GG- wohin führt der Weg? #herzenspferd oder doch #thedevil?

Es ist wohl mal wieder Zeit für ein neues Ginny Gibson Update. Inzwischen ist sie nach der Auszeit ja schon wieder 4 Monate bei uns und so ganz langsam kann man etwas mehr darüber sagen, ob wir mit unserer bisherigen Taktik erfolgreich waren oder nicht.
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Ich würde jetzt gerne schreiben, alles ist gut, Ginny läuft perfekt und wir haben es geschafft 🙂  Das wäre dann die perfekte “ Das-Leben-ist-ein-Ponyhof-Traumgeschichte“ die wir alle gern hätten.

Gib deinem Pferd eine Auszeit, hole alle Tierärzte, die das Land zu bieten hat, kaufe ihr den perfekt passenden Sattel, überdenke jegliches Zubehör- beginnend bei der kleinsten Kleinigkeit und finde das perfekte Futter,- und Bewegungsmanagement. Schau, dass dein Pferd eine Box und einen Boxennachbarn hat, in der und mit dem es sich wohlfühlt, halte jeglichen Stress von ihr und glaube einfach immer weiter ganz fest an sie. Schliesslich ist sie ja dein #herzenspferd und du würdest alles dafür tun, dass es ihr gut geht.

Soweit die Theorie, die wir auch soweit es uns möglich war in die Praxis umgesetzt haben.

Das Ergebnis davon ist: Ginny geht es gut.

Alle körperlichen Einschränkungen, die uns in den letzen Jahren begleitet haben, haben wir im Griff. Aus einem Pferd, das im Stoffwechsel völlig durcheinander war, das mehr Stichelhaare und stumpfes Fell hatte als jeder Südländische Lastesel, das eine Muskulatur hatte, die hart wie Stein war, so dass die Akkupunkteurin teilweise kaum die Nadel setzen konnte, das eigentlich gar nicht mehr laufen wollte und sich, wenn andere getobt haben lieber mit dem Kopf ins Eck gestellt hat und ihr Ruhe haben wollte, ist wieder ein aufgewecktes, freundliches Pferd geworden. Sie steht momentan in einem für sie optimalen Futter,- und Gesundheitszustand, baut Muskulatur auf, wie noch nie und strahlt eine Zufriedenheit aus, sie seinesgleichen sucht. Sie ist lebendig, bockt auf der Koppel, liebt ihren Calle, und scheint sich in ihrem Körper rundum wohl zu fühlen.

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Seit August haben wir sie wieder antrainiert. Jeden Tag denkt man bei Ginny drüber nach, was man denn mit ihr am Besten macht, um auf jeden Fall das optimal mögliche für sie zu tun, und auf gar keinen Fall einen gesundheitlichen Rückfall zu riskieren.

Ist man zweimal hintereinander geritten überlegt man schon, ob man noch ein drittes Mal reitet, oder ob sie jetzt ein anderes Programm braucht. Ist man ein Wochenende nicht da und Ginny wurde nur laufengelassen, hat man schon ein bisschen Bammel, dass es wieder ist wie es war und ihr die Pause nicht guttut. Wir versuchen immer die optimale Balance für Ginny zu finden, die aus sehr viel Bewegung, aber wenig Stress besteht. Das ist gar nicht immer so einfach. Aber wir haben es ganz gut geschafft.

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Nunmehr seit 4 Monaten reiten wir sie konstant ohne größere gesundheitliche Probleme. Wir brauchten keinen Tierarzt, sie hat die Impfung gut weggesteckt, sie lässt sich beim Schmied aufheben, ohne sich auf die Stallgasse zu werfen, sie lässt sich Satteln und wir dürfen sogar mit angezogenem Sattelgurt reiten- das war nicht immer so.
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Ginny geht Dressur und Springen inzwischen auf dem Niveau eines fünfjährigem. Man kann sie aussitzen, man kann enge Wendungen reiten, man kann anhalten und wieder anreiten, man kann eine Reihe mit normalen Großpferdeabmessungen springen, man braucht keine 20min. mehr, bis man den Bewegunsablauf des Pferdes einigermaßen anschauen kann, man kann in einer vollen Halle reiten, auch, wenn man vielleicht mal kurzfristig abwenden muss, man kann seitwärts, vorwärts, rückwärts reiten, egal.
Ich weiß, für andere Pferde ist das normal, bei Ginny ging all das nicht.
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Sie macht es und gibt einem das Gefühl, dass sie es kann und dass sie Spaß an der Arbeit hat. Sie wird mit zunehmender Arbeit immer so ein bisschen aufgeregt und will immer mehr. Sie ist eigentlich sehr ehrgeizig und arbeitsbereit und je länger man sie reitet, desto besser wird sie. Sie freut sich, wie ein kleines Kind, wenn sie wieder gut war und gelobt wird, dann bekommt sie leuchtende Augen und schnaubt aufgeregt, als wöllte sie sagen:

“ Gell, das habe ich gut gemacht“ 🙂

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Sie weiss genau, wann sie gut war und wenn sie Spaß an der Arbeit hatte, steht sie noch eine Stunde später im Stall, schaut raus, spielt mit den Ohren und ist ganz aufgeregt, als wöllte sie allen zeigen, wie toll sie ist.

