Für die Abwechslung im Winter-Freispringen

Im Winter, vor allem, wenn es so ist wie dieses Jahr, dass man eigentlich gar nicht ins Gelände und auf den Platz kann, müssen wir uns schon mal was einfallen lassen, damit unsere Pferde keinen Dressur-Hallenkoller bekommen.

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Leider sind unsere Möglichkeiten momentan sehr begrenzt und wir können auch nur machen, was unsere Anlage und ihre vielen Benutzer zulässt. Hier kann man gerade nicht einfach kommen und wollen. Man ist ja nicht alleine hier. So müssen wir oft genug Dressur reiten, weil einfach nur eine Halle frei ist und man keine Ausweichmöglichkeiten hat. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, dass wir so lange nicht auf den Platz konnten, aber dieses Jahr ist es halt so und wir müssen damit klarkommen.

 

Manchmal haben wir aber auch Glück und bekommen im Freilaufplan ein paar zusammenhängende Plätze hintereinander. Wenn dann noch die Pferdebesitzer da sind und wir die Pferde hintereinanderweg fertigmachen, warmführen und ohne Zeitverlust wechseln können, dann lohnt es sich sogar mal Freispringen aufzubauen um den Pferden ein bisschen Abwechslung zu gönnen.  Trotzdem beschränkt sich unser Aufbau auf das nötigste, weil wir in kürzester Zeit soviele Pferde wie möglich in den Genuss des Freispringens kommen lassen wollen. Deshalb ist der Aufbau nicht ganz so perfekt, wie man es machen würde, wenn man viel Zeit hat, sondern eher zweckmäßig einfach.

 

Ich lasse besonders die jungen Pferde gerne freispringen. Unsere Älteren finden Freispringen komisch und machen das auch selten, die springen wir lieber unter dem Reiter Gymnastikreihen. Aber für die Jungen finde ich es toll. Die Youngsters können ersten Kontakt mit den bunten Stangen schnuppern und lernen sich auch mal ohne Reiter auszubalancieren und ihren eigenen Weg über die Stangen und Sprünge zu finden, ohne, dass der Reiter eingreift. Schliesslich wollen wie die Pferde ja auch zum mitdenken und zur Selbständigkeit erziehen. Wir haben verschiedene Freispringkandidaten, die ich euch hier mal mit ihren Vorzügen und Eigenheiten vorstellen möchte.

Pauli und Calle gehen bei uns gar kein Freispringen, weil sie es so gar nicht mögen. Als ich Paul das erste Mal bei uns Freispringen ließ war ich entsetzt. Er hat mehr gestoppt als er gesprungen ist, da dachte ich  mir, dass das ja nur kontraproduktiv sein kann und habe es ihm seitdem erspart. Für Calle gilt dasselbe. Er mag es nicht und er ist auch im Freilaufen insgesamt relativ ungeschickt, was das Sortieren seiner eigentlich nur 4, aber in dem Fall eher 27 Beine angeht.

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Es hat schon seinen Grund, dass Calle unter dem Reiter gern die Anlehnung am Zügel sucht und sich auch gerne mal auf der Hand aufstützt. Er kann sich nämlich einfach ohne Zügel schlecht ausbalancieren. Das ist so, wir haben das verstanden und können das auch so akzeptieren. Also kein Freispringen für die Beiden, was immerhin für die anderen wieder Zeiten frei macht.

Ginny ist auch so ein besonderer Freispringfall. Sie macht es eigentlich ganz gern, aber das größte Talent ist sie auch nicht. Ginny ist ohne Reiter gerne mal ein bisschen unsicher und zieht nicht so richtig durch am Sprung. Sie macht immer gerne nochmal einen Galoppsprung dazu, wo eigentlich gar keiner mehr reinpasst. Bei Ginny geht das immer.

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Getreu dem Motto: Einer geht noch.  Auch hat Ginny die Angewohnheit direkt nach dem letzten Sprung, noch in der Landephase , zum Trab durchzuparieren.  Sie landet praktisch schon im Trab. Sie ist halt Entspannung pur. Für den treibenden ist sie aber recht anstrengend, weil sie keinen Schritt von alleine geht. Sie  möchte immer gerne fertig sein. Aber gerade ihr tut das Freispringen gut.

