Das erste eigene Pferd- Was kommt auf mich zu?

Ich nehme hier auch immer wieder mal Anregungen der Blogleser auf. Ein Wunschblog war, das Thema über ein eigenes Pferd. Was muss man beachten, was kommt finanziell und auch zeitmäßig auf einen zu? Wie geht man die Pferdesuche an?

Ich versuche es hier mal  grob zusammenzufassen.

Der Traum vom eigenen Pferd schwelt ja in vielen, aber die Anschaffung eines Vierbeiners bringt auch eine große Verantwortung mit sich, das muss einem von vorneherein  klar sein. Es gibt in der Pferd-Reiter Beziehung nicht nur gute Zeiten. Schwierige Zeiten, seien sie gesundheitlicher Art oder auch, dass es mal einfach vielleicht auch über längere Zeit hinweg nicht klappt müssen überstanden werden. In dieser Situation wird jeder Pferdebesitzer mal sein und man muss damit klarkommen. Hat man das Pferd mal im Stall stehen, ist man in der Verantwortung. Finanziell ebenso wie emotional. Darüber muss man sich vorher im Klaren sein.

Grundsätzlich ist die Anschaffung eines eigenen Pferdes natürlich am einfachsten, wenn man damit nicht alleine ist. Hat man eine Familie im Hintergrund stehen, die einen unterstützen kann ist vieles einfacher. Ist man alleine, muss man schon vorher überlegen, wer das Pferd versorgt, wenn man selbst mal wegen Krankheit, Urlaub usw. selbst  nicht kann.

Auch die Suche einer Reitbeteiligung ist natürlich eine Möglichkeit, wobei ich niemals die Reitbeteiligung zur Finanzierung der Kosten einrechnen würde. Das Hauptaugenmerk sollte dabei darauf liegen, dass man seine RB das Pferd ohne Wenn und Aber an den Tagen, an denen man selbst nicht kann anvertrauen kann und die Reitbeteiligung das Pferd so versorgt, wie man es selbst tun würde. Das sich die Reitbeteiligung finanziell am Pferd beteiligt ist in Ordnung, man sollte aber nicht auf das Geld angewiesen sein.
Mein Rechenbeispiel für eine Reitbeteiligung ist: Stallmiete :30 Tage, das ergibt dann einen Betrag X. Die Reitbeteiligung übernimmt für die Tage, die sie reitet diesen Betrag, den das Pferd also an diesem Tag kostet. Die übrigen Kosten wie Tierarzt, Hufschmied, Zubehör, Zusatzfutter usw. verbleiben immer noch beim Pferdebesitzer. Ich finde das eine faire Lösung, muss aber jeder für sich selbst entscheiden, wie er es  möchte.

Nun aber zum eigentlichen Thema:

Was kommt mit dem Pferdekauf auf mich zu? Was ändert sich im Vergleich zum Reiten auf einem Schulpferd?

In erster Linie ist man im Vergleich zum Schulpferd alleine verantwortlich für alles rund ums Pferd. Im Schulbetrieb wird das Pferd vom Verein gemanagt, man muss sich um nichts kümmern. Man kommt, reitet, versorgt das Pferd und geht wieder. Und das meistens ein bis zweimal in der Woche. In der restlichen Woche wird das Pferd von anderen Leuten geritten. Aber es ist ja nicht nur das Reiten, was das Pferd braucht. Es wird täglich gemistet und gefüttert. Je nachdem in was für einem Stall ein Pferd steht wird das vom Personal gemacht, oder man muss es selbst machen. Das selbst  misten ist zwar billiger, aber auch ein erheblicher Zeitaufwand, den man nicht unterschätzen darf. Zudem muss gewährleistet sein, dass das Pferd jeden Tag gemistet und gefüttert wird.

Das eigene Pferd muss auch zusätzlich zum Reiten versorgt werden. Das heisst, es sollte auf die Koppel gebracht werden. Optimalerweise gibt es eine Koppelgemeinschaft, die sich die Arbeit teilt, das hat aber nicht jeder. Man muss also auch die Zeit aufbringen sein Pferd auf die Koppel zu bringen und wieder zu holen. Eventuell muss man auch dabei bleiben.

Weitere Zeitfaktoren sind Hufschmied, Tierarzt die auch gleich noch unkalkulierbare Kosten mit sich bringen.

Der Hufschmied kommt zwar regelmäßig rund alle 8 Wochen, aber man kann nicht davon ausgehen, dass ein Pferd, auch wenn es beim Kauf barhuf geht, immer barhuf gehen kann. Unterschiedliche Bodenbedingungen, vermehrtes Ausreiten, neue Hallenböden, Turnierteilnahme usw. können dazu führen, dass das Pferd Hufeisen braucht, die dann schnell finanziell zu Buche schlagen.

Der Tierarzt ist wohl das größte unkalkulierbare Risiko. Ist das Pferd krank, muss man den Tierarzt holen. Man kann nicht warten, bis man Geld hat, sondern muss sofort reagieren können. Tierarztkosten können schnell eine empfindliche Höhe erreichen, deshalb sollte man beim Pferdekauf eine stabile Rücklage haben um solche unkalkulierbaren Kosten abfangen zu können. Es gibt zwar Kranken,- und Op-Versicherungen, aber die greifen meist nur prozentual.

Wenn wir gerade beim Thema Versicherungen sind, eine Haftpflichtversicherung für das Pferd ist Grundvoraussetzung . Entstehen Schäden durch das Pferd werden die durch die Versicherung reguliert. In den meisten Privatställen ist eine Pferdehaftpflichtversicherung Voraussetzung.

