Bald ist Saisonende

Eigentlich hat sie doch gerade erst angefangen, die Turniersaison 2016 aber irgendwie ist sie auch schon wieder zuende. Wir haben noch zwei Turniere, dann ist die Saison vorbei.

Rückblickend war die Saison dieses Jahr mal anders als die vorher. Bisher war Nina immer im Kader unterwegs und man hat bestimmte Ziele, die man erreichen will und auch sollte. Man ist immer in einer tollen Gruppe unterwegs, das fängt schon bei den Lehrgängen im Winter an und zieht sich durch die gesamte Saison. Nahezu jedes Wochenende hat man gemeinsam Turnier oder Lehrgang. Jeder kennt jeden und auch unter der Woche wird viel telefoniert, abgesprochen und vorbereitet.

Hört man ehemalige Ponyreiter, schwärmen sie alle von dieser Zeit. Ponyzeit ist die schönste Zeit, da sind sich alle Ehemaligen einig. Auch wir sind inzwischen „ehemalige“ und sagen dasselbe. Es war eine tolle Zeit.

Auch im letzten Jahr hatten wir noch ein Saisonziel und das hieß Nürnberger Burgpokal in der Schleyerhalle. Das haben wir erreicht. Darauf war dann auch die gesamte Saison abgestimmt. Man richtet sich im Training, in der Auswahl der Turniere, einfach mit seinem gesamten Leben nach diesem einen Ziel. Irgendwie war das gut so. Das ganze Jahr war irgendwie strukturiert, wenn es einem auch manchmal auf den Nerv geht. Trotzdem, es war eine schöne Zeit.

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Dieses Jahr lief ein bisschen anders.

Es gab kein bestimmtes Ziel. Wir konnten machen was wir wollten. Aber was wollten wir eigentlich? Gute Frage? Am Anfang des Jahres waren wir wieder auf einigen Geländelehrgängen weil Pauli dieses Jahr wieder ein bisschen Gelände gehen sollte. Natürlich ging Calle mit, daheim bleiben kann er ja schlecht. Ausserdem dachten wir, so ein bisschen galoppieren kann ihm nicht schaden. Dass er als Springpferd seine Sache im Gelände so gut macht, konnten wir ja nicht ahnen.

Also starteten wir den Versuch. Wir nahmen Calle mit in den Busch. Und er machte seine Sache gar nicht so schlecht. Calle ist ja jetzt vom Typ Pferd her nicht das typische Buschpferd. Eigentlich ist er zu schwer und auch nicht galoppierfreudig genug dazu. Blut hat er auch viel zu wenig und wenn man es ganz genau nimmt hat er es lieber ein bisschen gemütlicher. Das mit dem „Schnellgalopp“ findet er doch manchmal noch ein bisschen komisch, aber anderseits macht er über seine große Galoppade soviele Meter gut, dass er gar nicht so schnell laufen muss wie z.B. ein Pauli für den der Schnelle Galopp das schönste Hobby ist.  Calle kam in der Dressur sehr gut an. Als er verstanden hatte, dass ihn im Dressurviereck keine Feinde verfolgen wurden die Dressuren immer besser und er startetet mit ganz ordentlichen Ergebnissen in die weiteren Prüfungen.

Allerdings war die Saison auch wieder superaufwändig. Im Springen kann ich alles zuhause trainieren . Unser Sandplatz reicht völlig aus um alle möglichen Parcourssituationen zu trainieren. Ab und an mal ein Training bei unserem Trainer und schon waren die Turniere optimal vorbereitet. Im Busch sah das wieder anders aus. Dadurch, dass Calle ja gar nichts kannte mussten wir wieder viel trainieren fahren. Er musste verschiedene Hindernisarten kennenlernen, man muss Konditionstraining machen, was bei uns zuhause einfach nicht optimal ist. Man muss Dressur, Springen und Gelände gleichermaßen trainieren und dann noch die Schule und meinen Job verbinden. Das ist ein ganz andere Herausforderung.

Auch, wenn man aufs Turnier fährt ist die Situation anders. Im Springen reitet man eine Prüfung, die ist gut oder schlecht. Man kann auch mal nur einen Tag fahren, wenn es gut war, geht man am nächsten Tag nochmal, wenn man keine Lust mehr hat, bleibt man am nächsten Tag zuhause. Im Busch ist das anders. Selbst, wenn du eine tolle Dressur hattest, hast du noch lange nichts in der Tasche. Zusammengezählt wird am Ende. Ein kleiner Fehler in einer der drei Teilprüfungen und du bist weg. Dann hattest du viel Aufwand für nichts.  Und trotzdem ist und bleibt es das, was wir wollen.

Auf den Buschturnieren ist es wie ein Familientreffen. Man sieht auf jedem Turnier dieselben Leute mit denselben Zielen. Dadurch , dass man meistens 2-3 Tage am Stück da ist und auch oft übernachtet bildet sich eine Gemeinschaft wie zu Ponyzeiten. Das ist einfach schön und wir geniessen vor allem die Übernachtungsturniere, bei denen man abends zusammensitzt, über Gott und die Welt, vor allem aber über die Pferde quatscht und einfach dieselben Interessen hat.

Pauli lief eine tolle Geländesaison. Er hat mehrere VA und auch VL Platzierungen. Mit diesen Erfolgen dürfte er sogar nächstes Jahr in Ein-Sterne-Prüfungen starten. Mal sehen, vielleicht wird das auch so kommen. Wir müssen mal schauen, wie wir ihn über den Winter bekommen und dann entscheiden wir, was wir mit dem dann schon 17-jährigen Paul machen. Momentan hat er soviel Spaß daran, dass es schade wäre ihn nicht mehr zu reiten.  Warten wir mal den Winter ab.