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Für Ginny bauen wir die Reihen immer gerne so auf, dass wir sie dazu animieren sich doch mal mehr fliegen zu lassen. Das kann verschiedene Aufbauvarianten haben. Gerne fangen wir erstmal mit Stangen an die im Abstand von 3,20 oder 3,30m liegen. Meistens so 4-5 Stück hintereinander, damit sie erstmal ins Laufen kommt ohne Springen zu müssen. Das macht sie ein paarmal, dann bauen wir ihr kleine Kreuzchen auf. 3-4 kleine Kreuzchen im Abstand von 3,30-3,50 und dahinter auch 7,20- einGaloppsprung- ein kleiner Steilsprung ist die erste Erhöhung der Anforderung. Das wird dann langsam gesteigert. Aus den Kreuzchen werden kleine Steilsprünge höchstens in Cavalettihöhe. Die Sprüngchen sind nur als Takthilfe für den abschließenden Sprung da. Der letzte Sprung ist dann variabel.

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Vom Steilsprung wird er zum Oxer und immer je nachdem, wie gut sie es annimmt, wird die Schwierigkeit verändert oder erhöht. Es kann an einem schlechten Tag auch mal sein, dass man den Abstand doch wieder verkleinert. Meistens kommen wir aber mit ein paar kleinen Tricks zum Ziel. Der Oxer hat immer eine Fußstange, die Ginny den Absprung erleichtert. Die Fußstange wird auch mal ein bisschen weiter vor den Sprung gelegt, damit sie dazu animiert wird, eine schönere Sprungkurve zu machen. Meistens klappt das ganz gut. Was auch gut funktioniert sind Cavalettiblöcke direkt vor dem Sprung oder eine bunte Matte unter dem Sprung. So bringt man sie dazu, doch nochmal  besser hinzuschauen und den Rücken über dem Sprung mehr aufzuwölben.

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So macht Ginny nach ein paar warmlaufversuchen dann doch immer einen guten Job im Freispringen und wird von Reihe zu Reihe sicherer.

Als nächstes haben wir es mal mit Lynn versucht. Lynn, eine bald fünfjährige Stute von Lingh hat überhaupt keine Erfahrung mit bunten Stangen, ausser, dass sie mal beim Dresssur reiten über eine einzelne getrabt war. Deshalb haben wir es mit ihr langsam angefangen und sie erstmal nur über die Reihe aus Stangen auf dem Boden geführt, damit sie überhaupt weiß, was sie damit anfangen soll.

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Nach zweimal drüberführen konnten wir sie loslassen und sie durfte selbst probieren. Anfangs hatte sie noch ordentlich Beinsalat über den Stangen und vergaß kurzfristig, welches Bein denn nun als nächstes kommt, aber nach ein paar Versuchen hat sie es schon echt gut gelöst und war damit dann auch für heute schon fertig.

Der kleine Doubi war auch schon bereit. Für ihn ist es wichtig selbst springen zu lernen. Er soll ja mit der kleinen Emma springen, die ihm selbst noch nicht helfen kann. Und Doubti findet die Stangen manchmal noch ein bisschen gruselig, stockt dann mal vor dem Sprung und macht dann einen komischen Hüpfer darüber. Oder eben auch nicht. Das ist natürlich für Emma noch nicht händelbar und so muss der kleine Mann einfach die Scheu vor den Stangen verliereren, selbstverständlich damit umgehen und auch lernen seinen Absprung selbst zu taxieren, ohne irgendwelche Verenkungen machen zu müssen. Das lernt er am Besten beim Freispringen. Wenn wir draufsitzen, helfen wir ihm ja doch immer irgendwie, man reitet ja nicht blind an den Sprung. Beim Freispringen kann er auf eigene Faust lernen, darf auch Fehler machen und aus seinen Fehlern lernen. Das hat er heute prima gemacht und wir konnten zum ersten Mal seit er bei uns ist, auch mal ein bisschen höher machen. Wenn er den Dreh mal raus hat, dann ist er echt geschickt.

Und als letzter im Bunde kam noch unser kleiner Freispringprofessor Mr.Knister. Er liebt Freispringen. Er geht eigentlich von alleine. Beim Warmlaufen muss man ihn nicht an den kurzen Seiten umdrehen, sondern man lässt ihn einfach laufen. Er macht dann von alleine eine kleinere Runde innen an Freispringreihe vorbei und wenn man ihm sagt, dass er jetzt springen darf, dann geht es los. Er läuft solange rund, bis man die Peitsche auf den Boden legt um umzubauen. Dann macht er Pause und  schaut zu. Wenn man ihn wieder startet, geht es wieder los. Das ist easy. Immer im gleichen Tempo schnurrt er aussenrum und hat Spaß dabei.

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