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Ginny ist einfach ein rundum sympatisches und liebevolles Pferd, die sich deshalb auch immer wieder den #herzenspferd verdient hat.

Wenn es da nicht das kleine ABER gäbe. Ginny kann zwar alles, was sie will und es geht ihr auch gut dabei. Jedoch vergeht immer noch kein Tag, an dem sie nicht mindestens einmal blockiert. Man kann keinen Grund dafür ausmachen. Es hat nichts mit den Anforderungen zu tun, die man an sie stellt, im Gegenteil, sie wird immer im Laufe der Arbeit besser und wir schaffen es immer, sie gut aufzuhören. Aber es vergeht kein Tag ohne, dass sie mindestens einmal ihr Vögelchen bekommt.

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Es kann sein, dass man auf dem Weg vom Stall zum Verein einem Auto ausweichen muss. Dann muss man ein Stück in die Wiese reiten— und kommt nicht mehr raus.  Sie steht dann plötzlich bockend und steigend auf der Wiese und geht keinen Schritt mehr weiter. Wer schon mal auf einem rückwärts bockenden Pferd auf einer Hangwiese stand, der weiss, wie man sich auf so einer Dynamitstange fühlt. Teilweise bleibt einem nichts anders übrig, als abzusteigen, sie aus der Wiese zu führen und wieder aufzusteigen und weiterzureiten.

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Oder sie geht eine tolle Springstunde, hat Spaß, ist ehrgeizig und ohne erkenntlichen Grund geht sie plötzlich  nicht mehr über ein Cavaletti. Auch das hat nichts mit Überforderung zu tun, den Oxer, der hinter em Cavaletti steht springt sie ja wieder, aber das Cavaletti, nein, das will sie jetzt nicht!!!  Und das macht sie deutlich. Sie hält dann aus dem Nichts  an, kommt abwechselnd vorne, in der Mitte und hinten hoch und man muss schauen, dass man den Vorwärtsgang wieder findet. Nach dem kleinen Aussetzer ist dann alles wieder gut, und sie tut als wenn nichts gewesen wäre.

 

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Da willst du hin? Nö, kannst alleine gehen

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Und wenn ich nicht will, dann will ich nicht! Zur Erklärung. Es ging hier um keinen Sprung, es ging nur darum im Schritt zwischen dem Zaun und einem Baumstaum durchzulaufen…..Minuten später war das geklärt und für in Ordnung befunden

 

Oder man will einen Handwechsel reiten. Leichttrabenderweise, noch am halblangen Zügel, alles ist gut, aber sie möchte jetzt nicht in die andere Richtung laufen….. dann tut sie es nicht. Dasselbe Spiel. Anhalten, bocken, steigen, und wenn man dann nicht nachgibt, weiterlaufen, als wäre nicht gewesen.

Oder man will beim nach Hause reiten durch die Geländestrecke, statt auf der Strasse reiten. Das passt ihr aber heute nicht in den Kram, obwohl wir das gestern und vorgestern und die ganze letzte Woche so gemacht haben. Heute nicht. Man steht dann wieder bockend auf der Stelle und kommt nicht weiter, was auf Beton besonders unangenehm ist.

Und wieder sitzt man drauf wie „Klein-Doofi“ und wartet ab, bis die Dame sich wieder einkriegt. Was anderes kann man nicht machen. Packt man sie an, oder denkt man nur im geringsten daran, die Gerte zu benutzen, dann steigert sie sich dermassen rein, dass  man am Ende wieder nur noch absteigen kann- wenn man denn noch runterkommt-

Während man auf dem bockenden Pferd sitzt und wartet, bis sie fertig ist, sieht man kopfschüttelnde Leute vorbeilaufen, und denkt….. egal…. so ist halt Ginny.

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dann geht es aber auch wieder so….

Auch, wenn wir wissen, dass sie so ist, so wünschen wir uns doch, dass wir irgendwann auch über diese Aussetzer drüberkommen. Es kostet soviel Nerven und Geduld und man muss sich auch immer wieder rechtfertigen, warum man diese Theater nicht endlich beendet und sich von diesem Pferd trennt.  Ja, es ist nervig, wenn sie es jeden Tag wieder macht, vor allem, weil es so grundlos und unnötig ist. Man muss oft die Luft anhalten, bis 10 zählen, warten, lächeln und doch wieder weiterreiten.

