Ginny Gibson, das Herzenspferd

Unsere Ginny, das ist eine lange Geschichte.

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Ginny in der mexikanischen Trense

Da doch immer wieder nach ihr gefragt wird und keiner so richtig versteht, was hier los ist, versuche ich mal  die Geschichte zusammenzufassen.

Kurz voraus: Ginny ist seit rund 2 Jahren mal krank, mal fit, mal himmelhochjauchzend, mal zu Tode betrübt.
Zahlreiche Tierärzte, Chiropraktiker, Osteopathen, Akkupunkteure, Heilpraktiker, Masseure, Hufschmiede, Futtermittelberater, Freunde usw. haben sich an ihr die Zähne ausgebissen. Bis heute weiß keiner, woher ihre Leistungsschwankungen, vom Sieg im A-Springen an einem Tag, zur völligen Depression am nächsten Tag kommen, und deshalb konnte bisher auch keiner was tun.

Sämtliche Behandlungen schlugen wenn, dann nur kurzfristig an, oder verschlechterten den Zustand sogar noch.

Über die sehr lange Zeit haben wir natürlich selbst viel probiert, uns selbst immer wieder in Frage gestellt und natürlich immer wieder überlegt, wie es denn weitergeht.

Darauf gibt es bis heute keine Antwort.

Eins ist sicher: Ginnys Gemüts,-und Gesundheitszustand hat nichts mit Reiten und Training zu tun. Die Idee, die schon viele hatten, man soll sie doch einfach nicht zum Sportpferd machen wollen, sondern sie als Freizeitpferd glücklich werden lassen, wäre nett, funktioniert aber leider nicht.

Wenn es Ginny gutgeht, dann will sie Leistung bringen. Sie ist zufrieden, wenn sie galoppieren darf, und sie ist leistungsbereit und rittig. Dann kann man das auch ohne schlechtes Gewissen abfragen. Wenn sie sich angestrengt hat ist sie danach im Stall noch aufgedreht und albern, als wenn sie uns immer wieder zeigen wöllte, dass sie es kann.

Wenn es ihr nicht gutgeht, dann möchte sie nichtmal den Stall verlassen. Sie steht dann apathisch in der Ecke, ist unzufrieden mit sich und der Welt und kann sich nicht richtig bewegen. Jedes Körperteil ist krampfig, jede Berührung ist ihr unangenehm. Sie möchte an diesen Tagen auch nicht Schritt ins Gelände gehen, sie möchte dann einfach nichts, auch kein Freizeitpferd sein.

Die Leistungs,- und Stimmungsschwankungen haben keinen Zusammenhang mit irgendwas, das für uns greifbar wäre. Es ist nicht so, dass sie nach Belastung schlechter wird, dann könnte man ja wieder sagen, sie hält das nicht aus und man macht das nicht mehr. Im Gegenteil. Bewegung tut ihr gut. Seit langer Zeit schon bewegen wir sie immer nur so, wie sie es selbst zulässt. Wir nehmen immer nur an, was sie von alleine anbietet. Was klar ist, ist, dass sie viel Bewegung braucht. Auch wenn sie mal klemmig aus dem Stall kommt, darf man nicht nichts machen, davon wird es dann jeden Tag schlechter. Man muss sie schon immer wieder in Schwung bringen. Wenn sie dann ein bisschen läuft, merkt sie meistens, dass es ja doch geht und hat wieder Spaß daran.

So ist jeder neue Tag mit Ginny eine neue Überraschung, daran haben wir uns inzwischen gewöhnt.

Nach meinem Unfall war es uns logistisch zuviel drei Pferde zu versorgen und allen drei gerecht werden zu können. Es wusste ja keiner, wann ich wieder einsetzbar bin und überhaupt was mit den Pferden machen kann. Nina sollte sich auf ihre Schule konzentrieren und hatte mit den anderen Beiden genug zu tun.

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So fiel im Januar die Entscheidung, Ginny eine Auszeit auf der Koppel zu gönnen. Im Pferdeerholungszentrum bei Schwäbisch Gmünd sollte sie einfach mal nur Pferd sein. Da wir davor eine lange Magengeschwürbehandlung gemacht haben und der Chiro sie nochmal eingerenkt hat, sollte sie einfach mal komplett abschalten. In einer kleinen Herde mit 3 anderen Stuten stand sie ab April Tag und Nacht auf der Koppel. Wir haben sie mehrmals besucht und sie war dort sehr zufrieden.

