Rückblick- wie alles begann-Teil 2

Und dann kam Rapunzel

WAsser

Unsere Püppi war 12 Jahre alt, zuckersüß, 143 groß und einfach perfekt für uns. Es war uns klar, dass Püppi bei E begrenzt sein würde, aber wir dachten, bis Nina mal E reitet, das wird ja lange dauern. Aber dann ging es ganz schnell.

Vom Reiterwettbewerb über Springreiterwettbewerb ging es dann auch schnell ins Gelände. Püppi vermittelte Nina soviel Sicherheit, dass der Lernprozess schnell eintrat. Schnell waren die vielen Abflüge von Grafitti vergessen und sie begann Vertrauen zu Rapunzel zu fassen.

Wäre ich diesen Schritt damals nicht gegangen, ich weiss nicht, ob Nina beim Reiten geblieben wäre. Im Nachhinein würde ich wohl vieles anders machen, aber damals gab es schon allein finanziell gar keine andere Möglichkeit als es mit den jungen Ponys zu probieren.

Auch das E reiten begann schnell für die Beiden und war von Anfang an erfolgreich. Als sie die ersten erfolgreichen E-Gelände geritten waren, wurde Nina mit ihr in den Regionalkader aufgenommen.  Allerdings war hier die klare Ansage:  Sie kommt mit Rapunzel rein, aber auf Dauer sollte ein zweites Pony angeschafft werden, da Rapunzel tatsächlich bei E begrenzt war und an A nicht zu denken war. Die Aufgabe eines Kaders ist aber eben nunmal die Weiterbildung der Reiter und man ist auch ganz schnell wieder draussen.

So suchten wir nach einem Partner für Rapunzel, die weiterhin einen tollen Job machte. Nur, woher nehmen? Wir waren nicht in der Lage einen fertig ausgebildeten zu kaufen, und so kam die Entscheidung, dass ich zugunsten von Nina mein Großpferd abgebe und dafür nochmal ein Pony gekauft wird. So kamen wir zu Nathalie.

Mädels-02

Nathalie war sehr erfahren, war als junges Pony auch schon beim Bundeschampionat platziert und M-Springen gegangen und platziert.  Ich hätte die Besitzer nie nach diesem Pony gefragt, war doch klar, dass ich sie mir sowieso nicht leisten kann. Aber wir kamen dann doch zusammen, weil Nathalie dann doch bezahlbar war. Nach dem Bucha hat sie einfach die Form nicht gehalten. Zwar war sie manchmal top auf dem Turnier, an anderen Tagen konnte sie aber auch dicht machen. Sie hatte damals einen ganz talentierten Reiter, der das gut kompensieren konnte, aber zum Verkauf an ein Kind war es eben schwierig. So machten wir den Deal, dass ich sie für kleines Geld übernehmen konnte, in der Hoffnung, dass ich als Profi das richtige Händchen für sie habe und das Pony gemeinsam mit einem Kind managen kann. Das war sehr ehrlich von den Verkäufern und ich wusste von Anfang an, dass es keine einfache Aufgabe werden würde.

Aber wir kamen klar. Beim ersten Turnier, der Kreismeisterschaft in Ludwigsburg, traute ich mich noch nicht Nathalie als Meisterschaftspferd einzusetzen und entschied mich für ein anderes Pony, das mir sicherer schien. Wir wussten ja nicht, was passieren würde. Das Nina und Nathalie gleich mal eine 8,5 reiten würden konnte ja keiner ahnen. Aber die Dressur, die sie dafür mit 3,0 absolvierten holte uns gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Mit Nathalie und Rapunzel als Team hatten wir eine tolle Zeit. Nathalie ging Springen, Rapunzel Dressur. Nina lernte wahnsinnig viel auf den Beiden, vor allem aber, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt. Beide wollten täglich aufs Neue gearbeitet werden, beide waren keine Selbstläufer.  Mit Rapunzel sammelte Nina Dressurplatzierungen bis zur Klasse A und mit Nathalie war sie im Springen häufig in A siegreich und auch schon L platziert. Im Gelände blieb Nathalie bis zum Schluss schwierig, weil sie dafür die freie Natur zu gruselig fand. So ein eingezäunter Springplatz war ihr dann doch lieber.

Irgendwann war dann der Tag gekommen, an dem wir zugeben mussten, dass Nina aus Rapunzel rausgewachsen war. Leistungsmäßig und auch bald größenmäßig. Nun gehörte Rapunzel aber ja noch nicht zum alten Eisen und wollte auch nicht die zweite Geige bei uns spielen und nur noch so nebenher bewegt werden. Rapunzel wollte mit aufs Turnier, aber es gab keine Prüfungen mehr, die Nina mit ihr hätte reiten dürfen. Da es nicht unsere Art ist, die Ponys auf 150% zu reiten, dass heisst eigentlich immer etwas über ihrem Level, haben wir uns zum Verkauf entschlossen. Rapunzel sollte nochmal einem kleinen Mädchen den Weg in den Sport zeigen und dort ist sie bis heute noch.

DSC_1816

Nathalie war zwar als wir sie abgeben mussten erst 12 Jahre alt, aber sie war ja ihr Leben lang Turnier gelaufen. Das Gesundheitsmanagement wurde immer komplizerter und so war sie immer häufiger lahm. Die ehrliche Alternative war sie aus dem Sport zu nehmen. Sie verbringt ihr restliches Leben nun als Zuchtstute auf einem Gestüt in Thüringen.

Weiter ging es dann mit Mr.Knister, wieder einem jungen Pony…. und wieder haben wir ganz von vorne begonnen….. aber dieser Weg ging immerhin bis zur Deutschen Meisterschaft. Man sieht also, wir haben schon einen langen und sicher auch steinigen Weg hinter uns. Im Reitsport wurde uns nichts geschenkt. Aber die Erfahrungen, die wir und vor allem auch Nina über die Jahre sammeln konnte kann uns keiner mehr nehmen und so ist es Nina möglich sich auf sehr viele verschiedene und auch schwierige Ponys und Pferde einzustellen.

Bildbearbeitung-01

2 Gedanken zu “Rückblick- wie alles begann-Teil 2

  1. teamkaupp schreibt:

    Knisti war damals 7 Jahre alt und ich kann ihn ja nicht 15 Jahre als zweitpony laufen lassen. Paul war 15 als nina aus dem Ponysport ausschied. Sie konnte ihn noch weiterreiten und er soll bei uns in Rente gehen. Leider kann man eben zeitlich und finanziell gesehen nicht immer alle behalten.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.