Ist man sich darüber im Klaren all diese Dinge stemmen zu können, geht es an die Pferdesuche.
Wenn man nicht gerade seine Reitbeteiligung oder ein bekanntes Pferd als sein eigenes übernehmen kann, oder jemanden an der Hand hat, der nach dem geeigneten Pferd für einen sucht, gibt es verschiedene Portale auf denen man nach Verkaufspferden suchen kann. In diesen kann man schon mal die Kriterien, die man an sein Pferd stellt eingeben, das grenzt die Suche etwas ein. Dafür sollte man sich vorher realistisch einschätzen, was man überhaupt möchte und braucht. Man muss langfristig denken, schließlich soll das Pferd ja über Jahre hinweg der Partner bleiben, also muss man auch weiterdenken. Man entwickelt sich weiter und die Pferd-Reiter-Konstellation sollte auch später noch passen. Sei es Leistungs, aber auch Alter,- und Größenmäßig. Auch über den Preis, den man ausgeben kann / will sollte man sich vorher im Klaren sein.

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Beim Überlegen, was man denn ausgeben kann, darf man die Grundausstattung des Pferdes nicht vergessen. Die grundsätzlichen Sachen, die ein Pferd braucht, wie Sattel, Trense, Halfter, Decken, Gamaschen und, und, und schlagen erstmal ganz schöne Lücken in die Finanzen.  Meist merkt man erst, wenn das Pferd da ist, was man alles noch braucht, da kommt schnell eines zum anderen. Man sollte bei Grundausstattung auch nicht sparen, da man diese Sachen über Jahre hinweg nutzen möchte und z.B. ein passender Sattel unumgänglich ist.


Will man Turnier reiten, kommt evtl. noch die Anschaffung eines Hängers inkl. passendem Zugfahrzeug hinzu.

Optimalerweise hat man bei der Pferdesuche seinen Reitlehrer an der Hand, der einem  hilft und einen auch nach dem Kauf mit dem Pferd betreut. Oft weiss dieser auch schon seriöse Adressen, wo man nach einem Pferd schauen könnte oder kennt das Pferd sogar schon. Der Reitlehrer kann am Besten einschätzen, was zu einem passt und wie die weitere Entwicklung aussehen kann. Ausserdem hat eine erfahrener Profi auch einen Blick für Exterieurmängel des Pferdes, Schwierigkeiten die durch Ausbildung usw. auftreten können und auch positive Eigenschaften des Wunschpferdes.

Wenn man nach all diesen Überlegungen immer noch ein eigenes Pferd möchte, muss man auch überlegen, was man tut, wenn es erstmal da ist. Je nach Alter, Ausbildungsstand des Pferdes und einem selbst muss man überlegen, ob man Reitunterricht, Beritt oder andere Unterstützung braucht. Meist ist die Unterstützung durch Beritt notwendig, um das Pferd auf dem Leistungsstand zu halten, oder eben weiter auszubilden. Ebenso sollte man nicht alleine probieren, sondern sich professionelle Hilfe im Reitunterricht holen und zwar, bevor etwas schieggelaufen ist. Man sollte sich einen vernünftigen Wochenplan zurechtlegen und mit seinem Reitlehrer gemeinsam kurzfristig und langfrisitige Ziele, die man erreichen möchte ausarbeiten. Danach richtet sich dann der Trainingsplan.

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Eurer Reitlehrer wird euch auch ehrlich beraten, welche Ziele für euch und euer Pferd realistisch zu erreichen sind und euch dabei helfen,es  zu schaffen. Ausserdem ist es hilfreich jemanden im Hintergrund zu haben, den man jederzeit bei Unsicherheiten fragen kann, was man denn tun soll. Es werden mit dem ersten eigenen Pferd viele Fragen auftreten, bei denen man froh ist, wenn man einen erfahrenen Ansprechpartner im Hintergrund hat, der einem bei vielen Entscheidungen aufgrund seiner Erfahrung helfen kann.

Das war jetzt mal die grobe Zusammenfassung, was man beim Pferdkauf beachten muss. Das Thema könnte man noch beliebig lang ausarbeiten, das würde aber den Rahmen des Blogs sprengen.

Wie gesagt, mein gutgemeinter Rat ist: Zieht nicht alleine los, nehmt auf jeden Fall eine Person eures Vertrauens, die Erfahrung hat, mit und lasst euch nicht von billigen Angeboten locken. Hinterfragt, warum ein Pferd günsig angeboten wird, hinterfragt auch euren eigenen Leistungsstand, seid einfach ehrlich zu euch selbst.
Denkt auch bitte daran, dass die Pferdezucht, also das Halten der Zuchtstute, das Aufwachsen und die Ausbildung des Jungpferdes eine ganze Stange Geld kostet, die irgendjemand ( im Normalfall der Züchter) bezahlt hat. Kauft ihr ein gut aufgezogenes Pferd, das vom ersten Tag an tierärztlich betreut wurde, vernünftig aufgezogen wurde und womöglich auch noch ausgebildet ist,dann hat das bis dahin schon einiges an Geld gekostet und daher sollte der Verkaufspreis dem angepasst und fair sein. Sind wir nämlich nicht mehr bereit für top aufgezogene und ausgebildetet Pferde ein faires Geld auszugeben, wird es irgendwann niemand mehr geben, der Pferde züchtet und ausbildet.

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