Da wir aber einen siebenjährigen nicht 20 Jahre auf der Koppel stehen lassen können, werden wir nun noch einmal versuchen, ob Ginny das Leben als Reitpferd gefällt, oder ob eine andere Entscheidung fallen muss. Die Entscheidung, Ginny zur Zuchtstute zu machen ist nicht ganz einfach, da man ja nicht weiss, was sie hat und ob sie überhaupt Fohlen bekommen kann, bzw. ob sie etwas hat, das weitervererbbar ist. Darüber müssen wir nachdenken, wenn der jetztige Versuch scheitert.

Jetzt denken wir aber erstmal positiv. Ginny ist seit knapp einer Woche wieder bei uns. Nachdem wir die Koppelfrisur in Ordnung gebracht haben, sieht sie wieder aus wie ein Sprotpferd. Keiner würde ihr ansehen, dass sie ein halbes Jahr gar nichts gemacht  hat. Sie steht da, als wäre sie voll im Training.

So haben wir am Dienstag angefangen mit freilaufen. Nach kurzem Zögern – sie war sich nicht so ganz sicher, ob sie laufen kann oder will- hat sie aber schnell Spaß an der Bewegung gefunden und trabte schön auf dem Reitplatz. Das war schonmal ein guter Anfang.

Tag für Tag haben wir uns diese Woche schon gesteigert, weil sie so fit und wach ist, dass wir uns das trauen konnten. Wie gesagt, Ginny selbst bestimmt das Tempo und wenn wir merken, dass etwas nicht in Ordnung ist, geht es gleich wieder einen Schritt zurück. Aber Ginny legt ein Tempo vor, mit dem wir kaum mithalten können. Damit hätten wir nicht gerechnet.

Nach zwei Tagen laufenlassen mit Longiergurt und vorsichtigem draufsitzen erst im Schritt, dann auch im Trab und Galopp haben wir am Samstag mal den Sattel draufgemacht.  Und siehe da. Ginny war gut drauf. Es ist schon noch ein großes Luftanhalten unsererseits dabei. Wir rechnen ständig damit, dass die alten Verhaltensweisen wieder kommen, aber bisher toi.toi, toi, will sie laufen, laufen, laufen. Wir müssen sie schon ausbremsen, wir  wissen gar nicht, wo sie die Kondition hernimmt. Ist halt ein Blüter.
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Nun wird es so erstmal weitergehen. Ginny wird weiterhin antrainiert, sie bestimmt das Tempo, wir gehen mit. Wir sind gespannt, wie es weitergeht, ob sie weiterhin so fit und gut drauf ist und freuen uns vorsichtig über jeden guten Tag mit ihr.

Egal was kommt. Ginny ist und bleibt das #herzenspferd und wir werden weiterhin alles dafür tun, dass es ihr gut geht und sie bei uns bleiben kann.

6 Gedanken zu “Ginny Gibson, das Herzenspferd

  1. Lana schreibt:

    das ist ein scan, der den mentalen und physischen Zustand des Pferdes zeigt. Schaut euch das einfach mal an, ist super spannend !

  2. Lana schreibt:

    Habt ihr denn schon von der Equusir Best Box gehört ? Ihr könnt euch ja mal auf der Homepage oder auf Facebook informieren. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen, dass diese Box wirklich genial ist ! Liebe Grüße 🙂

  3. teamkaupp schreibt:

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Da euer Tierarzt leider nicht aus unserer Region kommt, ist es keine Option dahin zu fahren. Ich bin aber trotzdem bereit ausführbare Tips anzunehmen. Momentan machen wir es ganz ohne Tierarzt, da ich die Worte Szinthigrafie und austherapiert nicht mehr hören will. Ein Chiro hilft uns aktuell und wir hoffen, dass es nun wirklich wieder gut werden kann.

  4. Michelle schreibt:

    Ich hoffe und drücke auch die Daumen für euch das es mit Ginny jetzt nur noch bergauf geht!
    Aber ich kann euch aus eigener Erfahrung unseren persönlichen Pferdegott empfehlen. (Klingt übertrieben aber bei uns schwört wirklich jeder am Stall auf Ihn obwohl er nicht gerade na ist.) Dr. Kai Krehling aus der Pferdeklinik Bingerwald.

    Er ist wirklich sehr sehr gut und weiss immer schon direkt beim ersten Vorführen was das Pferd hat und das was er sagt stimmt nach der Untersuchung wirklich immer und allen Pferden die wir bisher dort hatten geht es jetzt mit der richtigen Diagnose sehr sehr gut.

    Vlt wäre das ja auch mal ein Versuch für euch wert ☺️ Ich möchte damit auf keinen Fall sagen das ihr nicht schon viel versucht habt. Es ist nur ein nett gemeinter Tipp falls ihr Dr. Krehling noch nicht kennt.

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