Sporen, Kandare und C0.

Nachdem der Blog über die Rollkur gerne und viel gelesen wurde, und sehr viel positive Resonanz hatte, werde ich mal versuchen, das nächste Streitthema aufzugreifen.

Auch um dieses Thema wird sehr viel und sehr emotional diskutiert.

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Solange unser Calle noch so vertrauensvoll in die Welt schaut, kann der Einsatz unserer Hilfsmittel nicht so falsch sein 🙂

Manch einer glaubt, dass Reiter Sporen, Gerte oder gar eine Kandare benutzen um ihr Pferd zu quälen. Es mag zwar Vertreter unserer Sparte geben, die diese Hilfsmittel missbrauchen, zu denen gehören aber 95% der Benutzer nicht.
Deshalb wollen diejenigen, die vernünftig mit Hilfsmitteln umgehen auch nicht als Tierquäler beschimpft werden, weil das Unsinn ist.

Ein Sporen ist  dazu da, die reiterlichen Hilfen zu verfeinern, nicht um ein Pferd zu malträtieren. Natürlich sollte ein Sporen erst eingesetzt werden, wenn der Reiter Kontrolle über seine Schenkelhilfen hat und diese gezielt einsetzen kann. Wenn ich mal im besten Fall davon ausgehe, dass die meisten von euch zuhause einen Reitlehrer haben, dann wird dieser euch auch sagen, ab wann ihr mit Sporen reiten könnt oder nicht.

Bevor ich bei meinem Pferd mit dem Absatz „rumbohre“ oder ständig mit dem Schenkel klopfen muss, um eine Reaktion zu bekommen, setze ich lieber mal gezielt einen Sporen ein. Er hilft einfach dabei, die Schenkelhilfen gezielt und punktuell zu geben, ohne langes Bohren, Drücken oder gar ausholen und klopfen.

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Der Sporen ist da, berührt aber im normalen Einsatz das Pferd nicht. Er kann eingesetzt werden, wenn er notwendig ist, hat aber keinen Dauerkontakt

Ein kurzes Andrehen des Beines mit dem Sporen und ich habe ohne großen Aufwand die Reaktion, die ich möchte. Ich kann dadurch die Biegung verbessern und natürlich auch  die Aktivität des Hinterbeines. Ein aktives Hinterbein ist unerlässlich wenn das Pferd von hinten nach vorne durch den Körper schwingen soll.  Ist das Hinterbein aktiv geht das Pferd „bergauf“, man nennt das, es es geht  in relativer Aufrichtung. Das alles führt zu einer verbesserten Muskulatur und trägt damit dem Wohlbefinden des Pferdes bei. Ein durchtrainierter Körper fühlt sich einfach besser an und ist gesünder.

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Wenn wir ehrlich sind, kommen aber die wenigsten unserer Pferde aus dem Stall und schreien : „Juhu , Arbeit“ Ein bisschen Aufforderung gehört wohl bei den meisten dazu.

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Das Pferd geht bergauf in relativer -nicht erzwungener-Aufrichtung. Die flache Wade liegt an, der Absatz ist nicht hochgezogen oder verdreht, daher in dem Moment kein Sporenkontakt

Brauche ich den Sporen allerdings dauerhaft und muss ständig den Absatz hochziehen um den Sporen in Dauereinsatz zu bringen, dann muss ich meine Reitweise überdenken.

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Dressurpferde über kleine Sprünge zu reiten kann für Bewegungsfreude und Motivation sorgen.

Es gibt einige Möglichkeiten um sein Pferd aufmerksam zu machen, und auf feinere Hilfen zu sensibilisieren., beispielsweise viele Übergänge reiten, mal raus aus der Halle und auf einem größeren Platz reiten, dem Pferd im Gelände Spaß am Laufen vermitteln usw.

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Einfach auch mal raus aus der Halle und dem Pferd Spaß am Laufen vermitteln hilft gegen Abgestumpftheit und fördert die Motivation

Das Fazit ist also erstmal: Sporen sind für geübte Reiter, die wissen wie und wann sie sie einsetzen ein gutes Hilfsmittel um die Hilfen zu verfeinern, weil man dem Pferd mit deutlich weniger Kraftaufwand gezieltere Hilfen geben kann.

Ein Sporen im Dauereinsatz ist nicht hilfreich, da das Pferd abstumpft und darauf bald nicht mehr reagieren wird, das ist also nicht das Ziel.

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Ein bisschen Spaß muss sein 🙂

Ein Reiter muss immer nachdenken, ja Reiten ist tatsächich auch ein Denksport, warum er den Sporen braucht, ob er ihn gezielt einsetzt, oder ob er die Trainingsmethoden komplett ändern muss, weil selbst der Sproeneinsatz nicht mehr den gewünschten Erfolg bringt.

Mit der Gerte sieht das ähnlich aus. Ein kurzes Anticken  mit der Gerte dient der Aufmerksamkeit des Pferdes und hat nichts mit Strafe zu tun. Die Pferde können das auch sehr genau unterscheiden, ob sie gestraft oder motiviert werden.