Manch einer fragte mich schon, warum das „Vieh“ nicht einfach mal richtig den “ Ranzen vollbekommt“ Ist es doch eindeutig kein gesundheitliches Problem mehr, sondern der Dickkopf. Hmmm, ja, auch das haben wir schon versucht….. irgendwann behält der geduldigste Reiter die Nerven nicht mehr und denkt: “ Jetzt muss es aber gehen“ und holt  mit der Gerte aus. Ja, auch ich habe das schon gemacht. Aber es nüzt nichts. Den Versuch habe ich schnell aufgegeben, weil Ginny dann leider völlig die Kontrolle über sich verliert und es mit jedem Mal blockieren schlimmer wird. Sie blockiert, weiß aber im selben Moment, dass die Strafe folgen wird und dann kann man nur noch schauen, dass man sich festhält.

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Ich weiss selbst, Ginny wird nie der Top-Sportler werden, sie wird wohl nie in ihrem Leben ein M-Springen meistern und sie ist für viele immer noch das hässliche braune Entchen, die als Reitpferd ungeeignet ist. Und trotzdem ist sie immer noch bei mir. Ich kann nicht sagen, wieviele Fristen ich ihr und mir schon gesetzt habe, wie oft ich schon gesagt habe,  “ Das möchte ich noch ausprobieren“ oder “ bis Ende des Jahres probiere ich noch alles aus, was in meiner Kraft steht“. Inzwischen kommen wir dem dritten Jahresende näher, das wieder so eine Frist sein sollte und das Jahresende wird wohl wieder vorbeigehen, ohne, dass was passiert und ohne, dass sie wirklich zuverlässig läuft.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir sie doch noch auf unsere Seite bekommen und aus ihr das Pferd wird, das sie eigentlich im Grunde ihres Herzens ist. Ein netter Allrounder mit Talent für sicherlich alles turniermäßige im L-Bereich, egal ob Dressur, Springen oder Gelände. Ein hochgradig rittiges Pferd- das mit Abstand rittigste von allen die ich kenne- die eigentlich jeden Tag aufs Neue Spaß macht und, wenn sie mitmacht einem das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch geben kann.

Mehr möchte ich im Moment gar nicht. Da ich selbst keinerlei Sportambitionen mehr habe, wäre ich zufrieden damit eine Ginny für mich im Stall stehen zu haben, der es gut geht, die sich von mir arbeiten lässt und die mich mit ihrer eigentlich herzensguten Art jeden Tag wieder berührt, und zum Lachen bringt.  Und so wird der Weg weitergehen. Solange Ginny gesund bleibt und keine körperlichen Einschränkungen hat, die sie am  laufen hindern, wird sie wohl bei mir bleiben, und wir kämpfen weiter täglich mit ihrem Dickkopf und kopfschüttelnden Beobachtern, die uns nicht verstehen können und werden.

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4 Gedanken zu “GG- wohin führt der Weg? #herzenspferd oder doch #thedevil?

  1. teamkaupp schreibt:

    Danke ja wir kämpfen schon lange für sie. Mit viel Geld, Zeit und Geduld. Man muss trotzdem irgendwann überlegen, wohin der Weg führt, auch, wenn sich das jetzt hart anhört. Am Ende muss man die Lösung finden, die für das Pferd am besten ist.

  2. Lorena schreibt:

    Ich finde es super das ihr sie behält und kämpft.. wer weiß schon wie es ihr wo anders gehen wird.
    Und so ein bisschen Abwechslung tut bestimmt auch gut, ich wünsche euch noch unzählige Jahre mit eurer Teufelin/Herzenspferd.

    Lg

  3. teamkaupp schreibt:

    So ist es. Viele haben mir schon erklärt, ich solle sie doch als Freizeitpferd verkaufen, aber das kommt nicht in Frage. Wenn sie gut drauf ist, dann kann sie alles, wenn sie schlecht drauf ist, ist sie aber schon gleich gar kein Freizeitpferd, dann kommt man nämlich nicht weit mir ihr. Sie geht dann auch nicht im Schritt ins Gelände. Ich könnte auch nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich sie hergeben würde und miterleben müsste, wie an ihr rumprobiert wird und sie am Ende doch durch zig Hände gehen würde.

  4. Tamara schreibt:

    Ich finde es so toll, dass ihr sie nicht aufgebt. Stellt euch vor, sie wäre an einem anderen Platz, sie würde wohl beim Schlachter landen. Ich habe auch so eine Stute, die regelmäßig nen Vogel hat. Einfach lächeln, aussitzen, weiterreiten… Da ich glücklicherweise noch ein „einfaches“ Pferd habe, lässt sich das auch verkraften 😉

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