Was ist Erfolg?

Bei Wikipedia kann man zum Thema Erfolg folgendes nachlesen:

„Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen selbst gesetzter Ziele“

und damit bin ich auch schon beim eigentlichen Thema.

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Was ist eigentlich Erfolg?

Wie wird Erfolg gemessen?

Wer bestimmt, ob ich erfolgreich war oder nicht?

Oft kommen wir vom Turnier heim und werden gefragt wie es war. Man kann davon ausgehen, dass der Fragende oft schon weiss, wie es denn war, da ja fast alle Turniere inzwischen live übertragen werden, das heißt, das Ergebnis macht schon im Stall die Runde, bevor wir überhaupt zuhause angekommen sind. Egal, ob es ein gutes oder ein schlechtes war.

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Nun ist es ja keine Frage, ein gutes Ergebnis ist toll, viele freuen sich darüber mit einem und man hat nichts zu erklären, außer, daß oft nachgefragt wird, warum man denn keine höhere Prüfung geritten ist.  Anders sieht es aus, wenn man mit einem mittelmäßigem oder gar schlechtem Ergebnis nach Hause kommt. Hier fühlt man sich plötzlich schuldig, den anderen zu erklären, wie das denn zustande kommt. Wer kennt nicht die Heimfahrten vom Turnier auf denen man überlegt, was man jetzt zuhause erzählt. Dabei wissen wir selbst alle, die schon an Wettkämpfen teilgenommen haben, dass wir nicht jede Woche dieselbe Leistung bringen können. In unserem Sport, in dem zwei Lebewesen mit unterschiedlichen Tagesformen zusammenarbeiten ist das schon gleich gar nicht möglich. Ganz abgesehen von verschiedenen Umständen auf dem Turnier, die manchmal dazu führen, dass es nicht läuft wie gewünscht.

Trotzdem sind wir oft mit einer Leistung zufrieden, die von anderen belächelt wird oder nicht ernstgenommen wird. Aus dem einfachen Grund, weil wir wissen was unser Leistungsstand ist und daher manche Leistung anders einschätzen als Außenstehende.

Es ist zum Beispiel auch ein Unterschied in welcher Konkurrenz man geritten ist. Reitet man auf einem unbekannten Turnier mit wenig routinierten Reitern kann man leicht mal ein Schleifchen absahnen, während der Start auf einem großen Turnier oder gar eine Meisterschaft es mit sich bringt, dass sich hier eben die versammeln, die schon im Vorfeld Qualifikationen reiten mussten um hier überhaupt starten zu dürfen. Da messen sich dann die Besten unter den Besten und es wird schwerer hier noch vorne mitzumischen. Der eigentliche Erfolg war hier schon, überhaupt soweit zu kommen bei so einem Turnier mitreiten zu dürfen, weil man vorher schon Leistung bringen musste. Unter den Besten im Mittelfeld zu landen ist dann immer noch eine tolle Leistung.

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Für den einen ist Erfolg jede Woche mit einem guten Pferd in einer kleineren Prüfung ganz vorne mitzureiten. Manche tun das über Jahre hinweg und sind damit zufrieden. Es gibt ja beispielsweise auch Pferde, die ganz beständig und regelmäßig ihre L-Springen gewinnen, aber nie ein M gehen werden. Das ist ok und derjenige hat seinen Erfolg darin gefunden zu erkennen, was ihm und seinem Pferd guttut und lebt im Einklang mit seinem eigenen und dem Vermögen seines Pferdes. So sind beide zufrieden und somit erfolgreich.

Eine andere Art des Erfolges ist es, etwas zu erreichen was bisher noch nicht ging, beispielsweise der erste Start in einer höheren Prüfung. Da kann es schon mal sein, dass man ohne Schleife nach Hause fährt ( die Konkurrenz schläft ja schließlich auch nicht auf den Bäumen) und ist aber trotzdem zufrieden, selbst wenn man vielleicht mehrere Stangen oder gar einen Stop hatte. Man hat sich ein Ziel gesetzt, diese neue Herausforderung zu schaffen und ist nicht mit dem Gedanken, gewinnen zu wollen, an  diese Prüfung gegangen. Das wäre auch vermessen und unrealistisch.

Oder man reitet eine Prüfung, von der man weiss, dass es einem nicht leicht fallen wird, diese zu reiten. Vielleicht hat das Pferd mal schlechte Erfahrungen mit Wassergräben, Regenschirmen, Lautsprechern oder anderen Dingen gemacht. Dann ist es schon wieder ein Erfolg  genau solche Schwierigkeiten zu überwinden. Solche Erfolgserlebnisse lassen sich nicht in Turnierplatzierungen oder Schleifen messen.

Erfolg gibt es auch ganz ohne Prüfungen und der wird dann sowieso nicht in bunten Schleifen gemessen. Ist es nicht als Erfolg zu bezeichnen, wenn ein Pferd, dass bisher nie auf den Hänger ging, nach langem Üben einsteigt, oder wenn man mit seinem Pferd alleine ausreiten gehen kann, an was lange Zeit nicht zu denken war?  Erfolg ist doch eigentlich, wenn man mit seinem Partner Ziele erreicht, die man sich gesetzt hat, auf die man teilweise lange hingearbeitet hat und sie irgendwann erreichen kann. Egal in welchem Bereich.

Und hier sind wie wieder bei der Wikipedia Definition von Erfolg angekommen:

„Der Begriff Erfolg bezeichnet das Erreichen selbst gesetzter Ziele“

In diesem Sinne, an alle Reiter und Nichtreiter. Ob man Erfolg hatte oder nicht, liegt im Ermessen des einzelnen. Wenig Außenstehende können beurteilen, was man selbst für Ziele hat. Sachen, die für uns mit unseren Pferden selbstverständlich erscheinen können für andere widerum eine große Herausforderung sein, die zu erreichen, deren eigener Erfolg ist. So sollten wir anderen ihre Erfolge gönnen, so wie wir auch möchten, dass Erfolge anerkannt und weder geneidet noch kleingeredet werden.

Für uns persönlich ist es ein Erfolg unsere Pferde gesund und zufrieden zu erleben. Ihnen ein möglichst pferdegerechtes Leben zu bieten, zu sehen, wie sie uns vertrauen und mit uns arbeiten.
Sind wir mit unserer Leistung zufrieden war ein Turnier erfolgreich.
Das hat nichts mit Schleife oder nicht Schleife zu tun. Wir haben uns ein Ziel gesetzt und dieses erreicht. Dass auf einem Turnier noch andere mitreiten, die vielleicht in einer besseren Tagesform sind, oder tatsächlich einfach besser geritten sind, oder auch mal mehr Glück hatten als man selber, bringt die Natur der Sache mit sich.

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Und so gönnen wir den anderen ihren Erfolg und freuen uns auch über unseren eigenen. Man darf ruhig auch mal anerkennen, wenn andere einfach besser waren. Das macht das Turnierreiten entspannter.

6 Gedanken zu “Was ist Erfolg?

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