Viele liebe Grüße und noch einen schönen Abend:)

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