Es ist z.B. manchmal auch ratsam bei Führen eine Gerte als Hilfsmittel dabei zu haben. Es geht auch hierbei nicht darum, das Pferd zu „verhauen“, sondern manchmal die Rangfolge zu klären. Meistens ist es schon ausreichend, eine Gerte dabei zu haben, in den wenigsten Fällen wird man sie einsetzen müssen. Und wenn, dann nicht sinnlos, sondern in einem vernünftigen, regulierendem Maß, ohne das Pferd zu verängstigen.

Mit der Gerte kann man mit wenig Aufwand seine eigene Positon behaupten, ein Pferd, welches  die Gerte als Hilfsmittel kennt und anerkennt, wird dementsprechend positiv darauf reagieren. Ein Pferd, das Angst vor der Gerte hat, wird eher panisch reagieren, was uns nicht weiterbringt. Deshalb sollten wir schon im eigenen Interesse vernünftig mit der Gerte umgehen, dann macht sie als Hilfsmittel durchaus Sinn.

Und widerum dasselbe gilt für den Einsatz der Dressurkandare oder auch schärferer Gebisse im Springen oder im Gelände.

Diese gehören selbstverständlich nur in Hände geübter Reiter und sind deshalb auf dem Turnier auch erst in der Dressur ab Klasse L zugelassen, im Springen ab Klasse M. Um in Kandarenprüfungen starten zu dürfen muss man LK 4 haben, d.h. 3x in L-Dressuren auf Trense platziert gewesen sein, oder das erforderliche Reitabzeichen abgelegt haben.

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L-Dressur mit anstehendem Trensenzügel und leicht durchhängender Kandare. Die Gerte liegt auf dem Oberschenkel, der Sporen ist in dem Moment leicht angedreht.

Eine Kandare ist ab Dressuren der Klasse M in fast allen Prüfungen Pflicht und somit reiten die Reiter damit natürlich auch im Training. Außer, wenn die Prüfung auf Trense ausgeschrieben ist, ist die Kandare normale Grundausstattung. Auch bei der Kandare gilt, dass Missbrauch schädlich ist, die Kandare aber in den richtigen Händen und bei sachgemässer Benutzung zu einer Verfeinerung der Hilfen führt, da man  keinen Kraftaufwand braucht und das Pferd sensibel reagiert.

Im Springen halten wir es persönlich auch so, dass wir lieber mal -manchmal auch nur übergangsweise – ein schärferes Gebiss einschnallen, damit wir weniger stark einwirken müssen.Viele Pferde sind einfach übermotiviert und haben so viel Go, dass es manchmal auch gefährlich wird, wenn sie dem Reiter vor dem Sprung die Kontrolle nehmen und kopflos werden. Bevor man dann am Zügel zieht,und es sowieso zu lange dauert, bis dann eine Reaktion kommt,  setzt man lieber gezielt das passende Gebiss ein und hat ein großes Stück mehr Sicherheit für sich und sein Pferd.
Die meisten Pferde lernen aber schnell, dass sie zuhören sollen und oft kann man schnell wieder auf ein weicheres Gebiss umschnallen. Eine gewisse Grundrittigkeit muss natürlich erarbeitet werden, aber das Gebiss kann einem natürlich dabei helfen.

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Calle geht im Training häufig mit 3-Ring-Trense…..

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…..aber auch immer öfter mit der normalen Wassertrense, hier dem Nathegebiss.

Auch hier gilt wohl, wie bei allem anderen auch:

Es geht immer um die Art und Weise, wie die Hilfsmittel eingesetzt werden. In den falschen Händen können sie viel Schaden anrichten. Das ist aber kein Grund alle, die sie benutzen über einen Kamm zu scheren, da der Prozentsatz derer, die sie vernünfitg anwenden mit Sicherheit um ein vielfaches größer ist, als der andere.
Jegliche Übertreibung schadet, egal, ob ein übermotivierter Einsatz der Hilfsmittel oder sinnloses Reiten mit Halsring und ohne Sattel. Macht man das ohne Sinn und Verstand ist es mindestens genauso schädlich für ein Pferd. Sitze ich auf einem schlecht bemuskelten Pferd ohne Sattel ist das sicherlich nicht gut für seinen Rücken, während ein gut bemuskeltes Pferd damit keine Probleme hat. Wird ein Pferd aber nie gymnastiziert, kann es ja gar keine Muskulatur haben. Also zählt auch hier das Zusammenspiel. Wie bei allem anderen auch.

Und ansonsten plädiere ich mal wieder dafür: LEBEN UND LEBEN LASSEN

Solange es den Pferden gut geht und sie sich wohlfühlen, sollte jedes Pferd-Reiterpaar das machen dürfen, was Ihnen Spaß macht. Nciht jedes Pferd ist zum Sportpferd geboren, aber auch nicht jedes Pferd wird damit glücklich täglich ausreiten zu gehen.  So sollte jede Paarung das finden, an was sie am meisten Spaß haben, dann ist jedem geholfen.