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Calles Saison war für die erste Saison auch unglaublich gut, immer mit dem Hintergrund, dass er eigentlich ein Springpferd ist und bis vor einem Jahr weder Berge hoch und runtergaloppieren mussten, noch durch gefährliches Wassser gehen musste und schon gleich gar keine 3000m am Stück galoppiert ist. Das alles war neu für ihn. Jedes Turnier war eine neue Herausforderung für ihn. Manche hat er gemeistert, manche nicht. In Linkenheim zu Saisonbeginn war er noch etwas übermotiviert, und sprang statt des kleinen Sprung 1 einfach mal kurz über den Strohballen daneben. In Kreuth lag er nach der Dressur unter den ersten 5 und meisterte das erste Wasser nach ein bisschen Überredungskunst von Nina, aber liess sich nicht überreden auch ins zweite Wasser zu gehen. Bis dahin hatte er aber eine tolle Strecke. Dank des Veranstalters durften wir das Wasser am nächsten Tag nochmal trainieren und als er verstanden hatte, was er tun soll, ging das alles ohne Probleme. In Kirchberg überraschte er uns alle. Im strömenden Regen ackerte er sich unbeeindruckt durch den Stilgeländeritt Klasse A. Die tolle Manier, der Rhytmus und die Rittigkeit führten zu einer Wertnote von 8,8 und damit zum Sieg.
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Also blieben wir weiter dran. Nach ein paar reinen Springturnieren, von denen er sich leider auf einem verstolperte und dadurch ein bisschen das Vertrauen ins Springen verloren hatte , mussten wir ihn langsam wieder aufbauen. Der Zug zum Sprung war weg, die Freude am Springen sehr getrübt. Calle ist da wie ein Elefant, ein schlechtes Erlebnis vergisst er nicht. Aber auch da kamen uns die Buschturniere zugute. Neben ein paar L-Springen konnte er ein paar leichtere Parcoure im Springen gehen, so dass er langsam wieder Vertrauen fasste.

Im Juli in Laupheim überraschte er uns alle. Es war die Württembergische Meisterschaft und wir hatten Paul als Meisterschaftspferd gesetzt. Das Wasser in Laupheim ist ein See und wir konnten es wegen des schlechten Wetters davor nicht trainieren. Von daher waren unsere Hoffnungen sehr gering das Gelände zu beenden. Aber es kommt meistens anders als man denkt. Calle ging eine tolle Dressur. Im Springen hatte er eine Stange, was ihm am Ende den Sieg der Prüfung kostete. Womit keiner gerechnet hatte, war, dass er das Gelände fehlerfrei und in der Zeit lief. Es war kein einziger Sprung geübt und Calle schnurrte wie ein Duracellhäschen da durch. Er ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Am Ende war er dritter in der Prüfung und wär Württembergischer Vizemeister gewesen, wenn wir nicht Paul als Meisterschaftspfed benannt hätten.
Pauli hatte in dieser Prüfung ein bisschen Pech in der der Dressur und durch die niedrige Dressurnote konnte er trotz einer  Nullrunde im Springen und im Gelände nicht ins Meisterschaftsgeschehen eingreifen. Er war dann 4. in der Meisterschaft und 7. in der Prüfung.


Eine Woche später in Nussdorf war dann die Baden-Württembergische Mannschaftsmeisterschaft. Gut, dass uns die Entscheidung, welches Pferd gewählt werden soll vom PSK-Beauftragten abgenommen wurde. Ich hätte es nicht entscheiden wollen. Er entschied sich für Paul und lag damit goldrichtig. Trotz intensiven Trainings, dass er immer mit Begeisterung gemacht hat, war Calle am Turniertag nichtmal in die Nähe des Wassers zu bekommen und damit schied er aus. Man muss es nicht verstehen. Beim Training hat er noch alle anderen Pferde abgeschleppt,beim Turnier war nichts zu machen.Aber Pauli lief dafür zu Hochform auf. Eine gute Dressur,ein toller,schwererParcour und ein gigantisches Gelände vom kleinen Mann reichte dann zum Platz 3 in der VL und somit war Mannschaft des PSK Böblingen am Ende Baden-Württembergischer Vize-Mannschaftsmeister.

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Danach hatten wir ein paar Springturniere. Pauli sammelte fleissig L-Siege und und Platzierungen, Calle konnte sich wieder mehrfach in M* platzieren und lief ein tollesM** in Leonberg. Springen geht also auch wieder.Pünktlich zum Ende der Saison haben wir beide wieder auf dem Damm.

Zum Abschluss stehen jetzt nochmal zwei VS-Turniere an,bevor die Pferde in die Winterpause gehen.Auch Ginny, die dritte im Bunde, die die Saison auf der Koppel verbracht hat, steigt gerade wieder vorsichtig ins Training ein. Unser nächtstes Ziel liegt aber nun in der Ferne. Es wäre schön, zum Winterturnier Ende Dezember in Kreuth alle Team-Pferde fit zu haben und dort ein schönes Turnier mit den Minis und allen Team Kaupp Leuten zu verbringen. Bis dahin ist aber noch viel Arbeit für Knisti,Ginny,Doubti,Venezia und Virginia angesagt, während Calle und Paul urlauben dürfen.

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